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Christina Prinzessin von Lobkowicz im Interview

Katholischer Männerverein Tuntenhausen gibt der Landbevölkerung Gehör

Christina Prinzessin von Lobkowicz und Dr. Erich Prinz von Lobkowicz sehen im Katholischen Männerverein Tuntenhausen auch im 152. Jahr seines Bestehens einen wichtigen Interessenvertreter der Landbevölkerung.
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Christina Prinzessin von Lobkowicz und Dr. Erich Prinz von Lobkowicz sehen im Katholischen Männerverein Tuntenhausen auch im 152. Jahr seines Bestehens einen wichtigen Interessenvertreter der Landbevölkerung.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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1869 wurde der Katholische Männerverein Tuntenhausen (KMVT) gegründet. Bis heute ist er ein reiner „Männerverein“, obwohl das Rollenverständnis von Mann und Frau 152 Jahre später ein ganz anderes ist. Dass und wie Frauen im Verein trotzdem mitwirken, erklärt Christina Prinzessin von Lobkowicz, geboren Gräfin von Hohenthal und Bergen, im Interview.

Welche Bedeutung hat der Katholische Männerverein für Sie?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: Jetzt kommt die Stunde der Laien! Eigentlich ist sie schon da! Und zwar besonders der Frauen. Denn christliche Werte und kirchliche Bindung werden zuallererst von Frauen und Müttern weitergegeben. Tuntenhausen kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Von dort kann die christliche Botschaft in Politik und Bevölkerung hineinwirken. Es gibt so vieles, das wir in unserer Gesellschaft gar nicht mehr sagen dürfen. Dagegen muss Tuntenhausen ohne Furcht vor Beschimpfung und mit großer Kraft auftreten.

Christliche Werte brauchen neue Ideen. Welche könnten das sein?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: In Oberbayern und schönen Orten wie Tuntenhausen kann man das Gefühl haben, die katholische Welt sei heil und in Ordnung. Aber der starke Rückgang an Priesterberufungen und die rasant fortschreitende Säkularisierung von Leben und Denken unserer Bürger macht auch vor Oberbayern nicht Halt. Gewiss braucht es daher neue Formen, die christlichen Werte und Glaubensvorstellungen zu den Menschen zu bringen. Und es braucht auch jemanden, der laut und deutlich sagt, dass unsere Bürgergesellschaft auf christlichen Werten aufgebaut ist, und nur von Dauer sein kann, wenn sie diese auch pflegt.

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Ein Motto des Männervereins ist „Tuntenhausen ruft – rufen Sie zurück!“ Welches wäre Ihre Botschaft an den Verein?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: Heute muss sich der Männerverein von Tuntenhausen an alle richten, die in Bayern eine friedliche, gerechte und christlich geprägte Zukunft erleben wollen. An die Familien, die ihre Kinder noch christlich prägen wollen. Und auch an diejenigen, die nicht mehr jeden Sonntag in die Kirche gehen, aber doch aus christlichen Überzeugungen ihre Kraft schöpfen, Mitmenschlichkeit und Solidarität erhalten wollen und unsere Freiheit.

Einst wurde der Verein gegründet, um die Rechte der Landbevölkerung zu vertreten. Ist das heute noch erforderlich?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: Unser Lebensgefühl auf dem Land ist auch heute anders als das Empfinden der Stadtbewohner. Es leben aber mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Das birgt die Gefahr der Bevormundung. Die grünen Idyllen der Stadtbewohner, die Natur als Blumen auf ihrem Balkon erleben, ist anders als die Lebenswirklichkeit eines Landwirtes, eines Forstwirtes und der dörflichen Gemeinschaften. Nur wenn die ländliche Bevölkerung sich weiterhin Gehör verschaffen kann, wird ihre Lebenswelt in Gesetzgebung und Politik noch Berücksichtigung finden. Dafür ist Tuntenhausen der richtige Ort.

In seinen Anfangsjahren wehrte sich der Männerverein gegen die Bevormundung der Menschen vom Lande. Gibt es diese Bevormundung noch?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: Die staatliche Bevormundung jetzt während der Pandemie fand ich schwer zu ertragen. Wenn manche politischen Parteien uns vorschreiben wollen, an welchem Tag wir nur Gemüse essen müssen, finde ich das unerträglich. Und jetzt frage ich Sie, auf welchem Podium wollen Sie sich gegen solche Bevormundungsorgien zur Wehr setzen? In den sozialen Medien? In der Flut gehen Sie doch unter. Der Katholische Männerverein von Tuntenhausen hat es sich immer zur Aufgabe gesetzt, die bürgerlichen Freiheiten für die Bevölkerung auf dem Lande einzufordern und zu schützen. Ich glaube, das ist auch heute sehr aktuell!

Der Verein machte sich in seinen Anfangsjahren auch für die Selbstverwaltung stark. Wie sieht es damit heute aus?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: Manchmal ist das, was uns als Bevormundung vorkommt, auch nur erklärungsbedürftig. Wenn in Tuntenhausen beispielsweise der Europa-Minister Rede und Antwort steht, wird vielleicht manches verständlich, was uns sonst als Bevormundung aus Brüssel gegen den Geist geht. Aber der Europa-Minister nimmt bei seinem Besuch ja auch etwas mit von der Stimmung hier auf dem Lande mit, von dem er vielleicht einiges in Brüssel richten kann.

Oder ein anderes Beispiel: Ein altes Mitglied des Männervereines nannte das Pandemie-Gesetz, das dem Bund alle Befugnisse gibt, „ein neues Ermächtigungsgesetz“. Dem kann ich nur zustimmen, das dürfen wir nicht hinnehmen. Tuntenhausen ist der Ort, von dem aus unsere Beschwerden Gehör finden.

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Haben Sie den Eindruck, dass der Verein den Menschen in der aktuellen Krise Halt geben kann?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: Letztlich gibt es keine besseren Antworten für die wichtigsten Fragen des Lebens als die christlichen: „Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wie sollen wir handeln?“ sind drei solche Fragen, die keinem Menschen erspart bleiben. Und es gilt auch, dass keiner alleine Christ sein kann. Christ ist man in Gemeinschaft. Es tut gut, sich gegenseitig zu bestärken, manchmal gewiss auch zu trösten und immer sich zu helfen. Christliche Solidarität ist die wichtigste funktionierende Grundstruktur einer Gesellschaft.

Helfen christlich-konservative Grundwerte dabei, schwierige Lebensphasen zu überwinden?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: Um zu wissen, wohin wir gehen wollen, müssen wir wissen, woher wir kommen. Die christliche Tradition gibt sehr profunde Antworten auf solche Fragen. Wir wissen, dass alle Menschen Sünder sind, und der Barmherzigkeit und der Verzeihung bedürfen. Wo Menschen dies vergessen, wird die Welt sehr schnell kalt und brutal. Viele Menschen mussten in der Corona-Krise wirtschaftliche Herausforderungen annehmen oder wurden sogar in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Für Menschen, die dann beten können, und denen ein tiefes Grundvertrauen auf den guten Gott Kraft gibt, sind solche Situationen viel besser zu meistern, als wenn ich den eigenen Wert nur an meinem wirtschaftlichen Erfolg messe.

Halten Sie es für zeitgemäß, dass der Katholische Männerverein meint: „Tuntenhausen ist Männersache“?

Christina Prinzessin von Lobkowicz: Im 19. Jahrhundert mag es noch so gewesen sein, dass Männer die Familie nach außen vertreten haben, während die Frauen den häuslichen Bereich besorgt haben. Übersetzt würde der Spruch, den Sie zitieren, heute heißen: Wir leben dank der Leistung unserer Vorfahren in einer der schönsten Gegenden der Welt. Es gibt ein funktionierendes Rechtswesen, wir werden ordentlich regiert. Deshalb ist es unsere Aufgabe als Bürger, als Frauen und Männer, als Familien, mit aller Kraft dafür einzustehen, dass diese auf dem Boden der christlichen Werte gebildete, funktionierende Gesellschaft erhalten bleibt und für unsere Kinder eine ebenso schöne Zukunft ermöglicht.

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