Juwel der Spätgotik

Der Blick richtet sich unweigerlich nach oben: Zu den Schlusssteinen am Gewölbe. Fotos Stache
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Der Blick richtet sich unweigerlich nach oben: Zu den Schlusssteinen am Gewölbe. Fotos Stache

Die reichhaltige Geschichte der Tuntenhausener Wallfahrtskirche setzen wir heute, im dritten Teil der Serie, mit einem Blick in die Turmkapelle und die Gruft der Familie Arco-Zinneberg fort.

Tuntenhausen - Beim Betreten des Kirchenschiffes richtet sich der Blick unweigerlich zum dominanten Hochaltar. Doch auch die Unterseite des 1513 bis 1533 erbauten Turms zählt, so Historiker Stefan Ellenrieder, zu den bemerkenswertesten Raumschöpfungen der Spätgotik im südlichen Bayern. "Ursprünglich war der Raum nach Norden und Süden hin offen", berichtete der Experte von der Gemeinschaft für Geschichte und Kunst. Hier konnten sich die Pilger aufhalten, bevor sie den Kirchenraum betraten.

Erst in späteren Jahren erfolgte der Anbau des Beinhauses und der neugotischen Kapelle mit der Familiengruft der Grafen Arco-Zinneberg auf Maxlrain. Im Raum selbst muss man den Blick himmelwärts, hoch zum Gewölbe, richten. "Im Gewölbe sind nämlich 42 Schlusssteine mit Halbfiguren aufgesetzt", so Ellenrieder und deutet nach oben. Gebannt folgen ihm die Augen der Besucher und sie staunen. Dort finden sich die in Ton gebrannten Schlusssteine: Der Erlöser der Welt und die Muttergottes, um die sich Propheten, Apostel und Kirchenväter gruppieren.

Auf dem Wolkensockel südseits finden sich die Apostel Petrus, Paulus, Jakobus und viele andere mehr. In der Turmkapelle haben sich zudem zwei stark verwitterte Inschrifttafeln aus Rotmarmor erhalten, die den Beginn des Turmbaus im Jahr 1513 belegen. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt die neugotische Kapelle mit einer Familiengruft, zu der der Besucher hinabsteigen kann. Dort eröffnet sich einem ein wahres Geschichtsbuch alter Familientradition der Grafen Arco-Zinneberg. Wilhelmine Gräfin von und zu Arco-Zinneberg, geborene Prinzessin Auersperg (gestorben am 1. Dezember 1919) ist hier begraben. So auch der Großkapitular Maximilian Bernhard Graf zu Arco Zinneberg (gestorben im November 1885) sowie Adolphine Gräfin zu Arco Zinneberg (gestorben am 23. Mai 1874) und viele andere mehr. Man liest dort vom St. Georgsorden und von St. Georgsrittern, vom katholischen Bauernverein Tuntenhausen ebenso wie vom "k.k. Kämmerer" und "Hauptmann a la suite". Geschichte pur in Tuntenhausen. ws

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