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Mit politischen Forderungen im Gepäck

Warum Jugendliche aus dem Caritas Kinderdorf von Irschenberg bis zum Bundestag radelten

Acht Kinder und Jugendliche aus dem Caritas Kinderdorf in Irschenberg machten sich mit den Kinderdorfpädagogen Johanna Spessa (rechts) und Thomas Gratzl (links) auf den Weg nach Berlin, der bis auf drei Platten, fünf glimpfliche Stürze und Muskelkater eine tolle Erfahrung für alle war.
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Acht Kinder und Jugendliche aus dem Caritas Kinderdorf in Irschenberg machten sich mit den Kinderdorfpädagogen Johanna Spessa (rechts) und Thomas Gratzl (links) auf den Weg nach Berlin, der bis auf drei Platten, fünf glimpfliche Stürze und Muskelkater eine tolle Erfahrung für alle war.

Kinder und Jugendliche aus dem Caritas Kinderdorf Irschenberg haben sich bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad auf den Weg nach Berlin gemacht. Vor dem internationalen Kindertag am 20. September wollten sie ihre politischen Forderungen persönlich im Bundestag vorbringen.

Irschenberg – Zum 50. Jubiläum des Caritas Kinderdorfs hatte das dortige Kinder- und Jugendparlament eine besondere Idee: Mädchen und Jungen aus dem Kinderdorf sollten mit dem Fahrrad von Irschenberg nach Berlin zum Deutschen Bundestag fahren. Dort sollten sie kurz vor dem Weltkindertag ihre Positionen kundtun und auf ihre Rechte aufmerksam machen.

Gesagt, getan: Am 31. August machten sich acht Kinder und Jugendliche bei Regen in Irschenberg auf den Weg und kamen nach 700 Kilometern erschöpft, aber glücklich in Berlin – ebenfalls bei Regen – an. Die Etappen dazwischen gestalteten sich für die Radler, was das Wetter anbelangte, deutlich freundlicher.

700 Kilometer bei Wind und Wetter

Begleitet wurde die Gruppe von einer Erzieherin, einem Sozialpädagogen und einem afghanischen Flüchtling, der als unbegleiteter Minderjähriger ins Kinderdorf kam. Nach ihren bis rund 100 Kilometer langen Tagesstrecken mit bis zu 1000 Höhenmeter übernachteten sie kostengünstig in Pfarrheimen, in einem leer stehenden Kindergarten und einmal auch unter freiem Himmel an einem See kurz vor der Lutherstadt Wittenberg, in der sich die Radfahrer eine längere Pause gönnten. Die tat allen gut, denn am Tag zuvor hatten sie die 130 Kilometer-Marke geknackt und waren nach ihrem Start im ostthüringischen Saara mitten durch die Metropole Leipzig geradelt.

Dort und immer wieder auf der Strecke gab es aufmunternde Zurufe von Passanten, die die Jugendlichen motivierten, trotz schmerzender Glieder durchzuhalten. Erzieherin Johanna Spessa war schon hier auf halber Strecke tief beeindruckt von der Leistung ihrer Schützlinge: „Wir sind bis hierher schon unsagbar stolz auf die Kids. Sie machen jeden Tag alles mit, radeln und radeln, achten aufeinander und kämpfen sich durch. Wir haben noch immer eine echt gute Zeit.“

Das Ziel rückte näher und damit wuchs die Vorfreude auf ein richtiges Bett und eine warme Dusche im Inklusionshotel „Rossi“ in der Botschaft der Kinder.

Nach acht Tagen im Sattel und 700 Kilometern in den Beinen erreichten die Kinder und Jugendlichen das Brandenburger Tor.

In Berlin wurden die Radsportler von Alexander Radwan und Karl Bär, zwei Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Miesbach, und der gebürtigen Irschenbergerin Lisi Maier, Präsidentin der Bundesstiftung für Gleichstellung sowie der Leitung des Caritas Kinderdorfs empfangen. Alle wollten den Jugendlichen so ihre Wertschätzung für deren Leistung entgegenbringen. In lockerer Runde sahen sie sich alle gemeinsam Fotos von der Tour an. Zudem zeigten die Jugendlichen ihr Video mit ihren politischen Forderungen.

Unter anderem geht es ihnen dabei um das dürftige Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln und den mangelnden Ausbau von sicheren Radwegen auf dem Land. Angebote in den nächst gelegenen Städten sind durch die schlechte oder fehlende Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr für entlegen lebende Kinder und Jugendliche so gut wie unerreichbar. Dabei ist für junge Menschen Mobilität ein wichtiger Faktor für deren Entwicklung und Lebensqualität. Diesen Standortnachteil machten die Jugendlichen in Berlin deutlich und schlugen vor, dass beispielsweise das Anruf-Sammeltaxi (AST) in eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket aufgenommen werden sollte. Die Politiker versprachen, dem Thema mehr Augenmerk zu schenken.

Am nächsten Tag folgte noch eine spannende Einladung in den Bundestag. Nach einer Besichtigungstour stellten sich die Politiker weiteren Fragen der Jugendlichen.

Anbindung des ländlichen Raumes

Als Anerkennung für ihr Engagement durften die Teilnehmer noch einmal in der Kinderbotschaft übernachten und am nächsten Tag Berlin erkunden. Am Samstag ging es dann spät abends mit dem ICE zurück nach München. In Miesbach wurden die Kinder und Jugendlichen dann abgeholt und zurück ins Kinderdorf gefahren.

Die Jugendlichen werden ihre Erfahrungen terminlich passend am Weltkindertag mit Gästen teilen. Dazu laden sie alle Interessierten am Dienstag, 20. September, um 19 Uhr zu einem Foto-Vortrag in den Prälat-Müller-Saal im Haupthaus des Caritas Kinderdorfs in Irschenberg ein. Dort stehen sie und die Pädagogen auch für Fragen zur Verfügung.

Übrigens: Schon im September 1954 – also vor 68 Jahren – wurde UNICEF auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen beauftragt, einen weltweiten Kindertag einzurichten. Politiker aus allen Ländern wollten so auf die Rechte von Kindern aufmerksam machen und sich für diese einzusetzen. In Deutschland wird dieser Jahrestag immer am 20. September gefeiert und ist ein guter Anlass, Forderungen für Kinder an die Politik zu stellen. Die engagierten Jugendlichen aus dem Caritas Kinderdorf haben mit ihrer bemerkenswerten Aktion ihr Recht auf demokratische Teilhabe unter Beweis gestellt.

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