Zu viel versiegelt?

Kampf dem Flächenfraß, doch in Heufeld werden viele Flächen fürs Parken versiegelt

Entsprechend der Stellplatzverordnung mussten hier an der Justus-von-Liebig-Straße auch Flächen für Parkplätze versiegelt werden, obwohl bereits in einer Tiefgarage Stellplätze geschaffen wurden.
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Entsprechend der Stellplatzverordnung mussten hier an der Justus-von-Liebig-Straße auch Flächen für Parkplätze versiegelt werden, obwohl bereits in einer Tiefgarage Stellplätze geschaffen wurden.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Sind versiegelte Parkplätze ein Umwelt-Frevel? Und warum gelingt es in Bruckmühl nicht besser, vor den Häusern auch ein Stück Natur zu erhalten. Diese Fragen stellt sich ein Leser aus dem Mangfalltal, und die Bruckmühler Verwaltung antwortet.

Bruckmühl – Sind versiegelte Parkplätze ein Umwelt-Frevel? Diese Frage stellt sich ein Bruckmühler OVB-Leser und führt dafür beispielhaft drei Grundstücke an: die Mehrfamilien-Häuser in der Justus-von-Liebig-Straße, „wo praktisch die gesamte freie Umrandung versiegelt ist“, den Netto-Markt in Heufeld, dessen „Parkplätze fast baumfrei sind“ sowie die Metzgerei Kaltner, wo „heuer wieder eine der wunderschönen Kastanien den Parkplätzen geopfert wurde“.

Er mahnt an: „Jeder Quadratmeter Land, den wir der Natur vorenthalten, nimmt uns mittel- und langfristig die Luft zum Atmen“ und fragt nach: „Warum schaffen wir es nicht einmal vor unseren Gebäuden, etwas Natur zu erhalten?“

Mitsprache nur bei Neuüberplanung

Doch liegt das an der Marktgemeinde Bruckmühl? Ist sie „für weitsichtiges Denken nicht zu haben“, wie der Leser vermutet? Thomas Brückner vom Fachbereich Bauwesen macht klar, dass die Gemeinde nur bei der Neuüberplanung eines Gebietes mittels Aufstellung von Bebauungsplänen Ausgleichsflächen fordern sowie Begrünung und Pflanzgebote festlegen könne.

Jüngstes Beispiel aus dem Gewerbegebiet an der Wernher-von-Braun-Straße: Der Bebauungsplan „Angerbreite-Ost“, in dessen Bereich sich als erste Firma die TVI Entwicklung und Produktion GmbH angesiedelt hat. Hier entsteht nicht nur ein breiter Eingrünungsstreifen. Für die durch das Baurecht zugelassenen versiegelten Flächen für Gebäude mit Nebenanlagen und Erschließungsstraßen wurden zudem ökologische Ausgleichsflächen von 1,92 Hektar nördlich des Moosbachs ausgewiesen.

Hier investieren das Unternehmen und weitere von der Ausweisung des Baurechts begünstigte Grundstückseigentümer in Umbau, Aufforstung und Pflege einer Waldfläche, die durch Unwetter stark geschädigt wurde. Dass diese grüne Lunge außerhalb des Siedlungsbereiches der Gemeinde entsteht, liegt daran, dass im bebauten Bereich keine ausreichenden und ökologisch geeigneten Flächen vorhanden waren.

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Für Bestandsgebiete im baurechtlichen Innenbereich wie im Fall der Justus-von-Liebig-Straße, für die es teilweise nicht einmal einen B-Plan gebe, sei die Forderung nach Ausgleichsflächen oder einem Begrünungsplan allerdings nicht möglich. Nach der Stellplatzsatzung der Marktgemeinde müssen Bauherren für Wohnungen von 35 Quadratmetern einen, bis zu einer Wohnfläche von 50 Quadratmetern 1,5 und für größere Wohnungen zwei Stellplätze auf ihrem eigenen Grund nachweisen.

Die Verwaltung könne aber keine Vorgaben machen, dass die Eigentümer Grünflächen anlegen oder Bäume pflanzen müssen. Auch der Gemeinde selbst seien die Hände gebunden: „Wenn wir beispielsweise einen Grüngürtel entlang der Justus-von-Liebig-Straße anlegen wollten, bräuchten wir dafür den entsprechenden Grund“, erklärt er. Den von den Eigentümern zu erhalten, sei ein aussichtsloses Unterfangen.

Zudem empfiehlt Brückner, Grundstücke in ihrer Gesamtheit zu bewerten: „Aus der Vogelperspektive betrachtet, wird deutlich, dass rund um die betreffenden Grundstücke ausreichend Grün vorhanden ist“, erklärt er. So seien in der Wohnanlage in der Justus-von-Liebig-Straße im Norden Zufahrten und Parkplätze geschaffen worden. Im Süden befänden sich großzügige Gärten. Auch der Netto-Markt sei im Süden von Wiesen, einzelnen Bäumen und Hecken umgeben, der Parkplatz befinde sich im Norden.

Flächensparen führt zu Strukturwandel

Gleichzeitig verweist der Baufachmann auf die „Flächensparoffensive“ der Bayerischen Staatsregierung. Ziel sei es, die Entwicklungspotenziale in den Ortschaften zu nutzen und Innenräume zu verdichten, um freie Landschaften und Anbauflächen zu bewahren. „Trotzdem muss der Bedarf an Wohnraum gedeckt werden“, erklärt Brückner. Perspektivisch werde der Trend daher zu Geschosswohnungsbauten gehen – auch in Bruckmühl. „Das wird zu einem Strukturwandel führen, auch wenn dieser sehr gewöhnungsbedürftig sein wird“, ist ihm klar. Doch die traditionell gewachsenen Strukturen mit Einfamilienhäusern und großen Flächen rundherum seien nicht mehr zeitgemäß.

Eine Baumschutzverordnung gibt es für Marktgemeinde Bruckmühl bislang nicht

Eine flächendeckende Baumschutzverordnung gibt es in der Marktgemeinde Bruckmühl nicht. Mit einer solchen Satzung wäre die Fällung von Bäumen durch die Gemeinde genehmigungspflichtig. Zudem könnten Eingriffsregeln festgelegt werden, beispielsweise, dass derjenige, der einen Baum fällen lässt, für Ersatz sorgen muss.

Voraussetzung für eine Baumschutzverordnung wäre eine Bestandsaufnahme aller auf dem etwa 50 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet vorhandenen Bäume. Zudem müsste definiert werden, welche Bäume ab welcher Größe erhaltungswürdig sind.

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Eine Baumschutzverordnung müsste vom Marktgemeinderat gefordert und dann auch mehrheitlich verabschiedet werden. Es ist also eine politische Entscheidung.

„Das heißt aber nicht, dass eine Baumschutzverordnung den Bestand automatisch so einfrieren würde, wie er gerade ist“, betont Thomas Brückner vom Bauamt.

Bisher kann die Gemeinde nur bei der Neuaufstellung von Bebauungsplänen in den Baumbestand „eingreifen“ und im Grünordnungsplan Festlegungen treffen, welche Bäume erhalten werden sollten.

Zudem bieten Gemeinde und Untere Naturschutzbehörde Bauwerbern schon heute einen beratenden Service an, wenn Fällungen geplant sind und die Gemeinde um eine fachliche Stellungnahme gebeten wird.

Viele Parkplätze werden vor dem Supermarkt gebraucht, deshalb ist in diesem Bereich kaum Grün sichtbar, dafür aber im Süden der Bebauung.
Damit die Kunden parken können, wurde auch vor einer Metzgerei die Parkfläche vergrößert.

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