100 Jahre Volksschule Bad Feilnbach

Das alte Schulhaus zwischen Bad Feilnbach und Bichl. Fotos Archiv stadler
+
Das alte Schulhaus zwischen Bad Feilnbach und Bichl. Fotos Archiv stadler

Der Tod des Lehrers und Rektors Theodor Kronester war für viele Feilnbacher Anlass, sich über frühere Schulzeiten zu unterhalten. Im heutigen Gemeindegebiet wurden vor Jahrhunderten die Kinder in den beiden Klausnerschulen Au bei Aibling und Weidach unterrichtet. Erst 1877 wurde in Kematen in einem Schulhaus für die Kinder der Gemeinde Dettendorf der Unterricht aufgenommen, zwei Jahre später folgte Litzldorf. 1911, also vor nunmehr 100 Jahren, errichtete Feilnbach ein eigenes Schulhaus zwischen Feilnbach und Bichl. Damit verkürzten sich die oft weiten Schulwege.

Bad Feilnbach - Die Kinder der Schülerjahrgänge 1 bis 7 wurden zu dieser Zeit noch in einem Klassenzimmer unterrichtet. Ein achter Schülerjahrgang wurde erst Ende der 20er- und in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts eingeführt. Im Jahre 1953 begann auch in Dettendorf der Unterricht im eigenen Schulhaus. Der Weg zur Berblinger Schule entfiel. Noch zu Beginn der 60er- Jahre wurde in der Ausbildung der Lehrer das "Wohnstubenglück" in den ein- und zweiklassigen Landschulen gelobt, und ein Landschulpraktikum war zu absolvieren.

Als Kronester 1946 seinen Dienst an der Feilnbacher Schule aufnahm, hatte sich infolge der Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten die Schülerzahl in den Dörfern beträchtlich gesteigert. 60 Prozent der Schüler waren in Feilnbach "Flüchtlingskinder", das heißt heimatvertrieben oder aus bombengefährdeten Städten eva-kuiert.

So besuchten bis zu 177 Kinder diese Schule. Sie wurden in drei, 1947/48 sogar in vier Klassen unterrichtet. Da der Gesundheitszustand der Flüchtlingskinder schlecht war, wurde 1947 die Schulspeisung für 40, später für 50 Kinder eingeführt. Wie der erste Schulleiter der Schule, Franz Freuding, war auch der neue Schulleiter Kronester ein Förderer des Streuobstanbaus. Schon 1948 wurde eine Ausstellung in der Schule über die bewährten Feilnbacher Apfelsorten durchgeführt. Der Schulgarten wurde fürsorglich gepflegt. Viele Bäume wurden in den folgenden Jahren gepflanzt, auch Sträucher und Blumen. Ebenso gehörte ein Kräuterbeet dazu.

Durch den Wegzug der Flüchtlingsfamilien zu Beginn der 50er Jahre sank die Schülerzahl beständig und als im Schuljahr 1956/57 das große Flüchtlingslager im Hotel Wendelstein (heute zum Areal Blumenhof gehörend) geschlossen wurde, waren nur noch 75 Kinder zu unterrichten. Die Schule wurde zweiklassig, und Hauptlehrer Kronester ließ sich zum Oberlehrer "degradieren", um Feilnbach nicht verlassen zu müssen, das für seine Familie zur Heimat geworden war.

Jetzt stellte der Schulleiter Überlegungen an, wie man die Schulsituation verbessern könnte. Es kam eine Zusammenlegung der beiden Schulen Weidach und Feilnbach in Frage, die ja nur 1,5 Kilometer voneinander entfernt waren. Im Schuljahr 1957/58 kam es zum Schüleraustausch und es konnten vier Klassen gebildet werden. Doch die Schulraumsituation war unbefriedigend, vor allem im sehr alten Weidacher Schulhaus, wo Fred Kornbichler Schulleiter blieb.

Sechs Schulsäle, Küche und Werkraum

Als 1963 südwestlich von der neuen Pfarrkirche ein großes Bauland zu einem günstigen Preis angeboten wurde, packten die Bürgermeister Korbinian Heiß (Feilnbach) und Vitus Gasteiger (Wiechs) die Gelegenheit beim Schopf und die Gemeinderäte beschlossen den Kauf des Grundstücks zum Bau einer Verbandsschule. Im November 1965 konnte das Schulhaus von den Schülern der beiden Gemeinden in Besitz genommen werden. Sechs Schulsäle standen zur Verfügung, eine Schulküche und ein Werkraum. Hauptlehrer Kronester wurde Schulleiter. Wenige Wochen später, am 1. Januar 1966, kam es auch zur Zusammenlegung der beiden Gemeinden.

Als in den folgenden Jahren die große Schulreform für Bayern geplant wurde, hatte Feilnbach (fünf Klassen) die Nase vorne im Wettbewerb mit Au (sieben Klassen) um den Standort der Grund- und Hauptschule. Mit den Ausschlag gab das neue Schulhaus mit der neuen Schulküche, die für das neue Unterrichtsfach Hauswirtschaft nötig war.

Im September 1969 nahmen die neuen Volksschulen ihre Arbeit auf. Ein neunter Schülerjahrgang wurde eingeführt. Feilnbach war nun eine Grund- und Hauptschule. Au wurde zur Grund- und Teilhauptschule mit den Jahrgängen 1 bis 6, die Jahrgänge 7 bis 9 besuchten die Hauptschule Feilnbach. Die Schulen Dettendorf, Kematen und Litzldorf wurden aufgelöst, die Klassenzimmer aber noch einige Jahre benutzt, in Litzldorf sogar bis 2006.

Jetzt ging es mit dem Bus zur Schule

Die Weidacher Schule war schon 1965 aufgelöst worden. Ein umfangreicher Schulbusbetrieb wurde erforderlich. Kronester wurde zum Rektor der nun elfklassigen Schule ernannt. Das neue Schulhaus war aber nach vier Jahren schon zu klein. So wurde die Schule 1972 erweitert mit einem Physiksaal, zwei Schulsälen, einem Werkraum (der erste war als Klassenzimmer zweckentfremdet) und einer Turnhalle.

Da der Verwaltungsaufwand an den Schulen besonders auch durch die Prüfungen für den Qualifizierenden Haupschulabschluss zunahm, wurde den Schulleitern, zunächst nur an großen Schulen, eine Teilzeit-Sekretärin zur Seite gestellt. Kronester stellte im Dezember 1970 Maria Turnwald ein, die einmal seine Schülerin war. Bis 2008 wirkte sie unter den Rektoren Sebastian Reindl, Karl-Heinz Schütz und Gerhard Walch.

Als die 31-jährige Ära Kronester im Jahre 1977 zu Ende ging, hinterließ der engagierte Lehrer eine Schule, die weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus Ansehen genoss. Mit Kronester beendete auch Franziska Kornbichler ihren Schuldienst. Sie wirkte und wohnte lange mit ihrem Mann Fred Kornbichler im Weidacher Schulhaus, später in einer Lehrer-Dienstwohnung hinter dem Rathaus. Wegen ihrer Verdienste um die Gemeinde und das Kurwesen wurde sie zur Ehrenbürgerin ernannt. Sie lebt, mittlerweile 95-jährig, seit einigen Jahren in Passau.

In den folgenden Jahren erwies sich das Raumangebot der Schule wieder als zu klein. So wurde in den 90er Jahren eifrig um- und angebaut. In die Turnhalle kamen Schulsäle, im Süden entstand als Ersatz eine neue Doppelturnhalle.

Mit Abschluss der Arbeiten 1997 erhielt die Schule einen Namen: Leo-von-Welden-Schule. Der Maler Welden verbrachte viele Lebensjahre in Feilnbach, und im ersten Schulbau 1965 hatte der Maler den Gang zu den Klassenzimmern mit einem Fries einheimischer Tiere bemalt. Jetzt wird zum 100-jährigen Bestehen eine umfangreiche energetische Sanierung beendet und die Schule erhält neue Verwaltungsräume (wir berichteten). Künftig ist im Mittelschulverbund eine Zusammenarbeit der Hauptschulen Raubling und Neubeuern geplant. bn

Kommentare