150 Jahre im Dienst am Nächsten – die Feuerwehr Vagen gibt es schon seit 1870

Eine besondere Jubiläumsfeier sollte im Mai zum 150-jährigen Gründungsfest der Feuerwehr Vagen gefeiert werden. Doch die Corona-Krise durchkreuzte die Pläne. Ein Einblick in die lange Geschichte der Wehr zeigt die Verdienste der Vagener Kameraden.

Von Jeannette Wolf

Vagen – Georg Meixner, Feuerwehrreferent der Gemeinde Feldkirchen-Westerham und Ehrenmitglied der Vagener Wehr, hatte sich im Vorfeld der Feierlichkeiten mit Chronik und Archiv-Bildermaterial beschäftigt und gewährte den OVB-Heimatzeitgen jetzt einen Einblick.

Statuten seit August 1872

Um das Hab und Gut vor Feuer und Wasser zu schützen, wurde 1870 die Feuerwehr Vagen gegründet. Viele Einwohner aus dem Ort und der näheren Umgebung traten der Feuerwehr bei. Das Mindestalter betrug 18 Jahre.

Aber es durften auch „jüngere Männer, die das 16. Lebensjahr überschritten, an einfachen Übungen und mit ausdrücklicher Bewilligung ihre Eltern teilnehmen“.

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Am 1. August 1872 wurden „Statuten und Dienstvorschriften“ erlassen. Sie hatten „den Zweck der Feuerwehr als eine geordnete Hilfe bei Feuersgefahr, die Rettung von Menschen und Eigentum, sowie das Löschgeschäft zu besorgen“.

Für Kameraden gelten strenge Regeln

Die Mitglieder der Feuerwehr hatten „fortwährend derart in Bereitschaft zu sein, dass sie sich auf das erste Feuersignal dem Verein zur Verfügung stellen können“. In der Chronik heißt es, dass „die Mannschaft nur mit mäßiger Schnelle zur Brandstätte zu eilen hat, um daselbst angekommen, sogleich zur Dienstleistung befähigt zu sein. Jedes Feuerwehrmitglied ist verpflichtet, bei eingetretenem Feuerlärme sich im Feuerwehrhause einzufinden und sich durch Reden Entgegenkommender, der Brand sei gelöscht, oder es sei keine weitere Hilfe mehr notwendig, sowie selbst durch Aufhören des allgemeinen Feuerlärms, hiervon nicht abhalten zu lassen“.

Es galten also damals schon strenge Regeln, sicherlich auch, um das Leben der Kameraden im Einsatz nicht unnötig aufs Spiel zu setzen.

1934 wurde von den Nationalsozialsten der Vorstand aufgelöst. Der Grund: „Die Feuerwehr war kein Verein mehr, sondern eine Wehrorganisation.“

1935 bekam die Feuerwehr eine Motorspritze. Sie löste die Handspritze ab, die nur mit Pferden bespannt werden konnte.

Zu diesem Zweck wurden für jeweils ein Jahr zwei Pferdebesitzer des Dorfes eingeteilt. Sie mussten an ihrem Wohnhaus eine Tafel anbringen – darauf stand „Spritzenfahrdienst“. 1936 verlangte das Feuerlöschgesetz, dass sich die drei Ortsfeuerwehren der Gemeinde in „Feuerwehr Vagen“ umbenennen müssen und aus den drei Löschzügen Vagen, Feldolling und Westerham bestehen.

Nach Bombenhagel in München löschen

1936 wurde das „Boschn-Anwesen“ – das heutige „Boschnhaus“ – zu einem Feuerwehrgeräteraum ausgebaut. 1943 und 1944 musste die Feuerwehr laut Chronik mehrmals zu Einsätzen nach Bombenangriffen nach München ausrücken.

Fortan stand die Feuerwehr auch als Brandschutz für das Leitzach-Kraftwerk der Stadt München in Bereitschaft.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch junge Frauen und Mädchen im Brandschutz ausgebildet und in Lösch- und Hydranten-Mannschaften für den Ernstfall eingeteilt. In den folgenden Jahren erfuhr die Feuerwehr eine Aufwärtsentwicklung in Mitgliederzahl und Ausbildungsstand, auch dank der Unterstützung der Kommune.

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1963 wurden ein Ford-Kombi für eine Sechs-Mann-Besatzung und eine Tragkraftspritze Metz TS 8/8 angeschafft. Diese wurden 1975 durch das Löschgruppenfahrzeug LF8 ersetzt.

Ab 1993 konnte die Mannschaft mit schwerem Atemschutzgerät ausgerüstet werden. Ein großer Meilenstein war vor 20 Jahren der Umbau des „Öttl-Anwesens“, dem heutigen Feuerwehr-Gerätehaus. Nur mit einer enormen Eigenleistung der Kameraden konnte dieses Vorhaben verwirklicht werden.

Der aktuelle Einsatzfuhrpark besteht aus dem Löschgruppenfahrzeug LF 10/6 (2004) und dem Mehrzweckfahrzeug MZF (2013). Beide Fahrzeuge wurden mit einer Fahrzeugweihe ihrer Bestimmung übergeben. Die Ausrüstung wurde 2019 durch einen Anhänger mit Ladebordwand komplettiert.

Auch aus dem gesellschaftlichen Leben der Dorfgemeinschaft ist die Feuerwehr nicht mehr wegzudenken. 1970 wurden das 100. Gründungsfest und im Jahr 1995 das 125-jährige Vereinsbestehen gefeiert. Ob bei Dorffest, Fronleichnam oder dem Vereinsjahrtag – die Mitglieder beteiligen sich am gesellschaftlichen Leben.

Auch wenn das 150. Gründungsjubiläum heuer nicht gefeiert werden konnte, die Kameraden sind auch in den nächsten Jahrzehnten an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden einsatzbereit, treu dem Motto „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

Das 100. Gründungsfest der Feuerwehr Vagen und die Standartenweihe 1970. Der „Tafel-Bua“ ist Michael Reitner – heute der Vize-Vorsitzende der Vagener Wehr.

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