Das Jahr 2020 – ein Totalausfall für die Oktoberfestband „Die Kirchdorfer“

Stimmungsgarant im Hacker-Festzelt: Die Kirchdorfer, die seit fast 30 Jahren auf dem Münchner Oktoberfest spielen. Die Kirchdorfer
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Stimmungsgarant im Hacker-Festzelt: Die Kirchdorfer, die seit fast 30 Jahren auf dem Münchner Oktoberfest spielen. Die Kirchdorfer

Circa 50 Konzerte standen auf dem Tourneeplan der Oktoberfestband „Die Kirchdorfer“ – national und international. Einer der größten Gigs: 16 Tage im Hacker-Festzelt auf der Münchner Wiesn. Doch das Oktoberfest fällt aus: für die 30 Musiker ein herber Verlust – emotional und wirtschaftlich.

Bruckmühl – Für die Musiker derOktoberfestband „Die Kirchdorfer“ ist das Jahr 2020 ein Totalausfall. Ihr 150. Jubiläum wird für die Formation, die 1870 in Kirchdorf am Haunpold gegründet wurde, ein musikalisch unbeschriebenes Blatt in der Chronik bleiben. Das Starkbierfest im Paulaner am Nockherberg wurde schon im März abgesagt. Nun haben sie auch die Gewissheit, dass das Oktoberfest ausfällt.

Ein Stück bayerischer Tradition bricht weg

„Das tut in der Seele weh, weil uns damit ein großes Stück bayerischer Tradition verloren geht“, beschreibt Bandleader und Manager Thomas Wohlschläger die Stimmungslage. Nicht nur die seiner Musiker, sondern aller Freistaatler: „Das trifft uns Bayern schwer, denn das Oktoberfest gehört zum Leben dazu – so wie das Weißbier zur Brotzeit.“

Seit fast 30 Jahren bringen „Die Kirchdorfer“ das Hacker-Festzelt zum Beben. Sie gehören bereits zum sprichwörtlichen Inventar des Oktoberfestes. Und sogar über den Wiesn-Hit dieses Jahres hatten sie sich schon Gedanken gemacht. „Eigentlich legt man die erst im Juni oder Juli fest, aber Anna Havanna der Kölner Band Höhner hätte möglicherweise das Zeug dazu gehabt“, meint Wohlschläger.

Statt 16 Tagen Stimmung nun Stillstand

An 16 Tagen sollten 30 Musiker im Wechsel in der 21-köpfigen Formation auch in diesem Jahr von 11 bis 22.30 Uhr im Hacker-Festzelt für Stimmung sorgen. „Auf dem größten Volksfest der Welt spielen zu dürfen, ist ein unvergleichliches Gefühl, das ein Musiker nirgendwo sonst haben kann. Und unsere Musik ist noch richtig hausgemacht, jeder Ton live und persönlich erzeugt“, beschreibt der Bandleader.

Statt Stimmung nun Stillstand: Circa 50 Konzerte brechen weg. „Die Kirchdorfer“ bleiben daheim: unter ihnen Gisele – eine in München lebende Brasilianerin aus Rio de Janeiro (links) – und Marianne aus Bad Aibling (rechts).

„Diese ganz besondere Atmosphäre gibt es nur auf der Münchner Wiesn.“ Die Kirchdorfer haben sie in die ganze Welt hinausgetragen, auf Oktoberfesten in Japan, Indien, Namibia, Dubai, China, in Russland, im Kongo, in Chile und Brasilien mit ihrer Musik ein Stück bayerischer Kultur hör- und fühlbar gemacht. „Das ist ein tolles Exportprodukt, das wir da haben“, weiß Wohlschläger.

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„Weltweit genießen die Menschen dieses besondere Lebensgefühl, kaufen sich extra Dirndl und Lederhosen, genießen Haxn, Brezn und Märzen und tanzen nach unserer Musik“, beschreibt er unvergleichliche Erlebnisse. Nun aber ist alles auf Null.

Ein herber Verlust für „Die Kirchdorfer“

Die Kirchdorfer spielen weder auf der Wiesn noch auf anderen Festen, noch irgendwo auf der Welt. Etwa 50 Konzerte sind abgesagt, die Verluste enorm, emotional wie auch wirtschaftlich. „Das ist für unsere Formation schon eine gewaltige Hausnummer.“

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Doch 30 Musiker sind auch 30 Einzelschicksale. „Die meisten unserer Musiker haben einen Job und musizieren nebenbei“, sagt der Manager. „Etwa acht von uns verdienen ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit der Musik – bei den Kirchdorfern, in anderen Bands und als Musiklehrer. Sie müssen nun ausharren wie alle anderen Künstler auch.“

Sicherheit in einer weltweiten Krise

Auch Thomas Wohlschläger selbst gehört dazu. Er reist zu den Konzerten eigens aus seiner Heimat Brasilien an. Jetzt sitzt er in Bayern fest. Doch er jammert nicht. „Diese Krise ist auf alle Menschen gleichzeitig hereingebrochen – egal, ob arm oder reich. Im Vergleich zu anderen Menschen geht es uns hier in Bayern immer noch gut. Wir haben ein Dach über dem Kopf, Strom und genug zu essen.“

Nächstes Ziel: Starkbierfest auf dem Nockherberg

Zur Enttäuschung darüber, dass das Oktoberfest nicht stattfindet, mischt sich für den Musiker aber auch die Frage, ob es überhaupt ein schönes Fest geworden wäre: „Bei den vielen Ängsten, die die Menschen bewegen, wäre es fraglich, ob überhaupt viele Besucher auf die Wiesn gekommen wären, und wie die Stimmung dort gewesen wäre.“ Wohlschläger hofft, dass bis Ende des Jahres ein wirksamer Impfstoff gegen den Covid-19-Virus gefunden wird. „Für mich wäre es schon ein großer Meilenstein, wenn im Februar 2021 wieder ein Starkbierfest auf dem Nockherberg stattfinden würde.“

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