Grundschule geht leer aus

Ist Lüften besser als Filtrieren? Tuntenhausen kauft CO2-Sensoren und mobile Luftreiniger

Sonnendurchflutet ist die Grundschule Schönau: Da sich alle Fenster weit öffnen lassen und so regelmäßig für frische Luft gesorgt ist, bekommt die Schule keine mobilen Luftreiniger.
+
Sonnendurchflutet ist die Grundschule Schönau: Da sich alle Fenster weit öffnen lassen und so regelmäßig für frische Luft gesorgt ist, bekommt die Schule keine mobilen Luftreiniger.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
    schließen

Die Gemeinde Tuntenhausen kauft 14 Luftreiniger. Sie sind für das Hauptgebäude der Fritz-Schäffer-Schule in Ostermünchen gedacht. Dass das benachbarte Grundschulgebäude und auch die Grundschule Schönau nicht mit Luftreinigern ausgestattet werden, stößt auf Unverständnis.

Tuntenhausen – So kritisiert ein Vater: „Hier wird wegen des schnöden Mammons eine menschenverachtende Spaltung produziert. Müssen die Lehrer und Schüler der Grundschule immun gegen Covid 19 sein?“

Nicht alle Zimmer sind „förderfähig“

Doch warum werden die Grundschulen nicht ausgestattet? Eine der Ursachen ist das Förderprogramm des Bayerischen Kultusministeriums: Dieses fördert zwar CO2-Sensoren für jeden Klassen- und Fachraum. Zuschüsse für die Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten aber werden nur für Räume bewilligt, die „nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen oder durch eine raumlufttechnische Anlage gelüftet werden können“. Auf Vor-Ort-Terminen hat sich Bürgermeister Georg Weigl mit der Gemeindeverwaltung ein Bild gemacht.

Lesen Sie auch:

Aus dem Gemeinderat Tuntenhausen: Wegen Corona soll Schule Luftreinigungsgeräte bekommen

„Wir haben keine Chance auf eine Förderung“, erklärt Karin Richter, die Rektorin der Schönauer Grundschule. Die Klassenzimmer sind mit großzügigen Fensterflächen versehen. Alle lassen sich weit öffnen. Ähnlich verhält es sich mit den vier Klassenzimmern im Ostermünchener Grundschulgebäude. Auch hier lassen sich die Fenster so weit öffnen, dass ein „Querlüften“ möglich ist. Zusätzlich sind die Zimmer mit einer Lüftungsanlage versehen. Der Gemeinderat war sich mit 17:4 Stimmen darüber einig, dass nur in jenen Klassenzimmern Luftreiniger zum Einsatz kommen sollen, die nicht ausreichend belüftet werden können.

Umweltbundesamt priorisiert natürliches Lüften

Doch warum investiert die Gemeinde nicht aus eigener Tasche in eine Luftreinigung für jedes Zimmer? Ursache Nummer zwei: Das natürliche Lüften wird nach wie vor als besser angesehen. So steht beispielsweise das Umweltbundesamt einem generellen Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte kritisch gegenüber, da ihre Wirksamkeit in Hinblick auf die Reduzierung von Corona-Viren bislang nicht eindeutig nachgewiesen worden sei.

„Kultusministerkonferenz und Umweltbundesamt (UBA) priorisieren das intervallartige Lüften über weit geöffnete Fenster“, betont Bürgermeister Weigl und zitiert das UBA: „Diese Maßnahmen bieten einen wirksamen Schutz, weil die Außenluft nahezu virenfrei ist.“ Dabei empfiehlt das Amt, CO2-Sensoren als Orientierung dafür zu nutzen, ob und wie rasch die Frischluftzufuhr von außen gelingt. „Diese CO2-Sensoren haben wir in ausreichender Menge für beide Schulstandorte bestellt“, betont Weigl. Zwar würden diese nicht für alle Räume, sondern mit einem pauschalen Fördersatz von 7,27 Euro pro Schüler gefördert. Die Summe sei aber ausreichend, um die notwendigen Geräte zu besorgen.

Weitere aktuelle Artikel rund um die Coronakrise finden Sie jederzeit auf unserer OVB-Themenseite.

Wo es geht, soll und muss also weiterhin natürlich gelüftet werden. Die Schönauer praktizieren das so: „Alle 20 bis 30 Minuten lüften wir großzügig durch“, erklärt Karin Richter. Diese Zeit werde für eine Trinkpause oder Bewegung genutzt, denn „bewegungsfördernde Elemente im Unterricht erleichtern das Lernen“, so die Rektorin. Zudem sei das sonnige Schulgebäude sehr warm und kühle sich durch regelmäßiges Lüften nicht stark ab.

Schönau hat aber noch einen weiteren Vorteil: Da hier nur vier Klassen – zwei im Souterrain und zwei im Obergeschoss – unterrichtet werden, können die Türen auch während des Unterrichts weit geöffnet bleiben. „So ist immer ein Luftaustausch gewährleistet“, erklärt Karin Richter.

Luftreiniger sind auch fürs Klima gut

In acht von 18 Klassenzimmern der Fritz-Schäffer-Schule Ostermünchen werden Grundschüler unterrichtet. Vier davon sind nicht förderfähig. „Wir hätten uns eigentlich für alle Zimmer einen Luftreiniger gewünscht, denn diese Geräte sind ein Gewinn, auch für die Zeit nach der Corona-Pandemie“, sagt Konrektorin Birgit Decker. Dabei gehe es vor allem um ein gesundes Raumklima und darum, neben der Filtrierung auch die Staub- und somit die Allergenbelastung deutlich zu reduzieren. Dieses Klima allein durch die Lüftung der Klassenzimmer zu erreichen, kann sich Decker nicht vorstellen, denn „im Winter können wir nicht durchgehend lüften, wenn Lehrer und Schüler nicht krank werden sollen“. Einziger Trost: Die Luftreiniger sind mobil und sollen schon nach den Weihnachtsferien zum Einsatz kommen.

Ab Samstag gehen die Schüler nun wirklich in die Weihnachtsferien

Sie waren in den letzten Wochen immer wieder in der Diskussion: die Weihnachtsferien. Ab heute beginnen sie nun wirklich. Zwar sind die Schüler schon seit Mittwoch zu Hause, doch Freizeit hatten sie nicht. Grund- und Mittelschüler bekamen Arbeitsmaterialien und Aufgaben für die drei Schultage auf Distanz mit auf den Weg. Mit ihren Lehrern standen sie per E-Mail, WhatsApp oder „BigBlueButton“ im Kontakt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Schwebend vor Glück: „Amica“ hievt die Brannenburger Christophorus-Kinder auf Wolke 7

„Für die Abschlussklassen sollte Distanzunterricht mit Videokonferenzen angeboten werden“, informiert Birgit Decker, die Konrektorin der Ostermünchener Schule. Dabei mussten Lehrer und Schüler auf ihre private Hardware zurückgreifen. Während die funktionierte, gab es allerdings mit dem Internet Probleme. Das Webkonferenzsystem „BigBlueButton“, für das das Staatliche Schulamt Rosenheim für alle Schulen im Landkreis Lizenzen erworben hat, hat den ersten Belastungstest bewältigt. „Wir nutzen es seit September, haben damit in Quarantäne-Situationen auch schon gute Erfahrungen gesammelt. Es stellt grundsätzlich eine gute Ergänzung zur Lernplattform mebis dar“, so Decker.

Wie es nach den Weihnachtsferien ab dem 11. Januar weitergeht, ist den Schulleitungen in Ostermünchen und Schönau derzeit noch nicht bekannt.

Mehr zum Thema

Kommentare