Ist Bruckmühl fahrradfreundlich? Marktgemeinde schafft Radwege – Bürgerbefragung geplant

Beliebt und gut frequentiert ist der Radweg entlang der Bahnlinie auf Höhe des „Rösner“-Geländes – auch „schwarzer Weg“ genannt.
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Beliebt und gut frequentiert ist der Radweg entlang der Bahnlinie auf Höhe des „Rösner“-Geländes – auch „schwarzer Weg“ genannt.
  • vonKathrin Gerlach
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Fahrradfreundlich sind die Bruckmühler auf jeden Fall. Das zeigt allein schon das Stadtradeln, bei dem sie sich immer wieder auf vordere Plätze im Landkreis-Ranking strampeln. Doch ist es auch die Marktgemeinde? Die Grünen sagen Nein. Dritte Bürgermeisterin Anna Wallner antwortet mit Fakten.

Bruckmühl – „Nein“, sagen die Bruckmühler Grünen: „Das Radwegenetz weist Lücken auf, Übergänge sind oft gefährlich und mitnichten kinderfreundlich. Und auch die Schulwege sind nicht durchgehend ohne Gefahren zu meistern“, kritisiert Grünen-Sprecher Amadeus Bachmayr.

Haben die Stadtväter den umweltfreundlichen Radwegeausbau also verschlafen? „Nein.“ Die Antwort von Anna Wallner, Dritte Bürgermeisterin und urlaubsbedingt derzeit das Regierungsoberhaupt von Bruckmühl, ist eindeutig: „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel für den Ausbau des Radwegenetzes in der Marktgemeinde getan.“

Viele Radwege führen ins Schulzentrum

So kommen beispielsweise die Kinder aus Weihenlinden über einen straßenbegleitenden Radweg und die Unterführung der Staatsstraße 2078 ins Heufelder Schulzentrum. Sichere Querungen wurden auch an der Höglinger Straße und am Kieslände geschaffen. Aus Richtung Noderwiechs kommen die Radler durch die Unterführung und anschließend über den neuen Radweg an der Wernher-von-Braun-Straße sicher ins Zentrum.

Auch der Radweg an der Sonnenwiechser Straße wurde vor zwei Jahren weitergeführt. Erst im März wurden die Weichen für die Fortführung des Radweges entlang der Kreisstraße RO 49 von Hornau über Unterholzham, Oberholzham und Oberwall in Richtung nördlicher Gemeindegrenze gestellt. Die Sicherheit der Radfahrer ist auch der Grund für die Verbreiterung der Gemeindeverbindungsstraße von Noderwiechs nach Kirchdorf, die 2021 geplant ist.

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Als weiterer Lückenschluss im Radwegenetz beschloss der Marktgemeinderat, den Feldweg von der Sonnenwiechser zur Albert-Schweitzer-Straße als Radweg auszubauen. Geplant war eine Befestigung mit Mineralbeton. Zwar befindet sich der Weg im Eigentum der Gemeinde. Nach dem Protest der Anlieger läuft nun aber erst einmal eine Testphase, ob auch ein kurzgemähter Rasenweg bei jeder Witterung eine Alternative wäre.

Ein Blick in den Süden der Gemeinde: „Die Heufelder nutzen den Bruck-an-der-Leitha-Radlweg entlang der Bahn“, beschreibt Wallner. Auch an der Bruckmühler Straße entsteht in den nächsten beiden Jahren auf 1,2 Kilometern von der Weihenlindener Straße bis zur Ecke Pfarrer-Loidl-Fraunhofer-Straße ein Schutzstreifen für Radfahrer. „Die Göttinger kommen über den Radlweg an der Zulaufstraße zu Mangfallbrücke wunderbar an“, führt die Dritte Bürgermeisterin weiter aus und betont: „Zudem sind fast alle Radwege in der Nacht beleuchtet. Das war uns sehr wichtig.“

Auch optische Signale sind geplant

Ende vergangenen Jahres würdigte das Bayerische Verkehrsministerium die Fahrradfreundlichkeit der Marktgemeinde mit der Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK). Bis zum nächsten Prüfverfahren in vier Jahren will die Gemeinde weitere Voraussetzungen schaffen, um als „Fahrradfreundliche Kommune“ ausgezeichnet zu werden.

Vorgesehen ist unter anderem die optische Markierung der Straßenquerungen von Fahrradwegen. Dazu fand erst in der vergangenen Woche eine Vor-Ort-Begehung mit der Polizei statt. „Um Bruckmühl noch fahrradfreundlicher zu machen, planen wir auch eine Bürgerbefragung“, informiert Anna Wallner. Einen entsprechenden Beschluss hat der Marktgemeinderat gefasst. Drei Ingenieurbüros haben sich um den Auftrag beworben. Wer ihn erhält, wird nach der Sommerpause entschieden.

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Die Grünen wollen noch eine weitere Plattform nutzen, um die aktuelle Radfahrsituation in Bruckmühl abzubilden. „Der Fahrradklima-Test des ADFC ist dafür ein tolles Instrument“, sagt Bachmayr. Unter www.fahrradklima-test.adfc.de kann sich daran ab September wieder jeder Interessent beteiligen.

Verkehrskonzept für den Bruckmühler Ortskern wird Marktgemeinderat im Herbst vorgestellt

Für den Ortskern dauert die Suche nach verkehrstechnischen Lösungen, die Verweilen, Radfahren und Parken ermöglichen, schon Jahre. Ziel ist es, den Ortskern mit einem Gesamtkonzept im Rahmen der Städtebauförderung zu entwickeln. Dabei spielen Verkehr, Grünflächen und Treffpunkte eine Rolle.

„Unser Ortskern soll lebenswerter und attraktiver werden, Einheimische und Gäste zum Verweilen einladen.“ Das wünschen sich nicht nur die Grünen, sondern parteiübergreifend auch der gesamte Marktgemeinderat. Die Weichen für die Gestaltung des Ortskernes wurden gestellt: „Wir sind schon lange an diesem Thema dran. Jetzt liegt uns endlich ein Verkehrskonzept für Bruckmühl vor“, informiert Dritte Bürgermeisterin Anna Wallner.

Verkehrsraum lebenswerter gestalten

Auf Basis des ermittelten Verkehrsaufkommens im Zentrum zeige es Möglichkeiten auf, wie der Verkehrsraum geordnet und der Verkehr geführt werden könnte. „Im Stadtzentrum von Bruckmühl fehlen uns die räumlichen Voraussetzungen, um die Straßen mit kombinierten Rad-Fußwegen zu bestücken“, erläutert Markus Zehetmaier, Sachgebietsleiter für Wirtschaftsförderung und Immobilienwirtschaft. Deshalb seien Ideen für die Gestaltung eines „Shared Space“ besonders interessant. Dabei gehe es darum, den vom Kfz-Verkehr dominierten öffentlichen Straßenraum lebenswerter und sicherer zu gestalten.

Nach den Ferien sollen die Ergebnisse der Verkehrsstudie dem Gemeinderat vorgestellt werden. Danach können die nächsten Schritte bis zu einem Architektenwettbewerb abgesteckt werden, von dem sich die Bruckmühler zündende Ideen erhoffen.

Auf dem Radweg entlang der Weihenlindener Straße kommen Radler sicher nach Bruckmühl. Baumann

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