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Bürgermeister Stephan Schlier: In Bad Aibling heißt’s im Jahr 2021 volle Kraft voraus

Das Wohnbaugebiet Ellmosener Wies ist eines der großen Projekte, die aktuell nicht nur Bürgermeister Stephan Schlier und Monika Niedermaier vom städtischen Bauamt beschäftigen.
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Das Wohnbaugebiet Ellmosener Wies ist eines der großen Projekte, die aktuell nicht nur Bürgermeister Stephan Schlier und Monika Niedermaier vom städtischen Bauamt beschäftigen.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Die ersten knapp neun Monate seiner Amtszeit standen bereits im Zeichen der Corona-Pandemie. Und deren Ende ist so schnell noch nicht in Sicht. Aber in den Aufgaben, die 2021 anstehen, lassen sich Bürgermeister Stephan Schlier und seine Mitstreiter nicht bremsen.

Bad Aibling – Die anstehenden Großprojekte Neubau St. Georg-Schule (Baubeginn April 2021) und Feuerwehrhaus (ab 2022) sind hinlänglich bekannt. Doch stehen viele weitere Vorhaben ins Haus.

Herr Schlier, das Jahr startet ja schon gleich mit einer Entscheidung auf dem Sektor Kinderbetreuung?

Stephan Schlier: Noch ist es so, dass jeder, der einen Kindergartenplatz braucht, auch einen hat. Aber wir werden sukzessive neue Einrichtungen bauen. Beim anvisierten Waldkindergarten legen wir jetzt den Fokus darauf, dass wir ihn schon ein Jahr früher bekommen als ursprünglich geplant. Im Sozialausschuss am Dienstag beraten wir öffentlich über den Standort und nichtöffentlich über den Träger, sodass der Stadtrat im Februar darüber entscheiden kann. Vielleicht ist ein Start dann schon im Herbst möglich – auch wenn das nicht ganz einfach ist. Zugleich bemühen wir uns, dass es mit dem neuen Kinderhaus an der Flurstraße vorwärts geht. Für die zweite Jahreshälfte ist außerdem der Bau des Kinderhortes samt Mittags- und Hausaufgabenbetreuung hinter der Luitpoldschule anvisiert.

Ungebrochen ist auch die Nachfrage nach Wohnraum. Wie geht es hier weiter?

Stephan Schlier: Mit den Baugebieten Harthausen-Ost und Ellmosener Wies haben wir jetzt erstmals zwei Standorte, an denen das Aiblinger Modell zur Anwendung kommt. Es ist aber nicht so, dass man dort schon nächstes Jahr einziehen könnte. In Harthausen sind wir mit dem Bebauungsplanverfahren schon weiter, aber dort muss erst noch das Klinikgebäude abgerissen werden. In Ellmosen muss vor Baubeginn das Gebiet erschlossen werden. Wir rechnen jeweils mit einem Zeitraum von etwa drei Jahren, bis die ersten Bürger einziehen können.

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Gibt es auch ein Zeitfenster, bis wann sich beim sozialen Wohnungsbau etwas bewegt?

Stephan Schlier: Wenn ich jetzt einen Zeitpunkt nennen würde, bis wann das Großprojekt „Wohnanlage an der Karl-Wagner-Straße“ umgesetzt sein wird, würde ich mich zu weit aus dem Fenster lehnen. In diesem Jahr muss sich der Stadtrat auf die weitere Vorgehensweise verständigen. Dass die Umsetzung dann etappenweise erfolgt, ist klar, die Mieter brauchen ja auch während der Bauzeit eine Unterkunft. Es geht aber erst einmal darum, ob wir mit Fördermitteln selber bauen, ob eine Baugenossenschaft oder ein Bauträger dies umsetzt oder ob ein Erbpachtmodell zur Anwendung kommt. Im Baugebiet Ellmosener Wies wird es durch das Modell der einkommensorientierten Förderung EOF auf 1875 Quadratmetern circa 25 Wohnungen und in Harthausen Ost auf 2000 Quadratmetern circa 30 Wohnungen zu reduzierten Preisen geben.

Ein Großprojekt im Stadtzentrum ist das Lichtspielhaus. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Stephan Schlier:Hier ist das Bebauungsplanverfahren in der letzten Runde der Offenlage. Wie schon bei der vorangegangenen gab es dabei übrigens bis jetzt keine einzige Einwendung seitens der Bürgerschaft. Meines Wissens wollen „Werndl & Partner“ den Bauantrag einreichen, sobald das Verfahren abgeschlossen ist. Eventuell ist das in der zweiten Jahreshälfte der Fall. Ähnlich sieht es auch mit dem großen Bauvorhaben auf dem Sport-Fischbacher-Areal aus.

Gehen wir vom Innenstadtbereich nach Mietraching und Adlfurt. Stichwort Hochwasserschutz.

Stephan Schlier: Da wurde uns vom Wasserwirtschaftsamt versprochen, dass die Genehmigungsplanung für den ökologischen Ausbau der Glonn im Frühjahr vorgelegt wird. Mit dieser Maßnahme hätten wir einen Puffer bei Starkregenereignissen. Für Adlfurt sind Anliegergespräche geplant, um abzuklären, ob eine Aufweitung des Moosbachs oder Einzelschutzmaßnahmen für die drei betroffenen Anwesen umgesetzt werden könnten. Allgemein haben wir aus den Ereignissen vom 4. August gelernt. Der Schutz an der Mangfall hat funktioniert, jetzt brauchen wir Messstellen auch an der Glonn. Wir arbeiten die noch offenen Punkte im Hochwasserschutzkonzept konsequent ab und treiben es unter anderem mit der Interaktive Gefahrenkarte INGE weiter voran.

Noch ein Blick auf Bad Aibling als Gesundheitsstadt. Was tut sich auf diesem Gebiet?

Stephan Schlier: Zunächst einmal sind wir sehr froh, dass am Kellerberg ab Mai das neue Gesundheitszentrum entstehen soll. Zum anderen wäre es sehr wichtig für uns, dass Kuren – wie angedacht – wieder zur kassenärztlichen Pflichtleistung werden, damit wir wieder ein Stück weit zu dem zurückkommen, was wir bis 1995 hatten. Ich hoffe sehr, dass das umgesetzt wird und Bad Aibling davon profiitiert.

Stichwort Kur und Moor. Wie weit ist die Idee, ein Moorbadehaus zu errichten, gediehen?

Stephan Schlier:Die Planungen dazu laufen. Familie Lindinger vom Schmelmer Hof hat nach wie vor Interesse, der Standort würde optimal passen, das Projekt wäre förderfähig und würde Bad Aibling als Gesundheitsstadt stärken. Einen Zeitplan gibt es aber noch nicht.

Ist das Sportbad noch ein Thema?

Stephan Schlier: Wir strecken nach wie vor die Fühler aus und halten Augen und Ohren offen, um zu sehen, was möglich ist. Es gäbe zwar eine recht hohe Bezuschussung von 50 bis 60 Prozent, weil das Bad für den Schulsport genutzt werden würde. Aber die Finanzierung für die restliche Bausumme ist nicht geklärt. Ich möchte, dass wir in Bad Aibling ein Hallenbad errichten. Der Fahrplan dafür ist aber klar: Zuerst kommen die großen Pflichtaufgaben, dann die freiwillige Aufgabe Sportbad, das ich unter diesen freiwilligen Aufgaben priorisiere.

Zu guter Letzt noch die Frage: Welche Chancen sehen Sie für gesellschaftlichen Veranstaltungen im Jahr 2021?

Stephan Schlier: Planungen wie für das verschobene Jubiläumswochenende in der zweiten Junihälfte halten wir aufrecht. Wir fahren dabei immer auf Sicht und planen auch sonstige Festivitäten wie das Bürgerfest zweigleisig: eventuell mit reduzierter Besucherzahl – wie es bei den Kultur-im-Park-Veranstaltungen schon funktioniert hat – oder vergrößerten Flächen. Aber was wirklich durchgeführt werden kann, weiß man nicht.

Weiterhin zusammenhalten in Zeiten des Lockdowns

„Corona ist nach wie vor das Hauptthema, das uns beschäftigt“, sagt Bürgermeister Stephan Schlier. Er setze große Hoffnungen darauf, dass der Impfstoff eine Trendwende setzt und das wärme Wetter ab Frühjahr auch seinen Teil dazu beiträgt. Indes hoffe er, dass das bereits zu Beginn der Pandemie geknüpfte Netz unter dem Motto „Bad Aibling hält zusammen“ weiter hält. Er und Wirtschaftsreferent Dr. Thomas Geppert appellieren an die Bürger, die „To go“-Angebote der Gastronomie und das „Click & Collect“-System im Einzelhandel so aktiv wie möglich zu nutzen.

Heimischen Unternehmen stützen und zugleich sparen kann man mit den Mehrwert-Gutscheinen, die über die Aib-Kur erhältlich sind (110-Euro-Gutschein für 100 Euro, 220-Euro-Gutschein für 200 Euro, 330-Euro-Gutschein für 300 Euro). Diese können in zahlreichen Betrieben eingelöst werden. Ein weiterer Appell geht an die Vermieter, zu überlegen, ob es Möglichkeiten gibt, den Mietern fällige Beträge zinslos zu stunden, bis die November- und Dezemberhilfen angekommen sind.

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