Im Golfclub Schloss Maxlrain ist die Natur Gold wert

Auf den Millimeter genau: Mit einem Prisma misst Prüfer Dr. Gunther Hardt (kniend) die Schnitthöhe des Rasens auf dem Grün – beobachtet von Club-Präsident Karlheinz Bachmeier, Vorstandsmitglied Uwe Schäfer, Chef-Greenkeeper Mark Sturm und Geschäftsführerin Julia Busch (von links). Baumann
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Auf den Millimeter genau: Mit einem Prisma misst Prüfer Dr. Gunther Hardt (kniend) die Schnitthöhe des Rasens auf dem Grün – beobachtet von Club-Präsident Karlheinz Bachmeier, Vorstandsmitglied Uwe Schäfer, Chef-Greenkeeper Mark Sturm und Geschäftsführerin Julia Busch (von links). Baumann

Der Golfclub Schloss Maxlrain wurde für die ökologische Bewirtschaftung und Bio-Diversivität seiner 100 Hektar großen Anlage zum zweiten Mal mit dem Qualitätszertifikat „Golf & Natur“ in Gold ausgezeichnet. Dem war eine intensive Prüfung durch den Deutschen Golfverband vorausgegangen.

Von Johann Baumann

Tuntenhausen – Was hat es damit auf sich, wenn sich ein Mann auf dem Golfplatz in Maxlrain aus dem Rasen ein Stück „Torte“ herausschneidet? Dann wird der Golfplatz wieder auf Herz und Nieren geprüft.

Der Golfclub Schloss Maxlrain wurde jetzt zum zweiten Mal mit dem Qualitätszertifikat „Golf & Natur“ in Gold ausgezeichnet. Überreicht wurde die Auszeichnung von Dr. Gunther Hardt, Auditor des Deutschen Golfverbandes (DGV). Doch zuvor nahm er Natur und Landschaft, Pflege und Spielbetrieb, Arbeitssicherheit, Umweltmanagement und Infrastruktur in Maxlrain ganz genau unter die Lupen.

60 Hektar sind hier pure Natur

„Während für den Golfer vorwiegend die Qualität der Rasenfläche von Interesse ist, gibt es für den Betrieb einer Golfanlage verbindliche Vorgaben als Voraussetzung für einen nachhaltigen Spielbetrieb“, erklärt Hardt. Nur etwa 40 Prozent der Fläche eines Golfplatzes werde unmittelbar für den Sport genutzt. 60 Prozent seien reine Natur und somit geschützter Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren, Insekten und Pflanzen. „Die Anlagen sind wichtige und teilweise sogar letzte Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere“, betont der Sachverständige.

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Die Bewirtschaftung eines Golfplatzes sei moderne Landwirtschaft unter ökologischen Gesichtspunkten und garantiere eine hohe Bio-Diversivität. Wie das in Maxlrain funktioniert, schaute sich der DGV-Prüfer in den Semiroughs, Fairways und Grüns des 100 Hektar großen Golfplatzes mit einer 18-Loch- und einer Neun-Loch-Bahn an.

Auch auf den Gerätewaschplatz, die Fahrzeughalle und die Werkstatt warf er prüfende Blicke. Auf dem Grün wurde mit einem Prisma die tatsächliche Schnitthöhe des Rasens auf den Millimeter genau bestimmt: vier Millimeter.

Auch Totholz gehört auf den Golfplatz

Auch Anregungen gehören zu den Aufgaben eines Auditors: Hardt sah einfache Möglichkeiten für eine noch naturnahere Gestaltung der Anlage: „An den Baumscheiben könnte man das Gras etwas höher stehen lassen“, schlug er vor. Zugleich lobte er die Maxlrainer Greenkeeper dafür, dass sie einen umgestürzten Baumstamm als Totholz liegen gelassen haben.

Eine Zwei mit Entwicklungspotenzial

Im Hinblick auf die Ampferausbreitung empfahl er, die Wiesen schon im Mai zu mähen. Insgesamt fiel seine Beurteilung der Anlage positiv aus: In Notenform lautete sie „Zwei plus mit Entwicklungspotenzial“.

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„Nur wenige Golfanlagen in Deutschland dürfen das Gütesiegel in Gold tragen“, sagt Uwe Schäfer stolz, in Maxlrain für die Öffentlichkeitsarbeit des Golfclubs zuständig. Golfsport sei ein Erlebnis in der Natur. Die gelte es zu schützen und zu erhalten. Deshalb beteiligen sich die Maxlrainer Golfer nicht nur an der Initiative „Golf und Natur“ des Deutschen Golfverbandes, sondern auch am „Blühpakt Bayern“.

Bei den Maxlrainer Golfern gibt es ein durchgängiges Blütenangebot und Überwinterungsstrukturen für Insekten sowie einen naturnahen und insektenfreundlichen Pflegeplan.

Club beteiligt sich an Zertifizierung „Golf und Natur“

• Unter dem Begriff „Golf & Natur“ hat der Deutsche Golfverband (DGV) ein selbstverpflichtendes und proaktives Qualitätszertifikat für Golfanlagen entwickelt, das sowohl Qualitäts- als auch Umweltaspekte beinhaltet. Das Zertifikat, das in Bronze, Silber und Gold vergeben wird, enthält alle relevanten Aspekte, die zum umweltbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen beitragen.

• Die Zertifizierung wird alle zwei Jahre vorgenommen. Der Golfclub Schloss Maxlrain nimmt seit 2010 daran teil. 2016 wurde er erstmals mit der Plakette in „Gold“ ausgezeichnet.

Maxlrain setzt „Blühpakt Bayern“ um

• Der „Blühpakt“ ist eine gemeinsame Initiative des Bayerischen Umweltministeriums mit den Naturschutzverbänden, der sich auch der Bayerische Golfverband angeschlossen hat. Zu den Teilnahmekriterien zählt unter anderem ein durchgängiges Blütenangebot von Frühjahr bis Herbst. In Bayern bringen Golfplätze im Rahmen der Allianz von ihrer Gesamtfläche von circa 10 000 Hektar schon heute mehr als 6000 Hektar Flächen mit Streuobstwiesen, Blühwiesen, Hecken, Sträuchern, Baumpflanzungen, Teichen und Feuchtbiotopen in die Biodiversitätsstrategie des Freistaates ein.

Genießbar ist dieses Stück „Torte“ nicht, aber es gibt Auskunft über die Moosbildung.
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