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Die geduldige Kronprinzessin

Ilse Aigner: Von Feldkirchen-Westerham ins Amt der Ministerpräsidentin?

Ilse Aigner: Die erfahrene Politikerin genießt großen Rückhalt in der CSU - Kann sie Ministerpräsidentin werden?
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Ilse Aigner: Die erfahrene Politikerin genießt großen Rückhalt in der CSU - Kann sie Ministerpräsidentin werden?
  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
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Falls Söder geht, steht Ilse Aigner als Ministerpräsidentin bereit: Und diesmal will die CSU-Politikerin aus Feldkirchen-Westerham zugreifen.

München – Über Ilse Aigner und ihren zaghaften Griff zur Macht gibt es lebhafte Schilderungen. Sie selbst sagt, sie sei die ewige Debatte um Kronprinzen einfach leid gewesen. „Dieses Spiel habe ich irgendwann nicht mehr mitgemacht, weil es mir zu blöd war. Ich war nicht bereit, den Kampf bis aufs Allerletzte durchzufechten.“

2018 war das, als die CSU einen Ministerpräsidenten nach Horst Seehofer suchte. Markus Söder wollte damals unbedingt, Aigner schon auch, aber eben nicht total unbedingt.Vergangenheit. Oder nicht? Die CSU debattiert in diesen Tagen wieder Nachfolge-Optionen. Weil Söder sich fürs Kanzleramt interessiert, sein Sprung dorthin Ende September nicht völlig ausgeschlossen ist, sollte in Bayern jemand fürs Regierungsamt bereitstehen.

Keine Angst vor Konfrontation

Und da richten sich alle Blicke auf Aigner. Die 56-Jährige aus Oberbayern hätte beste Chancen. Aigner hat ihr Amt als Landtagspräsidentin seit Ende 2018, anders als zuvor mehrere Minister-Jobs, voll ausgefüllt – weit mehr als ein bisschen protokollarisches Gebimmel mit der Glocke des Sitzungsleiters. Ihr konsequenter Kurs bei Provokationen der AfD gefällt sogar der Opposition. Auch mit der eigenen Fraktion, der männerorientierten CSU-Personalpolitik, ging sie öffentlich ins Gericht. Und von Söder forderte sie mehrfach mehr Öffnungsperspektiven nach der zweiten Corona-Welle.

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Das war zu einer Zeit, als viele Parteifreunde ähnlich dachten, aber die Klappe nie aufbrachten, sobald Söder mit in der Videokonferenz saß. Über Aigner spottete ein sehr hoher Parteifreund neulich, ihr Mut sei abstrakt sehr groß. Sobald sie aber konkret um Macht kämpfen müsse, sei sie „in der Fluchtbewegung unübertroffen“. Mehrere, die in diesen Monaten mit ihr zusammenarbeiten, beteuern: Das sei jetzt grundlegend anders. Sie säge nicht an Söders Sessel, lobe ihn nicht weg – aber nochmal kampflos verzichten werde sie nicht.

Die Frage ist, ob die Aufgabe jetzt noch so schön ist. Söders erste Monate waren von exorbitanten Mehrausgaben aus prallen Kassen geprägt, bei gleichzeitig strikt loyaler Gefolgschaft der Fraktion. Ein Nachfolger diesen Herbst schaut in Corona-Milliardenlöcher, neue Schulden, müsste Leistungen kürzen, Versprechen einkassieren; und sich mit dem immer unruhigeren Koalitionspartner Freie Wähler herumstreiten. Dies alles extrem wachsam beäugt vom CSU-Vorsitzenden Söder aus Berlin. Er hat derzeit in jedem noch so kleinen Gremium ein Netz an Zuträgern.

Erste Entscheidung fällt Ende 2021 im Landtag

Ob Aigner seine Wunschkandidatin wäre? Die erste Entscheidung Ende 2021 läge beim Landtag, also im Kern bei der bestehenden CSU-Fraktion. Könnte Söder allein wählen, würde er wohl eher einen engen Vertrauten als Ministerpräsidenten einsetzen. Finanzminister Albert Füracker (53) etwa, ein persönlicher Freund. Der Oberpfälzer agiert uneitel, drängt nie in die Schlagzeilen, kennt aber CSU und Regierung seit Jahren bestens. Oder Florian Herrmann, der Staatskanzleiminister aus Freising: Söder hält auf den klugen Juristen (49) allergrößte Stücke. Als Wahlkämpfer bei der Landtagswahl 2023 mag man sich Herrmann aber nur bedingt vorstellen. Ebenfalls genannt wird ein zweiter, deutlich profilierterer Herrmann: Joachim, der erfahrene Innenminister, wieder ein Franke und mit 64 keine Zukunftslösung.

Alle Genannten weisen Ambitionen natürlich von sich. Am einprägsamsten Füracker: „Ich bin ausbefördert“, sagte der Finanzminister im Sommer 2020. Wirklich? Söder gefiel der Spruch so gut, dass er ihn fortan benutzte, wenn er nach seinen Kanzlerambitionen gefragt wurde. Inzwischen kennt man die ganze Wahrheit.

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