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Müll und Schlamm entsorgt

Acht Tage nach der Flut: „Ihr habt uns gerettet“ – Betroffene aus Mittenkirchen und Wiechs sagen Dank

Eine Woche nach der Katastrophe kommen betroffene Familien aus Wiechs und Mittenkirchen erstmals wieder ein wenig zur Ruhe. Ihr wichtigstes Anliegen nach der Flut ist es, den vielen Helfern Dank zu sagen.
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Eine Woche nach der Katastrophe kommen betroffene Familien aus Wiechs und Mittenkirchen erstmals wieder ein wenig zur Ruhe. Ihr wichtigstes Anliegen nach der Flut ist es, den vielen Helfern Dank zu sagen.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Eine Woche nach der Katastrophe haben Betroffene aus Wiechs und Mittenkirchen einen Großteil ihres Lebens auf Container verladen, tonnenweise Schlamm aus Gärten, Kellern, Stuben geschaufelt und ihre Häuser verbarrikadiert. Doch wie geht es den Menschen in den Katastrophengebieten entlang des Irschenbergs?

Bruckmühl – Wenn dunkle Wolken aufziehen, geht der Blick der Menschen in Wiechs und Mittenkirchen sorgenvoll gen Himmel. „Wie schlimm wird es diesmal“, fragen sie sich. Mindestens 30 Häuser hat es hier am Abend des 26. Juli überschwemmt. „Man traut sich gar nicht mehr, das Haus zu verlassen, fährt nur schnell zum Einkauf und zurück“, sagt Ursula Goretzki.

„Bis auf 50 Zentimeter Höhe haben wir alle Öffnungen mit Schalbrettern, Teichfolie und Sandsäcken verschlossen“, beschreibt Axel Donabauer. Wenn er die mächtige Flutwelle beschreibt, gegen die er und seine Frau sich in jener Nacht erfolglos stemmten, kämpft er mit den Tränen. Hüfthoch schoss das Wasser durch ihr gerade frisch saniertes Haus. Sie haben sehr viel verloren.

Alles, was in den Kellern war, wurde überflutet. Ein halbes Leben landete in den Containern.

Großteil des Lebens landet im Container

Zum Glück blieb das Nachbarhaus der Eltern wie andere Gebäude im Ort auch verschont. Die Flut vom Irschenberg suchte sich ihre eigenen Wege durch den Ort. „Bei uns war der Keller bis an die Decke geflutet“, beschreibt Bernhard Goretzki. Nebenan, bei Britta Aigner, stand das Wasser im Keller auf einer Höhe von 80 Zentimetern, im Wohnzimmer stieg es auf 20 Zentimeter. Michael Schragl hat sein Architekturbüro in Container verladen: „Es war im Keller, 1,20 Meter unter Wasser.“

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Eine Woche nach der Flut kommen die Menschen aus Wiechs und Mittenkirchen ein erstes Mal wieder ein wenig zur Ruhe. Sie sitzen beisammen, erinnern sich, weinen, nehmen sich tröstend in die Arme. Zwei betagte Nachbarn sind seit dem Schock der Flut im Krankenhaus. Doch alle haben sie diese Katastrophe überlebt.

Am Morgen danach packten überall Helfer mit an und ließen die Betroffenen nicht allein.

Was ihnen heute am meisten am Herzen liegt, ist es, Dank zu sagen. Nicht nur den Jungs der Feuerwehren, die der „absolute Wahnsinn waren“ und zwei Tage lang ihr Menschenmöglichstes gaben, um das Wasser aus den Kellern zu pumpen. Auch den Mitarbeitern der Fuhrunternehmen, die Schlamm absaugten und Container brachten.

Vor allem aber den vielen freiwilligen Helfern. „Es gab so eine unglaublich große Solidarität“, sagt Britta Aigner. Nachbarn, Sportler, Trachtler, Studenten, Privatleute packten mit an. „Gleich am nächsten Morgen waren so viele Menschen hier vor Ort. Sie hatten Schaufeln und Pumpen dabei, umuns zu helfen.“ Und so hatte jeder Betroffene viele Helfer zur Seite. „Diese Menschen haben uns gerettet. Ohne sie hätten wir das niemals geschafft“, betont Donabauer.

Es ist „nur“ Spielzeug, aber es zeigt, dass auch Kinder unter der Katastrophe leiden.

Jetzt warten die Betroffenen auf Signale von ihren Versicherungen. Sie sind elementarschutzversichert. Viele haben das Hochwasser integriert, andere nur Hagel und Sturm. All das gab es in jener Nacht.

Regulierung der Schäden noch unklar

Wie ihre Versicherungen die Schäden regulieren – ob sie beispielsweise auch für die Schlammentsorgung aus den Gärten aufkommen – wissen die Betroffenen noch nicht. Fast alle müssen Selbstbeteiligungen in vierstelliger Höhe zahlen. Doch die Schäden im Dorf sind um ein Vielfaches höher, liegen im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Sie genau zu beziffern, hatte noch keiner von ihnen Zeit.

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„Wir haben Angst, dass so etwas wieder passieren könnte“, sagen die Wiechser und schauen nach vorn. Sie sind überzeugt davon, dass die Marktgemeinde Bruckmühl nach den Erfahrungen der vergangenen Woche ihr Krisenmanagement überarbeiten wird und bringen auf den Punkt, was sie sich von der Verwaltung wünschen: „Die Aufarbeitung der Flutursachen. Im Ernstfall schnelle Informationen über Megaphon direkt vor Ort. Krisenmanager, die von Haus zu Haus gehen und analysieren, welche Hilfe wo und wie schnell gebraucht wird. Empathie und auch mal die Frage: Wie geht es Euch. “

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