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Unerschrocken und in Gottes Hand

„Ich kann Ukraine-Krieg nicht tatenlos zusehen“ – Pfarrer Harald Höschler begleitet Hilfstransport

Der Bruckmühler Pfarrer i.R. Harald Höschler lädt private Spenden ein, die er am Mittwoch, 9. März, im Marktmobil mit an die polnisch-ukrainische Grenze nimmt. Um 7 Uhr startet er das Begleitfahrzeug des Rohrdorfer Helferkreises für Ternopil.
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Der Bruckmühler Pfarrer i.R. Harald Höschler lädt private Spenden ein, die er am Mittwoch, 9. März, im Marktmobil mit an die polnisch-ukrainische Grenze nimmt. Um 7 Uhr startet er das Begleitfahrzeug des Rohrdorfer Helferkreises für Ternopil.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Eigentlich ist der Bruckmühler Harald Höschler im Ruhestand. Doch die Bilder vom brutalen Angriffskrieg auf die Ukraine und unermesslichen Leid der Menschen lassen ihn nicht ruhen. Mit 69 Jahren will er aktiv helfen und setzt sich ans Steuer. Was er vorhat.

Bruckmühl – Am Mittwochmorgen, 9. März, bricht der Bruckmühler Harald Höschler in Richtung Ukraine auf. An der Seite des Rohrdorfer Helferkreises für die Diözese Ternopil macht er sich auf den Weg an die polnisch-ukrainische Grenze. „Der Verein hat Fahrer gesucht, da habe ich mich gemeldet“, sagt der 69-jährige Pfarrer im Ruhestand. Höschler steuert das Begleitfahrzeug des mit 18 Tonnen Hilfsgütern beladenen Lkw, der schon am Donnerstagmittag im Grenzort Korczowa – etwa 100 Kilometer westlich von Lwiw und etwa 260 Kilometer von Ternopil entfernt – erwartet wird.

Marktgemeinde stellt Fahrzeug bereit

„Ob wir das in dieser Zeit schaffen, müssen wir sehen, denn ich weiß nicht, ob die Straßen verstopft sind, und wie gut wir vorankommen“, blickt Höschler im Gespräch mit dem Mangfall-Boten auf seine Reise. Die Marktgemeinde Bruckmühl hat ihm dafür das Gemeindemobil – einen Opel Vivaro – kostenlos zur Verfügung gestellt.

Am Mittwochmorgen wird er noch mit Brot beladen, das in der Nacht von einer Priener Bäckerei für die Menschen in der Ukraine frisch gebacken wird. „Glauben Sie mir, wir werden alle Hohlräume des Fahrzeuges ausfüllen. Unter anderem packen wir auch Kerzen und Teelichter ein, damit die Menschen in der Ukraine sich Dosen mit Fertiggerichten erwärmen können“, beschreibt Kathi Schmid, die Vorsitzende des Helferkreises.

Zum zweiten Mal macht sich am 9. März ein Hilfstransport aus Rohrdorf auf den Weg an die ukrainische Grenze. Schon in der kommenden Woche ist ein weiterer Konvoi geplant. „Die nächste Fuhre an Spenden steht bereit, jetzt suchen wir wieder ein Fahrzeug“, so Schmid.

Im Vivaro der Marktgemeinde Bruckmühl fahren neben Harald Höschler zwei weitere Passagiere mit: ein Vereinsmitglied als zweiter Fahrer und ein Journalist, der über die Hilfsaktion berichtet. „Wir werden in Krakau übernachten und am Donnerstagmorgen, 10. März, weiter zur polnisch-ukrainischen Grenze fahren“, erläutert Höschler. Angst davor, in die Kriegswirren zu geraten, hat der 69-Jährige nicht. „Wir sind alle in Gottes Hand“, sagt der Pfarrer.

Nachdem er die ersten grauenvollen Bilder vom Krieg in der Ukraine und vom unermesslichen Leid der Menschen gesehen hat, war für ihn klar, dass er helfen will. „Es bricht mir das Herz, ich kann das nicht mehr tatenlos mit ansehen“, sagt er. „Doch von Symbolhandlungen werden die Opfer nicht überleben.“ Deshalb unterstützt er als Fahrer den Helferkreis. „Wir werden nur ein paar hundert Meter auf ukrainisches Gebiet fahren“, erklärt Kathi Schmid. Auch wenn holländische und italienische Hilfskonvois direkt nach Ternopil gelangt seien, wollen die Rohrdorfer ihre ehrenamtlichen Helfer schützen. „Wir werden unsere Leute keiner Gefahr aussetzen“, betont Schmid. „Deshalb kommen unsere Ternopiler Freunde ihnen ein Stück entgegen. An der Grenze werden die Hilfsgüter umgeladen.“

Harald Höschler möchte noch einen Schritt weitergehen. „Im Bruckmühler Marktmobil sind sechs Plätze frei. Ich werde sicher nicht leer zurückfahren“, betont er. Drei Plätze ins sichere Deutschland sind schon reserviert: Für Natalja, eine Frau aus Ternopil, und ihre beiden Töchter. „Ihr Mann und ihr Bruder bleiben in der Ukraine. Sie warten auf ihre Einberufung, um ihre Heimat zu verteidigen. Natalja und ihre Mädchen bleiben jetzt erst einmal bei mir in Osterkam“, sagt Schmid. „Es sind also noch drei Plätze frei, und ganz sicher werden wir noch eine weitere Familie mitnehmen“, verspricht Höschler.

Vor Reise noch ein Besuch bei den Enkeln

Auch er möchte Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen und ihnen in ihrer Not helfen. „Und wenn es nur für ein paar Tage ist“, betont Höschler. Am Montag, 14. März, will er sie nach München zum zentralen Ankunftszentrum der Regierung von Oberbayern begleiten, damit sie registriert werden können.

Am Dienstag, 8. März, bereitete sich Höschler auf seine Hilfsaktion vor, lud Spenden ein, kaufte Reiseproviant, packte seine Koffer und besuchte noch einmal seine Enkel in München. 18 Uhr übernimmt er das Marktmobil, mit dem er sich auf dem Weg nach Korczowa ist. Am Samstag, 12. März, will er wieder zurück in Bruckmühl sein.

Mehr Informationen über den Helferkreis für die Diözese Ternopil und die Möglichkeiten zu helfen, finden Sie hier.

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