Am liebsten in der Werkstatt

Holz ist die Leidenschaft des 88-jährigen Peter Taubenberger aus Mittenkirchen

Am liebsten ist Peter Taubenberger in seiner Werkstatt. Hier entsteht derzeit ein Bettstadl fürs Christkind.
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Am liebsten ist Peter Taubenberger in seiner Werkstatt. Hier entsteht derzeit ein Bettstadl fürs Christkind.
  • vonManfred Merk
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Peter Taubenberger frönt seiner Leidenschaft. Auch mit 88 Jahren ist er am liebsten in seiner Werkstatt. Hier entstehen die schönsten Möbel – reich verziert mit Ornamenten oder Intarsien. Im Advent arbeitet der Mittenkirchener Schreiner an einer neuen Krippe für das Jesus-Kind.

Bruckmühl – „Na, wo wird er denn schon sein, in seiner Werkstatt natürlich“, sagt Rosa Taubenberger. Mit „er“ ist ihr Ehemann Peter gemeint, mit dem sie seit 62 Jahren verheiratet ist. Inzwischen gehören zwei Töchter, zwei Schwiegersöhne, zwei Enkelinnen und zwei Enkel zur Familie.

Wer den Mittenkirchner nur als gelernten Schreiner oder nimmermüden Kirchenpfleger kennengelernt hat, der muss schon weiter weg wohnen. Wer in Mittenkirchen und der näheren Umgebung daheim ist, der kennt ihn als den „Peder“. „36 Jahre lange war ich Kirchenpfleger, und alles haben wir gemacht“, erzählt er gerne und ausführlich. Mit „wir“ meint der Mittenkirchner seine Freunde, Nachbarn und die „Bergler“, wie er die vielen Bauern rundherum nennt.

Eine Gemeinschaft aus vielen Freiwilligen

„Hinunter bis nach Waith und in Richtung Süden bis nach Hackling – alle haben wir geholfen, wenn es um unsere Kirche ging“, erinnert er sich. „Den alten Außenputz haben wir heruntergeschlagen, den neuen aufgebracht. An der dem Heiligen Nikolaus geweihten Kirche gab es immer viel zu tun“, weiß der mittlerweile 88-Jährige.

Eine erstaunliche Arbeit: Diese Vitrine aus der Taubenberger Werkstatt wurde mit Ornamentrahmen und Intarsien verziert.

„Aber nicht nur außen, auch in der St. Nikolaus Kirche haben wir vieles saniert und wieder hergerichtet“, weiß Taubenberger: „Den Ambo aufgebaut, die Sakristei mehrmals umgebaut, alles auf Vordermann gebracht. Es gibt keine Heiligenfigur in unserer Kirche, die ich nicht schon mehrmals in der Hand gehabt hätte“, sagt er und lacht dabei.

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Taubenberger hat das Schreinerhandwerk erlernt und in diesem Beruf auch lange gearbeitet. Warum er später umgesattelt hat? „In den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg herrschte bittere Not, das Geld war knapp und die Arbeit für die Schreiner zu wenig“, weiß Taubenberger aus eigener Erfahrung.

„Ich entschloss mich, zur Bundesbahn zu gehen, wurde dort als Rangiermeister eingesetzt und bin dann in den mittleren Dienst aufgestiegen. Die Mariensäule vor der Kirche in Wiechs erinnert noch an die Bundesbahnzeit von Taubenberger.

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Aus einer ausgewechselten Gleisschwelle hat er den Kreuzkörper gemacht. Den gekonnten Umgang mit dem Holz, das handwerkliche Schreinern, das hat Peter Taubenberger zu keiner Zeit aufgegeben. Daheim hat er sich eine kleine Werkstatt eingerichtet, mit gebrauchten Maschinen ausgestattet und hochwertige Möbel angefertigt.

Eine Weltkugel zum Aufklappen hat Peter Taubenberg (rechts) aus poliertem Holz und farbigen Intarsien gestaltet. Franz Heinritzi (Mitte) staunt über die Arbeit.

Wenn der jetzige Hobby-Schreiner seinen langjährigen Freund, den Bruckmühler Alt-Bürgermeister Franz-Xaver Heinritzi, zu Besuch hat, dann darf Zeit keine Rolle spielen. Kürzlich, in der noch nicht ganz so strengen Corona-Zeit, war das wieder einmal der Fall.

Schreiner fertigt wahre Schmuckstücke

Die von Heinritzi mitgebrachte Besuchergruppe war hellauf begeistert von den hochwertigen Möbelstücken, Truhen und Vitrinen, wahre Schmuckstücke aus der Hand des 88-jährigen Schreiners. Heute lässt es der Mittenkirchner ruhiger angehen: Rund ums Haus das Laub zusammenrechen, die Hausarbeit verrichten, Brennholz für Herd und Ofen in die gemütliche Wohnung tragen.

„Und jetzt in dieser vorweihnachtlichen Zeit jeden Tag in der Werkstatt für das Jesuskind ein neues Kripperl schreinern“, verrät Taubenberger. „Nicht das erste und hoffentlich auch nicht das letzte“, sagt der hellwache und talentierte Senior. Wie viel Zeit er dafür aufwendet? „40 Stunden werden schon zusammenkommen, aber die Liegestatt für das Christkind ist alle Mühen wert.“

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