Ein Hoffnungszeichen

Die Fahne steht für eine Botschaft, die sich über vier Jahrhunderte hinweg wieder und wieder bewahrheitet hat: Das Leben geht weiter. Thomae

Flintsbach – Auch wenn derzeit in den Kirchen keine Gottesdienste abgehalten werden können, so bleiben sie dennoch für die Gläubigen ein wichtiger Ort – die Kerzenbänke, auf denen in vielen Kirchen zahllose kleine Lichter brennen, beweisen es.

Jedes Licht ein Ausdruck des Glaubens, damit auch ein Zeichen für Hoffnung und Optimismus, deren Verbreitung heute nicht weniger wichtig ist als die Verteilung von Gesichtsmasken.

In der Kirche Sankt Martin in Flintsbach findet sich noch ein ganz besonderes Zeichen solcher Zuversicht, die sogenannte Pest- oder Rochusfahne.

Sie sollte die Dankbarkeit für die Erlösung von der Pest dokumentieren, die im Jahr 1611 im Inntal grassierte, und sie ist auch Ausdruck des Wallfahrtversprechens, mit dem die Flintsbacher, die Brannenburger und Degerndorfer um die Befreiung von der Seuche baten.

In ihrer heutigen Fassung stammt die Fahne aus dem Jahr 1768, in dem sie neu bemalt wurde. In ihrem Ursprung mag sie vielleicht bis auf das Jahr 1628 zurückgehen, als man die Wallfahrt erstmals urkundlich festhielt. Über Jahrhunderte hinweg hat sie also die Dankeswallfahrt begleitet, auch in den Zeiten der beiden Weltkriege wurde diese Tradition nicht unterbrochen. Erst seit den 50er/60er-Jahren wird das Kleinod dabei nicht mehr mitgetragen, sondern verbleibt im Flintsbacher Pfarrmuseum.

Für Sepp Wieland, den ehemaligen Kirchenpfleger von Flintsbach und Ehrenvorsitzenden des Freundeskreises Pfarrmuseum war klar, dass die Fahne in diesen Zeiten wieder in die Kirche gehört. Eine Idee, der sich nicht nur Pfarrer Kraus, Dekan des Dekanats Inntal und Leiter des Pfarrverbandes Brannenburg-Degerndorf-Flintsbach, sondern auch der Freundeskreis Pfarrmuseum gerne anschloss, sodass die Fahne seit einer Woche wieder in Sankt Martin hängt. Pfarrer Kraus hat auch ein Gebet verfasst, das in der Kirche am Schriftenstand ausliegt.

Auf einem Faltblatt neben der Fahne wird ihre Geschichte erläutert und dabei vor allem auch auf ihre Bedeutung als ein Zeichen der Zuversicht, das Jahrhunderte überstanden hat, hingewiesen.

Denn wie Sepp Wieland sagt: „Die Fahne zeigt, dass man damals eine Seuche überwunden hat, die die Menschen in Quarantäne und Vereinzelung trieb, dabei Schrecken und namenlose Angst verbreitete.

Trotzdem haben die Menschen damals den Glauben an eine Zukunft nicht verloren. Wir stehen heute ungleich besser da, als unsere Vorfahren damals, und auch wir werden mit Gottes Hilfe diese Zeit überstehen“. jt

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