15 Hochzeitstage in 60 Ehejahren: Anna und Adi Bell gaben sich am 29. Februar das Ja-Wort

Diamantene Hochzeit feiern Anna und Adi Bell (Mitte). Ihr Sohn Adi (links) führt die kleine Landwirtschaft der Familie. Und dessen einstiger Klassenkamerad und Bürgermeister Georg Weigl (rechts) kennt Adi senior noch als Gemeinderat.

Ihre Diamantene Hochzeit begingen jetzt Anna und Adolf Bell aus Beyharting. Feiern konnten sie das 60-jährige Ehejubiläum an ihrem Hochzeitstag allerdings erst 15-mal, denn sie haben sich an einem 29. Februar das Ja-Wort gegeben – am Rosenmontag 1960.

Von Kathrin Gerlach

Beyharting – Eigentlich sind die beiden ja keine Ur-Beyhartinger, sondern „Zuagroaste“. Er stammt aus Katzenreuth, sie aus Buchen.

Dass es ihn 1956 nach Beyharting verschlug, war eine Frage der Hofnachfolge. Sein Onkel hatte keine eigenen Kinder. Also versucht es Adi, der gelernte Metzger, mit der Landwirtschaft und fängt mit sieben Kühen an.

Mit einer Familie hätte er davon nicht überleben können. Deshalb verdingt er sich nebenbei auch als Metzger bei Hofschlachtungen.

Wo auch immer die Liebe hinfällt

Sein „fesches Dirndl“ lernt er beim Tanz im „Großen Wirt“ von Kirchdorf a.H. kennen. „Er hat mir zwar auch gleich gefallen, aber eigentlich wollte ich keine Bäuerin werden“, erinnert sich Anna mit einem verschmitzten Lächeln.

Was aber tun, wenn die Liebe auf einen Bauernhof fällt? Der Liebe wegen wurde Anna doch Bäuerin, und ist es nun schon seit 60 Jahren. Selbst heute – mit 87 Jahren – hilft sie noch im Stall, kümmert sich um den Haushalt und kocht jeden Tag frisch für ihre beiden Männer.

Sohn Adi übernimmt Hofnachfolge

Denn inzwischen hat Sohn Adi junior längst die Hofnachfolge übernommen. „Unser ältester Sohn feiert am 6. Juni auch schon seinen 60. Geburtstag“, blickt Anna Bell auf die Jahre zurück.

Vier Monate nach der Hochzeit am Rosenmontag 1960 wurde er geboren. Dass sie damals schon im fünften Monat schwanger war, hat allerdings keiner bemerkt. „Das hab ich mit dem weißen Hochzeitsgewand gut versteckt“, erinnert sie sich.

Nach Sohn Adi kamen bald auch Franz und Gerhard. Heute gehören zur Familie Bell auch schon sechs Enkel und seit vier Wochen Urenkelin Madlen Manina.

Kleine Landwirtschaft aufgebaut

25 schwarzbunte Milchkühe und 25 Kälber stehen heute auf dem Hof der Bells. Sie haben sich in all den Jahren eine kleine Landwirtschaft geschaffen, einen neuen Stall gebaut, nach und nach auch das Wohnhaus hergerichtet. Wie alt der „Baderhof“ tatsächlich ist, wissen sie nicht genau.

Die vier Jahreszeiten einer Ehe

Aber, so erzählt Adi Bell: „Er soll einst zum Kloster Beyharting gehört haben.“ An der hölzernen Decke ihrer gemütlichen Stube hat der Holzbildhauer Martin Landinger die vier Jahreszeiten einer Ehe in Lindenholz geschnitzt: von der Hochzeit über das Leben mit den Kindern und die Arbeit bis ins Alter. „Das sind wir heute“, meint Adi ein wenig nachdenklich.

Das „Altenteil“ ist nichts für Mittachtziger

Doch aufs „Altenteil“ haben sich die beiden Mittachtziger noch lange nicht zurückgezogen. Beide sind noch im Stall aktiv. Und Adi bringt Dünger aus und mäht.

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Was in Beyharting passiert, darüber weiß Adi senior bis heute genauestens Bescheid. Er war in fast allen Vereinen tätig und hat nur eines aus seiner alten Heimat mitgenommen – die Tracht der „Voglbergler“ Straußdorf.

30 Jahre als Gemeinderat aktiv

30 Jahre lang war er in der Gemeinde Beyharting und später der Gemeinde Tuntenhausen Gemeinderat. Er hat sich während der Gebietsreform für den Erhalt des Schulsitzes in Beyharting stark gemacht, bis die Schule 1999 schließlich doch geschlossen wurde.

Autobahnen und Stauseen

Er erinnert sich noch an Projekte, die für viel Aufregung sorgten, aber nie realisiert wurden – wie eine Autobahn über Schmidhausen oder die Regulierung der Glonn mit Errichtung eines Stausees. Während der Flurbereinigung engagierte er sich als Wegebaumeister.

Wenn im Ort die Säge klemmt

Auch heute weiß er genau, wo im Ort die Säge klemmt: „Die jungen Burschen brauchen einen Inventarstadl. Und der Torbogen muss ausgebessert werden“, sagt er dem Bürgermeister, der mit Blumen zum Gratulieren gekommen ist.

Agrarpolitik regt den Landwirt auf

Wenn es um die aktuelle Agrarpolitik geht, kann sich der Landwirt auch mit 86 Jahren noch richtig aufregen. „Der Bauer ist nichts mehr wert und an allem schuld“, kritisiert er. Und seine Frau fügt hinzu: „Dabei sind doch wir diejenigen, die die Lebensmittel herstellen.“

2025: Mit der Düngeverordnung kommt das Aus

In wenigen Jahren steht auch auf dem Bader-Hof in Beyharting die Hofnachfolge an. Wie es weitergehen soll, weiß die Familie Bell noch nicht. Wie vor 64 Jahren fehlt ein Hofnachfolger. „Doch spätestens, wenn die neue Düngeverordnung in Kraft tritt und ab Januar 2025 die Gülle auch auf dem Grünland mit Schlepperschuhverteilern ausgebracht werden muss, ist wahrscheinlich Schluss hier.“

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