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Haus im „Loch“ bei Flut am 26. Juli wieder überschwemmt

Maria Elbertzhagen kämpft schon seit 15 Jahren für wirksamen Hochwasserschutz in Götting

Maria und Alexander Elbertzhagen haben eine Mauer um ihr Grundstück an der Aiblinger Straße in Götting gebaut, um sich vor Überschwemmungen durch wild abfließende Oberflächenwasser zu schützen. Vergebens.
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Maria und Alexander Elbertzhagen haben eine Mauer um ihr Grundstück an der Aiblinger Straße in Götting gebaut, um sich vor Überschwemmungen durch wild abfließende Oberflächenwasser zu schützen. Vergebens.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Nach Unwettern wie dem vom 26. Juli geht es immer auch um Schuld. Hätten Behörden besser vorsorgen müssen? Und wie weit reicht die Eigenverantwortung der Hauseigentümer? Maria und Alexander Elbertzhagen aus Götting haben über Jahre einen fünfstelligen Betrag investiert, um ihr Grundstück zu schützen. Vergebens.

Bruckmühl – Auch am 26. Juli drang das Wasser wieder in Keller und Wohnbereich der Familie Elbertzhagen ein. Wieder haben sie einen Schaden zu beklagen, auch wenn der mit dem anderer Betroffener nicht vergleichbar ist.

„Das ist ein Adventure-Haus. Man muss es hassen oder lieben“, sagt Maria Elbertzhagen mit einen großen Portion Galgenhumor, Tränen in den Augen und einer immer präsenten Angst vor dem Hochwasser, denn ihre Erinnerungen an 2011 holen sie als Albträume immer wieder ein.

Erst ein Tornado, jetzt zweites Hochwasser

Seit 21 Jahren leben sie und ihr Mann Alexander in der Aiblinger Straße in Götting. Sechs Familien haben sich damals hier ein Haus gekauft. Seitdem schreibt der Sechsspänner Geschichte. 2001 fegte ein Tornado über Götting und deckte das Dach des Hauses ab. 2011 standen Keller und Erdgeschosse der Häuser unter Wasser. Und auch am 26. Juli sammelten sich die Fluten vom Hochängergraben wieder in den Kellern und Wohnungen des Gebäudekomplexes. „Ich verstehe nicht, dass das Problem schon so lange bekannt ist und uns trotzdem nicht geholfen wurde“, kritisiert Maria Elbertzhagen. Ihrer Meinung nach hätte die Marktgemeinde Bruckmühl längst etwas tun müssen.

Wasser steht schon immer auf Feldern

Sie kämpft seit 15 Jahren für einen Schutz vor Überschwemmungen durch Oberflächenwasser in Götting. Denn kaum hatte die Familie das Haus bezogen, wurden ihr die Probleme mit dem Oberflächenwasser bewusst. „Das Wasser steht auf den Feldern – im Winter bei Schnee, im Sommer bei Regen. Bei Starkregen haben wir es im Haus“, beschreibt die 61-Jährige.

Die Vermutung, dass der Bauherr das Gebäude abweichend vom Bebauungsplan gebaut und zu tief gesetzt hat, steht seit langem im Raum, lässt sich aber nicht beweisen. Doch jeder, der das Grundstück sieht, hat das Gefühl, dass das Haus in einer Mulde steht. Oben die Straße, unten die Parkplätze. Hier kann sich Oberflächenwasser, das vom abschüssigen Feld kommt, sammeln.

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„Ein Loch bleibt eben ein Loch“, beschrieb Marktgemeinderat Hubert Maier die Hochwasserlage vor Ort erst im März, als es um ein Gutachten für den geplanten Neubau eines Mehrfamilienhauses direkt neben dem Sechsspänner – am Straßeneck von Aiblinger Straße und Steigfeldweg – ging. Dieser Neubau könnte die Situation am Reihenhaus weiter verschlechtern. Doch das ist ein anderes Thema.

Oberflächenwasser auf Feldern seit Jahren ein Problem

Maria Elbertzhagen geht es um die Fakten, die hier seit 21 Jahren bestehen: Oberflächenwasser, das auf dem Feld steht. Ein Problem, das die Einheimischen seit Jahren kennen, vor dem sie als Zugezogene ihrer Meinung nach aber nicht geschützt wurden.

Die Thuja-Hecke bildet die östliche Abgrenzung des Grundstücks – auch sie wurde um eine Mauer ergänzt.

„Mein Mann wäre 2011 im Keller fast ertrunken. Wir hatten einen Schaden von etwa 100.000 Euro, haben einen jahrelangen, unglaublichen Kampf mit unserer Versicherung ausgefochten und sind trotzdem auf etwa 18.000 Euro sitzengeblieben“, fasst Maria die Flut von 2011 in zwei Sätzen zusammen, obwohl es Geschichten zu erzählen gebe, die Stunden füllen würden, und die mit unzähligen Fotos und in zig Aktenordnern dokumentiert sind.

Um in ihrem Haus im „Loch“ sicher leben zu können, hat Familie Elbertzhagen inzwischen einen fünfstelligen Betrag investiert. Die Kellerschächte sind mit Betonfenstern versiegelt. Eine Mauer zieht sich auf zwei Seiten fast um ihr komplettes Grundstück.

Einzige Möglichkeit: das Grundstück komplett einmauern

Das Wasser bahnt sich trotzdem weiter den Weg in ihr Haus: über die Nachbargrundstücke auf beiden Seiten, die Versorgungsschächte und die Rohrleitungen. Jetzt wollen sie wieder in den Hochwasserschutz investieren, die Mauer noch besser abdichten. Der Kostenvoranschlag liegt im vierstelligen Bereich.

„Außerdem müssen wir uns jetzt wohl doch rundherum zumauern“, sagt Maria, denn sie weiß, dass es in ihrer Wohnlage nur dann einen wirksamen Schutz vor wild abfließendem Oberflächenwasser infolge starker Niederschläge gibt, wenn das gesamte Grundstück des Sechsspänners eingemauert ist. Zumindest steht es so schon seit 2015 in einer „Konzeptstudie zur Hangwasser-Gefährdung in Götting“. Diese hatte die Marktgemeinde Bruckmühl aufgrund der bekannten Problematik am Reihenhaus an der Aiblinger Straße anfertigen lassen, „um den Bürgern aufzuzeigen, was sie für ihren Selbstschutz tun könnten“, erklärt Bauamtsleiter Konrad Kremser auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Selbstschutz hätte 56.000 Euro gekostet

Die damalige Empfehlung des Ingenieurbüros „aquasoli“ aus Traunstein: Der Bau eines 64 Meter langen und 50 Zentimeter hohen Mauersockels um alle betroffenen Grundstücke in der Geländemulde – insgesamt sind es elf. Außerdem sei ein 80 Meter langer Sickergraben oder eine Drainageleitung in Verbindung mit einem Pumpenschacht erforderlich. Die Gesamtkosten des Hochwasserschutz-Projektes: 56.000 Euro.

Trotz der Mauer fließt das Grundstück bei Überschwemmungen noch voll, da für einen wirksamen Schutz das komplette Reihenhaus eingemauert werden müsste.

Die Marktgemeinde stellte die Konzeptstudie den betroffenen Hausbesitzern im März 2015 zur Verfügung. Mit dem Hinweis: „Der Schutz vor weiteren Überschwemmungsereignissen im fraglichen Bereich kann am besten und sinnvollsten durch Maßnahmen auf den betroffenen Privatgrundstücken gewährleistet werden. Die anfallenden Kosten müssten demzufolge jedoch auch von den Grundstückseigentümern getragen werden, zumal die öffentliche Hand kein Verschulden an der Entstehung der problematischen Situation trifft.“

Kommt jetzt endlich ein Schutz für alle?

Das Ingenieurbüro wies außerdem darauf hin, dass der Mauersockel alle Flurstücke komplett umgeben müsse, um einen wirksamen Schutz zu erzielen. Die Familie Elbertzhagen hatte ihre Mauer damals mit einer Länge von 15 Metern bereits errichtet, sie später auch an der östlichen Grundstücksgrenze verlängert. Eine Einigung mit allen betroffenen Eigentümern der Reihenhäuser in der Aiblinger Straße kam nie zustande.

„Jetzt haben wir hoffentlich eine Lobby, wenn auch eine, die ich mir so niemals gewünscht hätte“, blickt Maria Elbertzhagen voraus und fragt: „Warum muss immer erst etwas passieren?“

Winterhochwasser: Kurz nach dem Einzug wurde der Familie klar, dass an ihrem Haus immer Wasser steht – auch im Winter. Selbst ein Schutzwall half nicht dagegen.

Nach der Flut vom 26. Juli will die Marktgemeinde Bruckmühl ein Hochwasserschutzkonzept für die Orte am Fuße der Ischenberger Leithen entwickeln. Und auch die Göttinger Konzeptstudie wird in das Konzept für den etwa 6,5 Kilometer langen Bereich von Mittenkirchen bis Staudhausen mit einfließen, wie Bauamtsleiter Konrad Kremser informierte.

Auszüge aus der „Konzeptstudie zur Hangwassergefährdung in Götting“ von 2015

  • „Im Untersuchungsgebiet entwässern der Hochängergraben und der Kropfbach den im Süden liegenden bewaldeten Hang. Entlang der Fehlleitener Straße auf der westlichen Seite verläuft ein Entwässerungsgraben, der im Ortsgebiet – abgesehen von Rohrdurchlässen unter den Straßen – offen verläuft. Im oberen Bereich des Kropfbaches wurde vom Markt Bruckmühl ein Rückhaltebecken errichtet. Dieses wurde so dimensioniert, dass für das südlich gelegene Einzugsgebiet des Kropfbachs, das bis zum Ort Aufham reicht, ein schadloser Abfluss im Ortsbereich garantiert wird.“
  • Das Ingenieurbüro aquasoli hat ein hydrologisches Modell für das Reihenhaus an der Aiblinger Straße 40 und 42 erstellt, um den anfallenden Oberflächenabsfluss für Regenereignisse verschiedener Jährlichkeiten zu ermitteln.

Im Ergebnis heißt es unter anderem: „Das Gerinne des Hochängergrabens ist bei einem HQ100-Abfluss deutlich überlastet. Direkt nach der Aufweitung des Tales mit der ersten Gerinnekurve ufert der Hochängergraben großflächig in das linke Vorland aus. Die Ausuferung auf der orographisch rechten Flussseite wird durch den gleich ansteigenden Hang verhindert.

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Der Oberflächenabfluss wird zum einen durch den Entwässerungsgraben mit Verrohrung entlang der Fehlleitener Straße entwässert. Zum anderen bildet sich ein Strömungsast zwischen den in Dammlage liegenden Straßen Fehlleitener Straße und Steigfeldweg aus. Da keine Ausleitung vorhanden ist, kommt es zum Aufstau des Wassers, bis die steigenden Wasserspiegellagen den Steigfeldweg gering überströmen können.

Der dritte Abflussweg überströmt den Steigfeldweg schon vor der Geländemulde, überströmt im weiteren Verlauf die Staudhausener Straße und vereinigt sich mit dem Vorlandabfluss des Hochängergrabens. Die betreffenden Flurstücke 232/2 bis 232/13 werden inklusive der Bestandsgebäude eingestaut. Es stellen sich am westlichen Reiheneckhaus Wassertiefen von 27 Zentimetern ein.“

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