Von 4.37 Uhr bis nach Mitternacht hielt das Hochwasser Bad Aibling in Atem

Andreas Foidl, Uwe Mayer und Klaus Rapp (von links) koordinierten die Lage vom Feuerwehrhaus aus. Feuerwehr Stadt Bad AIbling/Bräunlich
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
    schließen

Eine gewisse Sorge, ob sich die Lage an der Glonn nicht noch weiter zuspitzt, nahm Bürgermeister Stephan Schlier mit in die Bauausschusssitzung, die am Dienstag um 17 Uhr begann.

Bad Aibling – Vorsorglich hatte die Willinger Feuerwehr die bei ihr stationierten Floodtubes – lange Schläuche, die mit Wasser befüllt und als mobile Wassersperren eingesetzt werden können – schon an die Dehlerbrücke gebracht. Doch die aktuellsten Informationen seitens der Feuerwehr und der nachlassende Regen ließen hoffen, dass der Fluss nicht über die Mauern treten würde.

+++ Bildergalerie: Der Dauerregen und seineFolgen an der Mangfall und dem Jenbach +++

Prekäre Lage an der Glonn

Im Bereich Bahnhof-/Irlachstraße hatte sich die Lage laut Christian Staudhammer, stellvertretender Kommandant der Bad Aiblinger Feuerwehr, am Nachmittag rasant entwickelt. „Circa zehn Zentimeter haben letztlich noch gefehlt“, berichtet er auf Anfrage unserer Zeitung. „Wenn es weiter geregnet hätte, wäre es sehr kritisch geworden.“

+++ Aktuelle Informationen rund um das Hochwasser und seine Folgen in der gesamten Region lesen Sie in unserem Ticker +++

Der lang anhaltende starke Regen bescherte der Feuerwehr Bad Aibling gemeinsam mit den Stadtteilfeuerwehren rund 50 Einsätze im Stadtgebiet. „Zahlreiche Keller liefen voll mit Wasser, Sandsäcke mussten auf die verschiedenen Einsatzstellen verteilt werden, Brücken und Straßenzüge wurden in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Bauhof gesperrt“, so Staudhammer.

+++ Bildergalerie: Diese Hochwasser-Bilder vom 4. August 2020 haben die Region bewegt +++

Mangfall war diesmal nicht das Problem

Innerhalb von ein paar Stunden seien Pegelstände ähnlich wie beim Hochwasser 2013 erreicht worden. Diesmal sei aber immerhin die Mangfall nicht das große Problem gewesen: „Hier hat sich gezeigt, dass die seit 2013 erfolgten Hochwasserschutzmaßnahmen greifen. Wenn dort aber das Wasser noch weiter angestiegen wäre, hätte die Gefahr bestanden, dass es sich bis zur Glonn zurückstaut.“

Im Kurpark, in dem die Wege gesperrt werden mussten, lief die Glonn indes hinter dem Kurhaus über Ufer. Hier errichtete die Feuerwehr eine Sandsackmauer. Dennoch stand die Küche letztlich unter Wasser: Es war durch die Abläufe im Küchenboden nach oben gedrungen.

Wo in Bad Aibling gesperrt werden musste

Gesperrt werden musste neben der Dorfstraße in Mietraching auch die Thürhamer Straße, in der Wasser aus dem Kanal die Fahrbahn flutete.

„Der Führungsdienst führte regelmäßig Erkundungsfahrten durch, um die Lage genau im Blick zu haben und auf jede Lageänderung sofort reagieren zu können“, so Staudhammer. DieFunkzentrale in der Feuerwehr Bad Aibling wurde besetzt, um die Einsätze, die von der Integrierten Leitstelle per Fax ankamen, zu priorisieren und auf die Einsatzkräfte aufzuteilen.

Rauchender Pkw am Texaskreisel komplettierte das Alarmierungsgeschehen

Zwischendurch musste auch noch eine Rauchentwicklung bei einem Pkw im Texaskreisel abgearbeitet werden. Hier war jedoch ein Eingreifen der Feuerwehr nicht mehr nötig. Als die Einsatzkräfte eintrafen, hatte sich der Rauch verzogen und es war kein Brand feststellbar. Am späten Abend entspannte sich die Wetterlage und es kamen nur noch ein paar vereinzelte Meldungen mit „Wasser im Keller“.

Lob des Bürgermeisters

Den Einsatz der örtlichen Feuerwehren und des städtischen Bauhofs würdigte Bürgermeister Schlier bereits am Abend. Der Bauhof befand sich in der Nacht in Rufbereitschaft. Die Liegenschaften der Stadt seien nicht stark betroffen gewesen, an der Jahnturnhalle allerdings sei Wasser eingedrungen.

Was den Hochwasserschutz für Adlfurt und Mietraching angeht – beide Ortsteile waren, wie berichtet, am Dienstag besonders stark betroffen – so werde in Kürze über erforderliche Grundstückverhandlungen und das mögliche weitere Vorgehen beraten.

Kommentare