BAHNHOF BAD AIBLING

Historisches Vordach bald Geschichte?

Das historische Bahnsteigdach wird nach Plänen der Deutschen Bahn AG wohl den Umbaumaßnahmen am Bahnsteig zum Opfer fallen. Archiv Baumann
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Das historische Bahnsteigdach wird nach Plänen der Deutschen Bahn AG wohl den Umbaumaßnahmen am Bahnsteig zum Opfer fallen. Archiv Baumann

Das alte Vordach des Aiblinger Bahnhofs soll im Zuge von Baumaßnahmen am Bahnsteig heuer abgerissen werden (wir berichteten). Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ will das nicht einfach so hinnehmen und setzt sich für den Erhalt des rund 120 Jahre alten Bauwerks ein.

Bad Aibling – „Das Vordach am Bahnhofsgebäude gehört zu Bad Aibling wie der Marienplatz und die Kirchzeile“, betonen Günther Polz und Wolfgang Günther von der „Pro-Bahn“-Stadt- und Kreisgruppe Rosenheim. Die beiden können nicht verstehen, dass die Öffentlichkeit die Abbruchpläne der Bahn einfach so hinnimmt.

Wie berichtet, wird der Hausbahnsteig heuer erneuert. Im Zuge der Maßnahmen wird nach Auskunft der Deutschen Bahn die Bahnsteighöhe von 35 auf 76 Zentimeter über Schienenoberkante gelegt, „um damit langfristig Barrierefreiheit für die Station zu erreichen“.

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bahn AG, dass die Betonsockel, auf denen die Ständer des hölzernen Vordachs stehen, bei den Bauarbeiten im Weg sind. Ein Wiederaufbau kommt für das Unternehmen nicht infrage: „Aus technischen und finanziellen Gründen ist die Variante Neubau deutlich wirtschaftlicher als eine Sanierung. Es wird also ein neues Bahnsteigdach geben.“

Vor der Wartehalle ist, wie in einer Sitzung des Bauausschusses im vergangenen November mitgeteilt wurde, künftig ein kleines Vordach mit den Maßen von 3,5 auf 1,5 Meter geplant (wir berichteten). Dafür soll am östlichen Bahnsteigende ein neues – vom Hauptgebäude etwas abgesetztes – Bahnsteigdach mit den Abmessungen von 50 auf fünf Meter errichtet werden.

Dieter Bräunlich (ÜWG) wiederholte in der jüngsten Sitzung des Stadtrates seine Kritik vom November: „Das Bahnhofsgebäude ist ein Stück Bad Aibling und wird durch das neue Vordach verhunzt.“ Er wollte wissen, ob diesbezüglich noch einmal Gespräche mit der Bahn geführt worden seien.

Bürgermeister Felix Schwaller konnte in der Sitzung nichts Neues vermelden. Die Deutsche Bahn AG habe unter anderem die Statik („kein Nachweis für die Standfestigkeit“) und den Brandschutz als Gründe für den Abbruch ins Feld geführt.

Das zur Streckeneröffnung 1857 errichtete Bahnhofsgebäude mit seinem 1896 angebauten Vordach ist jedoch ein Ensemble, ohne das sich der Fahrgastverband „Pro Bahn“ Bad Aibling nicht vorstellen mag. „Dieses großzügige Vordach ist das einzige seiner Art an der Mangfalltal-Bahn und erfüllt seine Funktion als Wetterschutz besser als moderne Bahnsteigdächer“, betonen Polz und Günther. Die Argumentation der Bahn halten die beiden für nicht stichhaltig: „Die Ständer des Vordachs stehen auf Betonsockeln, die auch über den erhöhten Bahnsteig hinausragen würden. Es müsste also lediglich, wie schon jetzt, der Plattenbelag entsprechend ausgespart werden.“

Die „Pro Bahn“-Vertreter bedauern, dass der „angedrohte Abriss“ vom Bauausschuss „ohne besondere Gegenwehr hingenommen wurde“, weil die DB sich schon beim Bau der Unterführung als „schwieriger Partner“ gezeigt habe. „Da hätte man schon mehr Widerstand erwarten dürfen“, finden die beiden.

Unklarheit herrscht indes auch über die Zukunft des Bahnhofsgebäudes, das derzeit noch in Besitz der DB Station und Service AG ist. Noch im Zuge der Haushaltsverabschiedung hatte Bürgermeister Felix Schwaller bekannt gegeben, dass die Stadt die Nachricht erhalten habe, dass die Bahn das Gebäude nicht veräußern wolle. Offenbar hat hier wieder ein Umdenken stattgefunden. Auf die Frage unserer Zeitung, ob das Unternehmen über einen Verkauf nachdenke, antwortete ein Bahnsprecher knapp mit: „Ja. Konkrete Pläne gibt es hierzu aber noch nicht.“

Aktuellsten Informationen Schwallers zufolge ist aber nur eine interne Umstrukturierung geplant: der Übergang des Gebäudes, in dem die Stellwerktechnik untergebracht ist, von der DB Station und Service AG auf die DB Netz. „Sollte die DB jedoch über eine Veräußerung an Dritte nachdenken, habe ich für die Stadt Bad Aibling Interesse angemeldet“, so Schwaller.

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