Heimatkundliche Sammlung

Schätze von Helmut Giese: 200 Historische Weihnachtsgrüße aus Bruckmühl

Der Herr der historischen Karten: Helmut Giese betreut die „Heimatkundliche Samlung“ in Bruckmühl. Baumann
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Der Herr der historischen Karten: Helmut Giese betreut die „Heimatkundliche Samlung“ in Bruckmühl. Baumann
  • vonJohann Baumann
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Rund 200 Weihnachtskarten gibt es in der in der „Heimatkundlichen Sammlung“. Das älteste Exemplar stammt aus dem Jahre 1900. Welche Schätze Helmut Giese, der die Sammlung betreut, hat und woher die Tradition stammt, lesen Sie hier.

Bruckmühl – Weihnachten steht vor der Tür und zu diesem Anlass werden millionenfach Festtagsgrüße verschickt. Anno 2020 erfolgt dies meist per WhatsApp, Facebook oder andere soziale Medien, auch digitale Weihnachtsgrüße beispielsweise über E-Mail erreichen ihre Empfänger. Weihnachtskarten per Post zu schicken, dazu entschließen sich nicht mehr viele Menschen.

Brauch stammt vom englischen Adel

Damit wird eine liebgewonnene Gewohnheit mehr und mehr zurückgedrängt. Dabei besitzen Weihnachtskarten in Deutschland eine lange Tradition mit ihren vielfältigen Bildmotiven. Doch woher kommt der Brauch der Weihnachtskarte eigentlich? Er hat seinen Ursprung im englischen Adel – zu Zeiten von Queen Victoria in den 1840er Jahren. Der englische Lord Sir Henry Cole, der als Staatsbeamter an verschiedenen Neuerungen – unter anderem auch im Postwesen – beteiligt war, beauftragte im Jahr 1843 den Illustrator John Callcott Horsley mit der Anfertigung eines Weihnachtsmotives.

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Durch die zeitgleiche Einführung von Briefmarke und Postversand per Eisenbahn, der sogenannten Penny Post, um das Jahr 1870 kam der Versand von Weihnachtskarten richtig in Schwung. Durch ihre Einführung erhielt eine breitere Öffentlichkeit Zugang zum Postwesen, das zuvor der britischen Aristokratie vorbehalten gewesen war. Die englische Tradition fasste ganze 30 Jahre später auch in den USA Fuß.

Viele Karten sind über 100 Jahre alt

In Deutschland wurde sie ungefähr zur gleichen Zeit bekannt und nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen Weihnachtskarten durch die fortschreitende Drucktechnik auch hierzulande zunehmend an Beliebtheit.

Den Mann als Soldat an der Front und seine Frau mit dem Kind in der Heimat symbolisiert diese Karte aus dem Jahr 1914.

In der „Heimatkundlichen Sammlung“ der Marktgemeinde Bruckmühl zeugen rund 200 Weihnachtspostkarten von dieser Tradition, insbesondere aus ihrer Anfangszeit etwa ab 1900. Ihre Bildmotive erstrecken sich von verschneiten Landschaften über himmlische Figuren und der damaligen Mode bis zu Kriegs-bezogenen Abbildungen.

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„Der in sogenannter deutscher Schrift geschriebene Text enthält meist nur kurze Grüße und Wünsche, da auf den Karten anfangs sehr wenig Platz vorhanden war“, erklärt „Sammlungs-Konservator“ Helmut Giese gegenüber der OVB-Heimatzeitung. So reicht das „Schreibfeld“ beispielsweise auf einer Karte aus dem Jahr 1907 nur für „vergnügte Weihnachten wünscht Familie Schäfer“.

Wenig Platz zum Schreiben

Wegen des Platzmangels wurden Wünsche oft auch auf der Bildseite fortgesetzt. Ein längerer Text ist auf einer Karte von 1914 zu lesen, in dem der damals begonnene Erste Weltkrieg seinen Niederschlag fand. Adressiert ist sie an einen Soldaten Ignaz Stettner, der in der 12. Kompanie des Bayererischen Landwehr-Infanterie-Regiments diente. „Für uns wäre es ein fröhliches Weihnachtsfest, wenn Du zu Hause wärst. Durch die Gnade Gottes und unser Gebet wird es schon wieder recht werden“, schrieb Maria. Ein ähnlich hoffnungsvoller Text würde angesichts der Corona-Pandemie auch auf Weihnachtskarten anno 2020 passen.

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