Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


EIN BLICK IN DIE HISTORIE

In Weiching wurde 1371 erstmals Getreide gemahlen

Der alte Hof in Weiching mit der Mühle im Hintergrund (links) . Er musste 1930 abgerissen werden, da er durch die Unterspülung der Moosach baufällig geworden war.
+
Der alte Hof in Weiching mit der Mühle im Hintergrund (links) . Er musste 1930 abgerissen werden, da er durch die Unterspülung der Moosach baufällig geworden war.

Die Mühle in Weiching hat eine über 600-jährige Geschichte. Wie sie entstand, wer die Müller waren, warum die Moosach verlegt wurde und womit der „Müller“ heute sein täglich Brotverdient, hat Victoria Schwenger recherchiert. Heute geht es um die Wurzeln der Mühle.

Tuntenhausen – „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp klapp“… Wer dieses alte Kinderlied im Kopf hat und auf der Suche nach der alten Mühle in Weiching ist, wird wohl erst einmal enttäuscht sein. Die ehemalige Mühle – ein solide gemauertes, weiß verputztes Haus – befindet sich rechts an der Staatsstraße – von Assling kommend in Richtung Ostermünchen. Doch wo sind Mühlrad und Moosach?

Gab es wirklich Mühlenromantik?

Hinter der Mühle liegt das Säge- und Elektrizitätswerk, daneben steht das moderne Wohnhaus der heutigen Besitzer, der Familie Georg Dettendorfer. Es ist alles ordentlich beisammen, aber von Mühlenromantik keine Spur. Doch gab es diese Romantik überhaupt? War das Leben eines Müllers jemals romantisch? Oder eher ein Alltag voller Arbeit, Mühe und Last? In der Mühle in Weiching wurde 603 Jahre lang Getreide gemahlen, von 1371 bis 1974.

Auf der Suche nach historischen Spuren findet sich der erste Hinweis aus dem Jahr 1883 beim königlichen Bezirksamt Rosenheim: Demnach wurde die 1791 im Bezirksamt Rosenheim nachgewiesene Mühle aufgrund eines Realrechts betrieben. Das bedeutet, dass der Betrieb der Mühle dem jeweiligen Eigentümer eines Grundstücks zustand.

Lesen Sie auch: Der Weihnachtsschatz von Tuntenhausen - so wurde er entdeckt

Informationen über die Weichinger Mühle hat auch das Bayerische Staatsarchiv, das seit 1811 alle Katasterunterlagen aufbewahrt. In den alten Folianten steht ein Eintrag vom 7. Februar 1872, der als Besitzer der Weichinger Mühle einen Georg Huber ausweist. Eine Urkunde von 1885 gibt Auskunft darüber, dass er die Mühle an seinen Sohn Georg Huber übertragen hat.

Will man jedoch weiter in die Vergangenheit zurückblicken, kommt man am Bayerischen Hauptstaatsarchiv nicht vorbei. Hier werden auf 50 Kilometern Regallänge mehr als 3,5 Millionen Archivalieneinheiten bewahrt. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahre 777. Und tatsächlich ist hier auch etwas über die Weichinger Mühle zu erfahren: Urkunden des Freisinger Domkapitels aus dem 14. bis 17. Jahrhundert über die Verleihung einer Mühle in (Ober-)Weiching.

Die älteste stammt aus dem Jahre 1371. Bei einer anderen originalen Urkunde vom 16. Juni 1428 handelt sich es sich um einen Leibgedingsbrief. Das Hochstift und das Domkapitel Freising verliehen damit das „Leibgeding unser Mil zu Weichingen Freidreichen Kotmüller, Margaretten seiner Hausfraun, Hannsen, Chunigunden, Barbara, Kathrein und Agnesen“.“

„Sechs schilling Münicher Pfenning oder Müncz“

Als „Gilt“ – heute würde man Pacht dazu sagen – wurden „sechs schilling Münicher Pfenning oder Müncz“ vereinbart, zu bezahlen jährlich „auf Sand Marteinstag oder an den nächsten vierzehn tagen hinnach“. Weiter wurde vereinbart dass, wäre der letzte der Familie verstorben und hätte keine Nachkommen, das Leibgeding an Freising zurückfallen und an einen anderen Müller vergeben werden würde.

Das könnte Sie auch interessieren: Schönauer Musi probt unter freiem Himmel

1371 baute der Weichinger Müller seine Mühle an der Moosach. Nachdem das Haus fertig war, wurde der hölzerne Wasserkanal gelegt, das große Mühlrad und die beiden gedrechselten, hölzernen Zahnräder angebracht. Sie setzten die horizontale Kraft der Welle in die vertikale Drehbewegung um. Vermutlich hat das Domkapitel, wie damals üblich, die amtlich vorgeschriebenen Hohlmaße, den Scheffel und den Metzen geliefert. Wie werden die Müllerin und ihre fünf Kinder gestaunt haben, als der Müller das Rad zum ersten Mal in Bewegung setzte. Jetzt mussten nur noch die Mühlsteine an ihren Platz gebracht werden und alles war bereit, den ersten Sack Korn zu mahlen.

Georg Huber erwirbt die Mühle

Das Geschäft lief offenbar gut, denn immerhin blieb die Weichinger Mühle 603 Jahre lang in Betrieb. Immer wieder tauchen in den historischen Unterlagen neue Namen auf: der erste Müller war Friedreichen Kottmüller, später sind unter anderem Wolfgang Sorger, Ch. Wolfgang Müller und Bartholomäus Hüttenstetter erwähnt. Mit der Säkularisation 1801 wurden viele Besitztümer der katholischen Kirche an den Staat übereignet. 1872 erwarb Georg Huber die Weichinger Mühle, wie ein Katastereintrag beweist.

(Fortsetzung folgt)

Mehr zum Thema

Kommentare