„Hilfe, ich bin nur Hausfrau“ – die ersten Themen der Volkshochschule Feldkirchen-Westerham

Einer der Gründungsväter der Volkshochschule Feldkirchen-Westerham ist Adi Tutsch. Vor 45 Jahren – am 20. Oktober 1975 – nahm die Einrichtung ihre Arbeit auf.
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Einer der Gründungsväter der Volkshochschule Feldkirchen-Westerham ist Adi Tutsch. Vor 45 Jahren – am 20. Oktober 1975 – nahm die Einrichtung ihre Arbeit auf.

Vor 45 Jahren – am 20. Oktober 1975 – startete an der Volkshochschule (Vhs) Feldkirchen-Westerham das erste Wintersemester. Damals waren viele Themen gefragt, die den Bildungswunsch von Hausfrauen stillten. Seitdem sind 91 Semester mit spannenden Programmen vergangen.

Von Kathrin Gerlach

Feldkirchen-Westerham – Eine Überraschung erlebten jetzt die Mitarbeiter der Volkshochschule (Vhs) Feldkirchen-Westerham. Am Dienstag schneite unverhofft ein Herr mit Frack, Melone und Schal herein, um zu gratulieren: Adi Tutsch. Mit dabei hatte er das erste Programm der Einrichtung, mit dem sie am 20. Oktober 1975 ihre Arbeit aufnahm. Eine der ersten Diskussionen im Wintersemester drehte sich um das Thema „Hilfe, ich bin nur Hausfrau“.

Vakuum wird mit Bildung gefüllt

Adi Tutsch war es, der die Gründung der Volkshochschule Feldkirchen-Westerham vor 45 Jahren initiierte. „In den 70er-Jahren gab es einen großen Zuzug in die Gemeinde, auch ich kam 1973 hierher“, berichtet der heute 79-Jährige.

Traditionell verdienten damals die Männer den Lebensunterhalt, die Frauen betreuten die Kinder daheim. „Es gab ein großes Vakuum, außer den traditionellen Vereinen und der Kirche kaum Bildungsangebote“, erinnert er sich.

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Als der junge Vater bei einem Spaziergang mit dem Kinderwagen beobachtet, dass die neue Schule am Karl-Weigl-Platz schon ab dem Nachmittag leer steht, ergreift er die Initiative. „Meiner Idee, sie anderweitig zu nutzen, hat der damalige Bürgermeister Max Reitner sofort zugestimmt.“

Gemeinsam mit Manfred Carnio entsteht eine Umfrage, um den Bedarf in der Gemeinde zu ermitteln. „Wir haben den Schulkindern freitags den Fragebogen für ihre Eltern in die Hand gedrückt und waren am Montag erstaunt über die große Resonanz. Das hat eingeschlagen.“

Interesse ist riesig

Heimatkunde, Sprachkurse, Themen aus Kultur, Politik und Gesellschaft wünschen sich die Menschen. Aber auch kreative Angebote, Schach oder Fotografie. Doch das erste Semesterprogramm stößt nicht nur auf Begeisterung. Anfangs beäugen die Pfarrei und auch mancher Gemeinderat das Vorhaben skeptisch. „Einer meinte sogar, man solle den Menschen Bildung nicht aufzwingen“, erzählt der Gründungsvater der Volkshochschule. Heute kann er darüber lachen. Damals aber musste er harte Überzeugungsarbeit leisten.

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Mit Erfolg: 1975 beschließt der Gemeinderat die Gründung der Vhs Feldkirchen-Westerham als Einrichtung der Gemeinde und bestellt Tutsch als ihren ersten Leiter. Auf seine Initiative entsteht auch die Arbeitsgemeinschaft der fünf Volkshochschulen im Altlandkreis Bad Aibling mit Bruckmühl, Bad Aibling, Bad Feilnbach, Kolbermoor und Feldkirchen-Westerham.

Vhs im Ehrenamt aufgebaut

Volkshochschule ist damals noch ein Ehrenamt. Der Sozialpädagoge leitet ein Kinderheim, kurz darauf geht er ans Stadtjugendamt nach München. Neben Beruf, Familie und seinem großen Garten organisiert er Kurse, Vorträge und viele andere Lehrveranstaltungen. Er erinnert sich noch heute an Kurse mit provokanten Titeln wie „Hilfe, ich bin nur Hausfrau“, an denen sowohl Frauen teilnahmen, die gerade erst geheiratet hatten, als auch solche, die schon seit 40 Jahren unter der Haube waren.

Gesundheitsthemen sind gefragt

Familienthemen wie „Kind und Schule“ oder „Ich und meine Gesundheit“ und Kochkurse sind beliebt. Aber auch mit Historie und Politik kann die neue Volkshochschule die Bürger begeistern. Und so entstehen neben vielen Sprachkursen unter anderem auch Angebote für Gesundheit und Bewegung, für Sänger und Laienschauspieler. Nicht zu vergessen die interessanten Kulturreisen nach Florenz, Rom und Burgund.

91 Semester für die Gemeinde

„Es war eine mühevolle Aufbauarbeit“, erinnert sich Tutsch. Nach sechs Jahren übernimmt Manfred Carnio das Ehrenamt. Mit Dr. Ernst Georg Nied wird die Leitung der Volkshochschule ab 1996 erstmals hauptamtlich besetzt. Seit 2018 widmet sich nun Sonja Harig der Erwachsenenbildung in der Gemeinde.

Am 20. Oktober 1975 hat alles angefangen: mit dem Vortrag des Münchener Stadtpfarrers Matthias Mayer zum Thema „Krieg an der Mangfall um 1800 – Aufzeichnungen aus dem Kloster Weyarn“. Seitdem sind 45 Jahre vergangen, die angereichert waren mit 91 spannenden Semesterprogrammen.

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