Vagener Mediatorin berät bei einer Hotline Menschen, die durch Corona an ihre Grenzen kommen

Über die kostenlose Konflikt-Hotline erreichbar:Mediatorin Monika Knauer-Walter aus Vagen hilft Menschen, die durch die Corona-Krise an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten. RE
  • vonKathrin Gerlach
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Feldkirchen-Westerham – Seit fast acht Wochen müssen Familien Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt ohne Unterstützung unter einen Hut bekommen.Die Belastung steigt. Jetzt gibt es für sie eine Telefon-Hotline, für die auch die Vagenerin Mediatorin Monika Knauer-Walter arbeitet.

Damit persönliche Stress-Situationen nicht eskalieren, bietet der Bundesverband Mediation jetzt eine kostenfreie Beratungs-Hotline an, über die auch die Mediatorin Monika Knauer-Walter aus Vagen Betroffenen hilft. Im Interview erklärt sie, wie telefonische Krisenintervention funktionieren kann.

Frau Knauer-Walter, über welche Kompetenz muss ein Mensch verfügen, um Konfliktsituationen kurz vor der Eskalation auflösen zu können?

Monika Knauer-Walter: Er muss wissen, wie er mit hochaufgeregten Menschen reden muss, um sie zu beruhigen, also zu deeskalieren. Er muss in der Lage dazu sein, anderen Menschen im Gespräch dabei zu helfen, sich zu sortieren und Lösungsansätze für ihre Probleme zu finden. Ein Mediator wird in einer intensiven, mehrjährigen Ausbildung von mindestens 200 Stunden dazu befähigt. Dabei lernt er auch, wie man mit hocheskalierten Situationen umgehen kann. Als Mediator kann ich Menschen dabei helfen, die Ursache dafür zu erkennen, warum sie etwas aufregt. Ich zeige ihnen Wege auf, wie sie Konflikte lösen können, wenn sie entstehen, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen oder sie so lange auszuhalten, bis sie eskalieren. Für ein gutes Klima – egal ob daheim oder auf Arbeit – ist es wichtig, die richtigen Worte und den richtigen Ton zu finden. Und das ist nicht immer einfach.

Wie sind Sie Mediatorin geworden?

Monika Knauer-Walter: Ich habe Sozialpädagogik studiert und war viele Jahre in der Schwangerschafts- und Schwangerenkonfliktberatung in Rosenheim tätig. Nebenbei habe ich die Ausbildung zur Mediatorin gemacht, um Menschen in belastenden Situationen besser helfen zu können.

Jetzt helfen sie ehrenamtlich und kostenlos?

Monika Knauer-Walter: Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich in dieser außergewöhnlichen Krisensituation Menschen helfen kann, die an ihre Grenzen geraten sind. Die Konflikt-Hotline ist ein sehr wichtiges Angebot und deshalb bin ich gern dabei.

Wer kann die Konflikt-Hotline nutzen?

Monika Knauer-Walter: Jeder, der eine Beratung wünscht oder sogar eine Krisenintervention braucht. Familien mit Kindern, Eheleute, einsame Menschen – wirklich jeder. Die Anrufer sind genauso vielfältig wie die Probleme, die die Corona-Krise in den verschiedensten Generationen und persönlichen Lebenssituationen auslösen kann.

Wen konkret erreicht der Anrufer unter der kostenfreien Nummer?

Monika Knauer-Walter: Die Hotline des Bundesverbandes Mediation 08 00/2 47 36 37 wird auf verschiedene Mediatoren in Deutschland geschaltet, die zur jeweiligen Stunde im ehrenamtlichen Beratungsdienst sind. Wer mich für eine kostenlose Beratung lieber direkt anrufen möchte, kann das auch gern unter der 0 80 62/9 08 40 10 tun.

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Mit welchen Sorgen haben sich Anrufer beispielsweise an die Konflikt-Hotline gewandt?

Monika Knauer-Walter: Mit Konflikten in Ehe und Familie, mit Streitigkeiten in der Nachbarschaft, mit Problemen am Arbeitsplatz und existenziellen Sorgen.

Ist es mit einem Telefonat von 20 oder 30 Minuten dann schon getan?

Monika Knauer-Walter: Wenn wir merken, dass die Menschen weiterführende Hilfen brauchen, leiten wir sie an die entsprechenden Beratungsstellen weiter. Dafür stehen uns alle erforderlichen Kontaktdaten in der Region zur Verfügung.

Können Sie nachvollziehen, dass Eltern oder alleinerziehende Mütter Arbeit und Kinder nicht unter einen Hut bringen?

Monika Knauer-Walter: Das kann ich sehr gut. Als meine jüngste Tochter Rebecca geboren wurde, war Sarah, meine Große, gerade elf Jahre alt. Ich war damals alleinerziehend und kann mich noch gut daran erinnern, dass mich die finanziellen Sorgen und auch die unterschiedlichen Bedürfnisse meiner Kinder oft an einen Punkt gebracht haben, an dem ich nicht mehr weiter wusste.

Wo haben Sie sich damals Hilfe geholt?

Monika Knauer-Walter: Durch mein Studium der Sozialpädagogik und meine Erfahrungen in der Beratung konnte ich mich gut reflektieren und selbst aus den Krisen rausholen. Damals habe ich mich entschlossen, mein Wissen auszubauen, um anderen noch besser zu helfen und habe mit der Mediationsausbildung begonnen. Viele Jahre später bilde ich nun selbst Mediatoren aus.

Gibt es noch andere Möglichkeiten, mit persönlichen Krisensituationen umzugehen?

Monika Knauer-Walter: Der Kontakt zu Tieren kann beruhigend und heilsam sein. Ich persönlich arbeite mit meinen Pferden. Sie machen mich immer darauf aufmerksam, wenn es Zeit ist, mich zu reflektieren. Wenn ich beispielsweise sehr nervös bin, wird auch meine Araberstute nervös. Wird mir das bewusst, atme ich tief durch, und kurz darauf höre ich dann auch sie schnaufen. Pferde reagieren unmittelbarer als Menschen. Deshalb setze ich sie auch sehr gern für meine mediative Arbeit ein, wenn ich mit Worten nicht weiterkomme. Bildlich gesprochen, kann es für die Lösung eines Konflikts zwischen zwei Menschen nicht das „Einmal hü und einmal hott“ geben, sondern nur die Entscheidung für eines von beiden. Die Klarheit zählt.

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