„Hier bleib ich“ – Wallners Landgasthof „Zur Post“ in Ostermünchen eröffnet am 4. Juni neu

Sie wollen im Landgasthof zur Post in Ostermünchen Wurzeln schlagen: Wirt Christian Wallner (links) und sein Lebensgefährte Ian Duncombe, der zur Eröffnung am 4. Juni den Service managt. Gerlach

Der Landgasthof „Zur Pos“t hat einen neuen Wirt. Der Tuntenhausener Christian Wallner hat die Traditionswirtschaft von der Gemeinde gepachtet. Nachdem er alle Hürden der Corona-Pandemie überwunden hat, ist es nun soweit: Am 4. Juni wird Neueröffnung gefeiert – wenn auch unter besonderen Bedingungen.

Tuntenhausen – Der neue Wirt des Landgasthofes „Zur Post“ in Ostermünchen ist ein Glücksfall für die Gemeinde, denn Christian Wallner ist von hier und will bis zu seiner Rente auch hier bleiben.

Der 34-Jährige stammt aus Tuntenhausen und ist ein leidenschaftlicher Koch. Am Donnerstag, 4. Juni, darf er seine Wirtschaft nun endlich eröffnen. Seinen Start in die Selbstständigkeit machte das Corona-Virus ganz besonders hürdenreich.

„Es war schon länger mein Wunsch, mich selbstständig zu machen“, erinnert sich Christian Wallner an die Nachricht, die Ende vergangenen Jahres die Runde machte: Die Wirte des Gasthofes in Ostermünchen gaben auf. Ein neuer Wirt wurde händeringend gesucht. Fast hoffnungslos schien dieses Unterfangen anfangs für die Gemeinde Tuntenhausen, der der Gasthof gehört.

Passgenaue „Vermittlung“

Und doch gab es mehrere Bewerbungen. „Christian Wallner hat uns mit seiner fachlichen Kompetenz und seinen tollen Referenzen überzeugt. Er passt zu unserem Landgasthof in Ostermünchen“, begründet Bürgermeister Georg Weigl die Entscheidung für den Tuntenhausener.

Als angestellter Koch war Wallner zu der Zeit schon im neunten Jahr beim Wirt von Dred, seinem Lehrmeister.

Und so war es für ihn an der Zeit, neue Schritte zu wagen: „Das Angebot kam genau im richtigen Moment. Wir haben uns den Gasthof angeschaut und waren sofort von seiner Lage und dem besonderen Charme eines typisch bayerischen Gasthofes begeistert.“

Christian und sein Lebensgefährte Ian Duncombe (32) – von Beruf Restaurantfachmann und Flugbegleiter bei der Lufthansa – überlegten nicht lang. Schon Ende Januar sagten sie zu. Ende Februar beendete Wallner sein Angestelltenverhältnis.

Der erste Schritt in die Selbstständigkeit – ein Schock

Im März und April wollte er den Gasthof herrichten, um am 1. Mai zu eröffnen. Pünktlich zum Start in die Biergarten- und Hochzeitssaison sollte die „Post“ mit 100 Plätzen in den Gaststuben, 150 Plätzen im Saal und 150 Plätzen im Biergarten wieder mit Leben erfüllt werden.

Doch dann kam Corona. Die Gasthöfe wurden dicht gemacht und keiner konnten ahnen, wann sie überhaupt wieder öffnen würden. Christian stand auf lange Sicht ohne Einnahmen da. Seinen Lebensgefährten traf zeitgleich der Shutdown der Lufthansa. Trotzdem warfen die beiden nicht das Handtuch, sondern legten los. Die komplette Familie Wallner mit den Eltern Jakob und Hilde, Bruder Jakob und Schwägerin Veronika machten ihnen Mut und packten mit an.

Die Gemeinde hatte den Gasthof frisch renoviert, die Wände geweißt, die Holzvertäfelungen wieder im originalgetreuen Braunton gestrichen.

Aus der „Post“ wird Wallners Landgasthof

Die Wallners übernahmen die stilistischen Details. „Wir haben Vorhänge, Sitz- und Dekokissen auf die Farbe des Kachelofens abgestimmt, alles hier im Ort anfertigen lassen“, erklärt Ian, der mit Hilde Wallner die Dekoration des Hauses übernahm.

Im Erdgeschoss finden sich in allen Details Blautöne wieder, im Wintergarten dominieren moderne Farben. Der Saal wurde in dezenten Tönen gestaltet, damit die Deko der Hochzeitsgäste im Vordergrund stehen kann.

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Auch im Außenbereich hat sich viel getan. Hilde Wallner widmete sich den Blumen und Pflanzen. Die Männer ergänzten den Biergarten um eine Holzterrasse, legten Garten und Sandkasten an. „Und wenn Corona vorbei ist, können wir auch die Spielgeräte aufstellen.“

Christian investierte in moderne Küchentechnik, Kassensysteme und neues Geschirr. Und so wurde aus dem Ostermünchener Gasthof „Wallners Landgasthof zur Post“.

Warten auf die Steuernummer

Seit drei Wochen ist alles fertig. Die Tische sind festlich eingedeckt. In den Fenstern brennen die Kerzen. Die Leute rufen an und fragen, ob schon offen sei. Doch Christian Wallner darf noch nicht öffnen. Denn Corona hat sich auch auf die Arbeit der Ämter und Zulieferer ausgewirkt. Erst musste ein Termin für die Abnahme durch das Lebensmittelüberwachungsamt gefunden werden. Dann verzögerte sich die Lieferung des Geschirrs. Und erst wenn Christian Wallner endlich seine Steuernummer bekommen hat, darf er anfangen.

Die Crew freut sich auf den Start

So ging der Mai ins Land. Auch Pfingsten zieht vorüber. „Aber am 4. Juni dürfen wir endlich öffnen“, freut sich der neue Wirt von Ostermünchen. Jetzt kann er endlich auch seinen Mitarbeitern den Start verkünden. Zum Team gehören ein Koch, eine Köchin, eine Service-Chefin und vier Service-Mitarbeiter. „Mir kribbelt es schon in den Fingern“, freut er sich auf die Arbeit in seiner ersten eigenen Küche. Traditionelle bayrische Gerichte wird es bei Chefkoch Wallner geben. Dazu eine saisonal wechselnde Karte.

Bis er wieder fliegen darf, kümmert sich Restaurantfachmann Ian um die Einhaltung der Corona-Vorschriften. „Nur jeder zweite Tisch darf besetzt werden“, erklärt er. Doch in Ostermünchen ist trotzdem ausreichend Platz. Was ihn aber richtig schmerzt, ist eine andere Vorschrift: „Die Gemütlichkeit wird fehlen, denn wir müssen auf Tischdecken, Blumen, Sitz- und Dekokissen verzichten.“

Eröffnung unter Corona-Bedingungen

Wie überall muss auch in der Gastronomie vorerst noch eine Liste mit Namen und Adressen geführt werden. „Deshalb bitten wir darum, dass sich die Gäste telefonisch unter der 0 80 67/8 81 56 00 anmelden, damit wir das bürokratische vorher erledigen können, und der Besuch im Gasthaus entspannt wird“, erklärt Ian Duncombe. Ganz allerdings lässt sich Corona dann doch nicht aus den Gedanken verdrängen, denn überall – außer am Tisch – muss Mundschutz getragen werden.

Neue Heimstatt für Ostermünchener Vereine

Mit dem neuen Gasthof zieht auch wieder Leben in die Ostermünchener Vereine ein. „Wir freuen uns riesig, dass wir wieder einen Wirt haben“, sagt Brigitte Kiemer, die Vorsitzende des Trachtenvereins Almarausch. Und auch wenn die Trachtler in diesem Jahr auf ihr großes Fest verzichten müssen, haben sie nun wenigstens wieder eine Heimstatt und Bühne für gesellige Abende, Theater und viele andere Veranstaltungen.

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