45 Jahre Hüttenreferent

Ein Leben beim DAV: Herbert Vollmayer ist auf der Aiblinger Hütte so gut wie daheim

Herbert Vollmayer von der DAV-Sektion Bad Aibling in seinem „zweiten Wohnzimmer“, der Aiblinger Hütte.
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Herbert Vollmayer von der DAV-Sektion Bad Aibling in seinem „zweiten Wohnzimmer“, der Aiblinger Hütte.
  • vonJohann Baumann
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Wer die DAV-Sektion Bad Aibling kennt, kennt auch Herbert Vollmayer. Seit 60 Jahren ist er Mitglied, seit bald 45 Jahren Hüttenreferent. Klar, dass die Aiblinger Hütte für ihn wie ein zweites Wohnzimmer ist. Wir blicken gemeinsam mit ihm zurück.

Bad Aibling – Vor Kurzem zeichnete die Aiblinger Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) langjährige Mitglieder mit dem Edelweiß-Ehrenzeichen aus. Darunter auch Herbert Vollmayer für seine 60-jährige Mitgliedschaft.

Der 74-Jährige hat bereits in früher Jugend seine Passion für die Bergwelt entwickelt. Mit seinem Bruder übernachtete er schon als junger Bub gerne auf Almen im Heu. Da war es logisch, dass der waschechte Aiblinger nach seiner Schulzeit 1960 mit 14 Jahren in die DAV-Jugendgruppe eintrat, die damals von Ernst Hackhofer geleitet wurde. Im selben Jahr begann er eine Schreinerlehre bei Karl Stolle, der schon damals als Hüttenwart auf der Aiblinger Hütte fungierte.

Betten zusammen mit Meister eingebaut

Es dauerte nicht lange, bis ihn sein Lehrmeister zur Mitarbeit auf der Sektions-Hütte animierte. „Bei meinem ersten Arbeitseinsatz haben wir dort Betten eingebaut“, erzählt er. Nach der Lehrzeit blieb er noch zwei Jahre bei „Meister Stolle“ und legte später mit Erfolg seine Meisterprüfung ab.

Los ging es mit der DAV-Jungmannschaft

Mit 18 Jahren gehörte er dann der von Alfred Baumann geführten DAV-Jungmannschaft an, bei der er auch eine alpine Ausbildung erhielt. Erste Klettertouren unternahm er unter anderem im Wendelstein- und Breitensteingebiet, im Wilden Kaiser und in den Dolomiten. Im Laufe seiner „alpinen Karriere“ bestieg er 35-mal Dreitausender, darunter die Königsspitze, die Dreiherrnspitze, die gesamte Riesenfernergruppe und das Wiesbachhorn. Auch anspruchsvolle Skiabfahrten absolvierte er, wie die Wendelstein-Nordflanke, die Miesingrinne und die Steilabfahrt vom Piz Boe-Gipfel.

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Beim Auswechseln einer Dachrinne an der Hütte in den 1980er Jahren.

Doch Herbert Vollmayer liebt nicht nur die Berge, sondern auch Seen und Meere. Er ist begeisterter Segler und kreuzte unter anderem nicht nur auf dem Chiemsee, sondern vor den Küsten der Türkei, Griechenlands und der Balearen. Ganz „nebenbei“ ist er auch Vorsitzender des Chiemsee-Touring- und Yachtclubs.

Den Löwenanteil seiner Freizeitaktivitäten widmet er freilich der DAV-Sektion und der Aiblinger Hütte.

Seit 1973 ist er Hüttenwart

Seit 1973 ist er dort als Hüttenwart tätig, 1976 wurde er als Nachfolger von Julius Muggli zum Hüttenreferenten gewählt, mit Sitz in der Vorstandschaft. „Als Hüttenwart erwirbt man auch viel Lebenserfahrung im Umgang mit Gästen“, verrät er.

Zünftig ging’s zu bei der Jungmannschaft – hier im Jahr 1966 in der der Kellerbar der Aiblinger Familie Remmelberger mit (von links) mit Akkordeon Hans Hailer (Gast), Hartl Hager, Gerd Melzer, Bertl Weinhart und Herbert Vollmayer (am rechten Bildrand verdeckt Clemens Stechl).

Natürlich blickt er in dieser Funktion auch auf zahlreiche Arbeitseinsätze zurück. So gab es früher nur drei Schlafräume mit insgesamt 36 Plätzen (für Damen, Herren und Jugendliche) sowie vier Notbetten

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im Gang. 1976 wurden über dem Toilettentrakt weitere drei Schlafräume mit 14 Plätzen errichtet. Zudem wurden im Laufe der Jahre eine neue Holzlege und ein Raum für das Dieselaggregat gebaut, die Dachhaut erneuert und das „Martin-Drickl-Stüberl“ und der Schlafraum für den Hüttenwart ausgebaut.

Per Unimog wird die Aiblinger Hütte über Almwege versorgt – das Bild stammt aus den 1980er Jahren.

Dazu kamen Wegebaumaßnahmen und die Errichtung einer Wasserreserve mittels einer Quellfassung sowie einer 400 Meter langen Wasserleitung. Schwierig war oft die Situation im Winter. „Beim Schneechaos im Januar 2019 betrug auf dem Dachfirst die Schneehöhe 1,70 Meter. Mit vielen Helfern haben wir rund 15 Tonnen Schnee abgeschaufelt“, berichtet er.

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Große Sorgen machte er sich nach dem Brandunglück in Schneizlreuth, wo 2015 in einer Unterkunft sechs Personen ums Leben kamen. „Wir haben gleich danach ein Gutachten in Auftrag gegeben und 2016 diverse Brandschutzverbesserungen vorgenommen“, betont der Hüttenreferent. Dazu zählten unter anderem der Einbau neuer Türen und einer Nottreppe sowie die Erneuerung der Elektroleitungen. „Brandschutzrechtlich sind wir aktuell auf dem neuesten Stand“, stellt er fest.

Immer unterwegs.

Vollmayer blickt auch auf viele heitere Erlebnisse zurück. „In den Schlafräumen herrschte früher strenge Geschlechtertrennung, aber das haben wir nicht immer geschafft“, erinnert er sich schmunzelnd.

In Lauerstellung beim Kreischenfangen

Manchmal wurden Hüttengäste aus nichtbayerischen Regionen veralbert, etwa mit dem „Kreischenfangen“ (Kreischen sind Fabeltiere wie die Wolpertinger, Anmerkung der Redaktion), wozu man die Gäste abends mit einer brennenden Kerze und einem Sack bewaffnet unweit der Hütte in Lauer- stellung brachte.

„Ich könnte ein Buch voller Hüttenanekdoten schreiben und das mache ich wahrscheinlich auch“, erklärt Vollmayer am Ende des anregenden Gesprächs mit unserer Zeitung.

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