Heimatmuseum Bad Aibling präsentiert Marbach-Zimmer als besonderer Schatz

Heimatarchiv-Leiter Manfred Schaulies vor dem Renaissance-Halbschrank aus dem Jahr 1629.  Baumann
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Heimatarchiv-Leiter Manfred Schaulies vor dem Renaissance-Halbschrank aus dem Jahr 1629. Baumann

Welche frisch restaurierten Schätze verbergen sich hinter den Gemäuern des Bad Aiblinger Heimatmuseums? Wir werfen kurz vor der Wiedereröffnung am kommenden Wochenende vorab schon einmal einen Blick hinter die Kulissen.

Von Johann Baumann

Bad Aibling – Die Dachsanierung des Heimatmuseums und die Restaurierung zahlreicher Exponate ist abgeschlossen. Ab Samstag, 26. September, wird das Haus für vier Wochenenden wiedereröffnet. Die Besucher können dann jeweils freitags, samstags und sonntags die im ersten Stock ausgestellten Schätze in Augenschein nehmen, bevor das Museum dann für die Zeit der Erarbeitung eines neuen Konzepts wieder schließt.

Zu den Kostbarkeiten dort zählt zweifellos das „Marbach-Zimmer“. Der Leiter des Heimatarchivs, Manfred Schaulies, hat dessen Geschichte festgehalten. Es geht auf die Wirtsfamilie Hafner zurück, die zugleich als Zöllner und Steuereinnehmer (früher Umgelter genannt) in bayerischen Diensten standen.

Geschichte der Familie Hafner

Die Hafner waren eine wohlhabende Familie, die sich ein eigenes Wappen gab und es sich leistete, ihre herausgehobenen Familienmitglieder porträtieren zu lassen. Der erste greifbare Vorfahre der Familie, Hans Hafner, erhielt um 1500 vom bayerischen Herzog die Zollstelle in Kreuth und ist ab 1520 urkundlich als Vagener Tafernwirt und Umgelter für fünf Pfarreien und die Zollstelle an der Feldollinger Brücke belegt. Sein Sohn Wilhelm Hafner (1583-1646) gründete die Marbacher Linie auf der dortigen Tafernwirtschaft. Dessen Söhne waren Christoph (1616-1700), Wirt in Marbach und Georg (1608-1694), Tafernwirt in Vagen. Der letzte männliche Erbe in Vagen, Franz Joseph Hafner (1702-1744), wurde Wirt in Marbach. Die Familienerbstücke (Gemälde, Möbel, Schmuck, Silbergeschirr) wurden um 1730 nach Marbach transferiert..

Beim Ausverkauf zum Zuge gekommen

Der Ausverkauf in deren Tafernwirtschaft in Vagen begann mit dem Erlöschen der Familie Hafner im Mannesstamm. Viel Hausrat kam danach in das Bayerische Nationalmuseum nach München. Auch der 1902 in Bad Aibling gegründete „Historische Verein“ interessierte sich für verschiedene Einrichtungsgegenstände.

Den Gründungsvätern gelang es, 1906 den Ankauf zu realisieren. Angekauft wurden „ein gut erhaltener Renaissance-Schrank, die Renaissance-Kassettendecke, ein Türstock, zehn Ölgemälde (Familienmitglieder aus Vagen und Marbach darstellend) und ein geschnitztes Familienwappen“. Aus Eigenmitteln und Ausgabe von Anteilscheinen wurde der Kaufpreis von 1000 Mark aufgebracht, wovon allein die Decke 500 Mark kostete.

Ihre erste Heimat fanden Decke, Schrank und Gemälde im früheren Heimatmuseum im ersten Stock des „Ratskellers“. Einbau und Instandsetzung erfolgten durch den Aiblinger Schreinermeister Brunauer, die Renovierung der Decke übernahm Malermeister Osendorfer. Seine endgültige Heimat fand das Marbach-Zimmer 1931 im heutigen Heimatmuseum am Wilhelm-Leibl-Platz 2.

Marbach-Zimmer schon damals Prunkstück des Museums

In einem Zeitungsartikel aus dem Jahre 1934 heißt es: „Überrascht schreitet der Besucher durch die Türe von 1638 in das Marbachzimmer, das Prunkstück des Museums. Die kunstvolle Kassettendecke und reichgeschnitzte Möbel, Schrank, Truhe und Bett, Ölgemälde erinnern eindringlich an den Schönheitssinn und Wohlstand …“.

Ähnlich lautet die aktuelle Aussage Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung (hat die Restaurierung bezuschusst): „Die Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen für die Holzkassettendecke der Marbacher Stube verhelfen diesem kunsthandwerklich in hohem Maße wertvollen Ausstattungsstück zu neuem Glanz und lassen die Renaissance-Ausstattung des Raumes in einem anderen Licht erstrahlen. Mit Abschluss der Sanierungsmaßnahmen am Gebäude wird dieser Ausstellungsraum ohne jeden Zweifel die Besucher besonders anziehen.“

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Der Münchener Restaurator Andreas Scheuch hat die aus Nadelholz gefertigte Kassettendecke, die ursprünglich farbig gefasst war, restauriert. Die Brettdecke ist mit kleinteiliger Profilaufteilung im Hauptfeld verziert und mit einem umlaufenden Doppelfries gerahmt. Möglicherweise wurde sie im Zuge der Umsetzung in das Heimatmuseum abgelaugt. Zahlreiche Profilleisten hatten sich gelöst und wurden befestigt.

Von den ursprünglich 45 vorhandenen Zierrosetten waren zum Zeitpunkt der Restaurierung nur noch 29 vorhanden. Die Decke wurde einer Grundreinigung unterzogen, die gelösten Massivholzteile und Profile neu verleimt. Fehlende Profilleisten und Zierrosetten wurden ergänzt und farblich an das angrenzende Umfeld angepasst. Die Holzoberfläche wurde neu eingelassen und der Glanzgrad durch Frottieren der Oberfläche vereinheitlicht.

Die prachtvolle, frisch restaurierte Renaissance-Kassettendecke erstrahlt in neuem Glanz.
Hafner-Familienwappen.

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