Heimat in Gefahr: Tuntenhausener machen mobil gegen Trassenverlauf zum Brennerbasistunnel

Das Ansprechteam der neuen Bürgerinitiative: Franz Oeckl (Stetten), Monika Bartl (Berg), Monika Thurner (Ostermünchen), Hans Baumgartner (Berg) und Margit Kraus (Hohenthann). Nicht im Bild: Stefan Hofbauer und Marcus Strasser (beide Ostermünchen). Im Hintergrund: Einige der Wiesen und Felder, die dem neuen Brennernordzulauf gegebenenfalls zum Opfer fallen werden.
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Das Ansprechteam der neuen Bürgerinitiative: Franz Oeckl (Stetten), Monika Bartl (Berg), Monika Thurner (Ostermünchen), Hans Baumgartner (Berg) und Margit Kraus (Hohenthann). Nicht im Bild: Stefan Hofbauer und Marcus Strasser (beide Ostermünchen). Im Hintergrund: Einige der Wiesen und Felder, die dem neuen Brennernordzulauf gegebenenfalls zum Opfer fallen werden.

Eine Bürgerinitiative gegen den Neubau einer Hochgeschwindigkeitstrasse zum Brennerbasistunnel formiert sich jetzt in Tuntenhausen: Die Natur würde großflächig zerstört, Flächen in gigantischem Ausmaß versiegelt, die bäuerliche Kulturlandschaft zudem verloren gehen, befürchten die Initiatioren.

Tuntenhausen – Für betroffene Anwohner heiße dies, so die Initiatoren Franz Oeckl, Monika Bartl, Monika Thurner, Hans Baumgartner, Margit Kraus, Stefan Hofbauer und Marcus Strasser, oft Enteignungen und (vor allem für die Landwirte) eine Bedrohung ihrer Existenz. Ein derartiges Großprojekt ist, so die Sprecher der BI, auch der zusätzlich zur Bestandsstrecke geplante Neubau einer zweigleisigen Hochgeschwindigkeitstrasse zum Brennerbasistunnel, die in den Ortsteilen Aubenhausen, Brettschleipfen, Ostermünchen, Berg, Stetten und Weiching auch durch die Gemeinde Tuntenhausen führen würde, und von dort weiter durch Aßling und Grafing bis München.

Furcht vor "mehrstöckiger Betonkonstruktion"

„Dieneue Trasse soll es ermöglichen, den überhand nehmenden Lkw-Verkehr über den Brenner von der Straße auf die Schiene zu bringen und so die Umwelt zu entlasten – über eine gigantische, mancherorts mehrstöckige Betonkonstruktion“.

Doch es regen sich Zweifel an der Notwendigkeit dieses Bauvorhabens. Schon seit Jahren formieren sich entlang der geplanten Strecke im Inntal über Rosenheim bis Großkarolinenfeld Bürgerinitiativen gegen den Brennernordzulauf in der geplanten Form. Sie kritisieren den Bau einer Hochgeschwindigkeitstrasse nicht nur als gigantische Umweltzerstörung, sondern auch als unnötig und nicht zielführend, da eine solche Strecke für den langsamen und für die Gleiskonstruktion zu schweren Güterverkehr kaum nutzbar sei. Dieser werde daher zwangsläufig weiter hauptsächlich auf der Bestandsstrecke bleiben.

Bürgerinitiative aus Tuntenhausen plädiert für Alternative

Stattdessen plädieren die Tuntenhausener Gegner für einen intelligenten und modernen Ausbau der zweigleisigen Bestandsstrecke mit modernem Schallschutz und ETCS-Signaltechnologie, die eine dichtere Staffelung der Züge ermögliche. „Auf einer solchen Strecke, wie sie vom Planungsbüro Vieregg-Rössler in einem Gutachten vorgeschlagen wird, könnten bei optimaler Ausnutzung bis zu 396 Züge täglich verkehren – nur ganze vier Züge weniger, als der Brennerbasistunnel bei maximaler Auslastung laut DB dann ohnehin bloß bewältigen kann. Der Güterverkehr könnte so wesentlich billiger und auch ohne einen gigantomanischen Neubau auf die Schiene gebracht werden.“

Bisheriger Widerstand gegen Brennerbasis-Trasse

Obwohl die Gemeinde Tuntenhausen vom Bauvorhaben der DB unmittelbar betroffen sei, sei es unter den Bürgern mit Ausnahme einer Mahnfeueraktion bislang ruhig geblieben. „Der Gemeinderat stimmte in der letzten Legislaturperiode allerdings ohnehin bereits gegen den Neubau der Trasse und für den Ausbau der Bestandsstrecke“, so die BI.

Doch Ende Mai eröffnete die Regierung von Oberbayern nun das Raumordnungsverfahren, bei dem zwischen fünf möglichen neuen Trassenvarianten entschieden werden soll. „Der Ausbau der Bestandsstrecke als Alternative steht dabei gar nicht zur Debatte“, kritisieren die BI-Mitglieder.

Von Regierung schlichtweg ignoriert?

Auch eine einschlägige Petition der Bürgerinitiativen aus dem Inntal mit 30 000 Unterschriften werde von der Regierung schlichtweg ignoriert. „Es bleibt Bürgern, Verbänden und Gemeinden also jetzt nur mehr bis zum 24. Juli Zeit, Einwände gegen dieses Projekt zu formulieren und den Entscheidungsprozess damit zu beeinflussen“, so die BI.

Obwohl sich auch in Tuntenhausen bereits seit Ende Februar konkreterer Widerstand bilde, sei wegen der coronabedingten Einschränkungen erst jetzt eine vom Landratsamt unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln genehmigte kleinere Versammlung zustandegekommen, bei der sich betroffenen Anwohner, interessierte Bürger und etliche Gemeinderäte über die Sicht der Bürgerinitiativen informieren und selbst eine BI gründen konnten.

Tunnel erfordern horrende Kosten

Als Referenten konnte man Sepp Reisinger (zweiter Vorsitzender des Vereins Brennerdialog Rosenheimer Land) und Martin Schmid vom Bürgerforum Inntal gewinnen. Sie erklärten den Zuhörern die bestehenden Interessenslagen, Fakten und Ungereimtheiten des DB-Projekts, die es aus ihrer Sicht gibt. So widerlegten sie unter anderem die oft geäußerte Hoffnung, dass die neue Bahnstrecke hauptsächlich in Tunneln verschwinden wird, mit den horrenden Mehrkosten einer Tunnellösung gegenüber einer oberirdischen Strecke.

Informieren und Einwände sammeln

Die von Hans Baumgartner und Monika Thurner ins Leben gerufene Bürgerinitiative Tuntenhausen-Ostermünchen setzt es sich nun unter dem gegenwärtigen Zeitdruck durch das Raumordnungsverfahren zum Ziel, in den kommenden Wochen möglichst viele Bürger der Gemeinde über das Bauvorhaben der Bahn zu informieren und gegebenenfalls zu Einwänden im Raumordnungsverfahren zu bewegen. Das Thema Brennernordzulauf steht am Donnerstag, 18. Juni, auf der Tagesordnung des Gemeinderats.

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