Zu Hause auf vier Rädern

Georg Weber und Hund Stupsi sind ein eingeschworenes Team bei den Wohnmobil-Reisen, die sie nun zu Reha-Zwecken in die Kurstadt geführt haben. Fotos Bonke
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Georg Weber und Hund Stupsi sind ein eingeschworenes Team bei den Wohnmobil-Reisen, die sie nun zu Reha-Zwecken in die Kurstadt geführt haben.

Bad Aibling - Stellplatz per Navigationsgerät gefunden, Motor abschalten und Campingstühle ausklappen - das ist Devise vieler Urlauber.

Durch das "zu Hause auf vier Rädern" wird für Wohnmobil-Reisende jeder Ort schnell zum Wohnzimmer. Der Stellplatz an der Aiblinger Therme ist so eine beliebte Anlaufstelle für viele. Besonders die Nähe zu den Bergen und die gut funktionierende Versorgung mit Frischwasser und Strom haben es den Campern angetan.

Yorkshire-Terrier Stupsi sitzt unterm blauen Camping-Tisch und schaut sein Herrchen erwartungsvoll an. Georg Weber zögert nicht lange und krault seinen Hund hinterm Ohr, ehe er von den Vorzügen des Camping schwärmt: "Egal an welchen Ort der Welt man mit seinem Wohnmobil hinfährt, man fühlt sich überall so wohl wie in den eigenen vier Wänden."

Weber weiß, wovon er spricht, immerhin ist der Mann mit den kurzen grauen Haaren ein Camper der ersten Stunde. Mit einem VW-Bulli war er 1969 das erste Mal auf Tour. Bis nach Spanien und Skandinavien ist er schon mit seinem hellblau-weißen Gefährt gereist.

Diesmal ist er mit seiner Frau und Stupsi unterwegs. Der Hund begleitet ihn schon seit zehn Jahren, eigentlich gehört er aber seiner Tochter. "Sie kommt uns die nächsten Tage noch besuchen", erzählt Sabine Weber.

Das Ehepaar stammt ursprünglich aus Haar bei München. Georg Weber ist aktuell Reha-Patient in der Schönklinik Bad Aibling. "Ich werde teilstationär behandelt. Also müsste ich jeden Tag zwischen zu Hause und der Klinik pendeln. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich dann locker drei Stunden unterwegs", erklärt er. Aber eine Reha soll ja auch der Erholung dienen. Seit über einer Woche steht der Reha-Patient deshalb nun schon auf dem Stellplatz neben der Therme.

Normalerweise dürfen sich Camper hier maximal drei Tage aufhalten. "Ich bin den Stadtwerken und der Therme sehr dankbar, dass sie mir die Erlaubnis bis zum Reha-Ende ausgestellt haben. Jetzt kann ich mit dem Radl ins Krankenhaus fahren. Wenn es regnet, dann nehme ich den Bus", erzählt Weber.

Kann schlechtes Wetter einem Camper die Laune verderben? Weber lacht: "Das halten meine Frau und ich schon aus. Normalerweise fahren wir viel Rad und gehen spazieren, aber wenn es regnet, dann wird halt gefaulenzt. Wir haben eine gemütliche Sitzbank und einen Fernseher mit allen Kanälen. Was braucht man mehr?"

Doch nicht nur ein Fernseher ist im Inneren des Wohnmobils vorhanden, auch Mikrowelle, Herd, Spüle und ein komplettes Badezimmer warten darauf benutzt zu werden. Die Staufächer aus Holz sind mit einem speziellen Schließ-Mechanismus versehen, damit sie unterm Fahren nicht aufspringen. An den Wänden im Wohn- und Essbereich hängen ein Kruzifix, Bilder von der Familie und eine goldene Uhr. Die Sitzbank ist mit einem blauen Polster überzogen. Sogar blau-weiße Vorhänge schmücken das Fenster.

Im hinteren Bereich des Wohnmobils ist der Schlafbereich. Wer beim Wort Camping an Schlafsäcke denkt, hat hier weit gefehlt. Farblich abgestimmte Baumwoll-Bettwäsche samt Leintuch befindet sich auf dem funktionalen Bett.

Fünf Wohnmobile weiter hat das Ehepaar Christian aus der Nähe von Wien Quartier bezogen. Die beiden befinden sich auf der Durchreise zum Starnberger See und haben zuvor den Rosenheimer Raum abgefahren. Dabei haben sie auch einen Zwischenstopp auf dem Herbstfest gemacht: "Danach haben wir im Stellplatzführer nachgesehen wo es einen schönen Platz gibt und sind hier gelandet."

Das Paar schätzt besonders die Unabhängigkeit, die man beim Campen habe. So sei man an keine Hotels gebunden und könne als "freie Menschen" reisen.

Obwohl die beiden Wiener gerade erst angekommen waren, hatten sie den Webers schon etwas voraus, wie Georg Weber feststellt: "Wir waren noch nicht auf dem Herbstfest. Aber das haben wir fest ins Auge gefasst und vielleicht fahren wir dorthin, wenn uns meine Tochter besuchen kommt."

bok

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