Haltepunkt nicht haltbar

Weil die bestehenden Bahnsteige zu kurz sind, kann künftig kein Meridian mehr in Pfraundorf halten. Foto Reisner
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Weil die bestehenden Bahnsteige zu kurz sind, kann künftig kein Meridian mehr in Pfraundorf halten. Foto Reisner

Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember dieses Jahres wird der Bahnhaltepunkt in Pfraundorf aufgelöst.

Das teilte die Oberste Baubehörde im bayerischen Innenministerium Landrat Wolfgang Berthaler mit. Hintergrund der Entscheidung ist die Tatsache, dass sich Landkreis und Gemeinde nicht mit einer guten Million Euro für die notwendige Verlängerung der Bahnsteige beteiligen wollen (wir berichteten).

Raubling - Auf etwa 2,4 Millionen Euro waren die Kosten für die Errichtung von neuen Bahnsteigen geschätzt worden, die 220 Meter Länge aufweisen. Diese Länge müssten sie haben, damit die Meridian-Züge auch künftig hier halten können. Eine einfache Verlängerung der bestehenden Anlagen ist nicht möglich, da sie nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen entsprechen und eine solche Maßnahme deshalb nicht genehmigungsfähig wäre.

Der Freistaat hatte zuletzt angeboten, dass er sich die Hälfte der Kosten mit der Bahn teilt, den Rest sollten Landkreis und Gemeinde tragen. Dies hatte der Raublinger Gemeinderat in seiner Oktober-Sitzung mit einem einstimmigen Beschluss abgelehnt - auch unter Hinweis darauf, dass die Gemeinde für die Maßnahme mit keinerlei Zuschüssen rechnen kann und derzeit nur etwa 20 Personen täglich in Pfraundorf ein- und aussteigen. Zugleich hatte der Gemeinderat den Wunsch bekräftigt, das Planfeststellungsverfahren für die Auflassung des in der Nähe befindlichen Bahnübergangs in der St.-Nikolaus-Straße wieder aufzunehmen.

Die Überlegung: Wenn beide Maßnahmen Gegenstand eines Verfahrens wären, träfe die Gemeinde nur ein Anteil von etwa einem Drittel der Gesamtkosten, und auch mit Zuschüssen könnte sie rechnen. Somit würde ihr Anteil beim Bau neuer Bahnsteige geringer ausfallen.

Dass in dem negativen Bescheid aus dem Ministerium auf diesen Vorschlag nicht mit einem Wort eingegangen wird, das ärgert Bürgermeister Olaf Kalsperger. "Ich bedauere es, dass wir für die Weiterbedienung des Haltepunktes Pfraundorf keine Lösung finden konnten", heißt es knapp in dem von Hans-Peter Böhner, dem Leiter der Verkehrsabteilung im Ministerium, unterzeichneten Schreiben.

Wenn er zumindest vorerst auch keine Möglichkeit mehr sieht, dass nach dem 14. Dezember weiter Züge in Pfraundorf halten, will der Bürgermeister in dieser Angelegenheit dennoch mit dem Ministerium im Gespräch bleiben. "Wir müssen verhindern, dass die Betriebserlaubnis für den Haltepunkt insgesamt erlischt", definiert Kalsperger sein kurzfristiges Ziel.

Für Brunhilde Rothdauscher, die für Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat sitzt, ist diese Haltung des Rathauschefs nicht nachvollziehbar.

"Ich bin über die Schließung sehr verärgert. Wir brauchen den Haltepunkt unbedingt", sagt Rothdauscher auch mit Hinblick auf die weitere Gewerbeansiedlung in Pfraundorf. Kampflos will sie noch nicht aufgeben. "Ich werde jetzt die Mandatsträger meiner Partei mobilisieren, dann sehen wir weiter."

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