Halloween in Bruckmühl: Kommt Corona mit den Gespenstern?

Die Monster sind los. Am Samstagabend will auch der kleine Torben Schubert wieder „Süßes oder Saures“ rufen. Diesmal allerdings läuft Halloween anders ab.
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Die Monster sind los. Am Samstagabend will auch der kleine Torben Schubert wieder „Süßes oder Saures“ rufen. Diesmal allerdings läuft Halloween anders ab.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Halloween steht vor der Tür. Doch dürfen die kleinen Gespenster angesichts steigender Corona-Infektionen von Haus zu Haus ziehen und um Süßes oder Saures betteln? Auch in Bruckmühl wird darüber heftig diskutiert – vor allem natürlich auf den sozialen Plattformen.

Bruckmühl – „Man sollte den Kindern nicht auch das noch nehmen“, meint Juliane Schubert. Sie griff eine Idee des „Bürgerforums Bruckmühl“ auf: Um das bunte Treiben corona-konform und kontaktlos zu gestalten, erstellte sie eine Online-Karte, auf der sich all jene eintragen können, die am Samstagabend vor ihrem Haus einen „Halloween-Tisch“ aufstellen würden. Inzwischen tummeln sich auf der Karte viele bunte Geister, hinter denen sich die genauen Adressen und dazu noch ein paar Tipps oder „Warnungen“ verbergen.

Quarantäne-Kinder können nicht feiern

Doch die Idee kommt nicht bei allen gut an. „Wo bleibt die Solidarität“, fragt eine Mutter an und verweist auf die Kinder und Jugendlichen, die aufgrund positiver Corona-Fälle in einem Bruckmühler Kindergarten, an der Grundschule in Heufeld oder an der Realschule noch in der 14-tägigen Quarantäne feststecken. Auch Juliane Schubert, deren Sohn Torben gerade seine Quarantäne beendet hat und heute noch einmal einen kurzen Abstecher in seiner Grundschule macht, sieht die gegenwärtige Lage kritisch: „Wir protestieren erfolglos dagegen, dass in der Schule die Klassen für bestimmte Fächer gemischt werden, weil es nicht genügend Lehrer gibt. Und die Kinder sollen am Halloween-Abend nicht einmal auf die Straße dürfen?“

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Gemeinsam mit anderen Eltern möchte die Bruckmühlerin ihren Kindern dieses Erlebnis gönnen. Auch sie stellt einen Halloween-Tisch auf, wird ihn zwischen den räuberischen Besuchen der Monster desinfizieren und wieder neu befüllen. Selbstverständlich kommen nur abgepackte Süßigkeiten auf den Tisch. „Aber es gibt auch noch viele andere Ideen“, zitiert Schubert Anregungen aus dem Forum. So könnten Tüten mit Süßigkeiten an die Zäune gehängt werden. Andere denken an kleine Boxen zum Mitnehmen oder an Leinen, an denen die verpackten Süßigkeiten mit Klammern befestigt werden. Eine Bruckmühler Familie will sich sogar eine Rutsche vor die Tür stellen, damit die Bonbontüten kontaktlos zu den Kindern kommen.

Kontakte auf das Nötigste reduzieren

Bürgermeister Richard Richter sieht in der Aktion „eine wirklich liebe und gut gemeinte Idee“. Trotzdem hat er arge Bedenken: „Gerade in der jetzigen angespannten Situation sollten Kontakte auf das Nötigste beschränkt werden. Mit den Halloween-Tischen werden Orte benannt, zu denen die Kinder dann alle kommen und sich treffen.“ Er befürchtet, dass es sich so noch weniger vermeiden lässt, dass die Kinder in Gruppen um den Block lauffen, an den Häusern klingelten und in Gruppen zusammenstehen.

Kinder und Eltern schützen

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rät von Halloween-Aktionen ab, weil mit diesem Brauch Infektionen schnell weiterverbreitet werden könnten. „Wir sind darum bemüht, Eltern und Kinder zu schützen, ohne altersgerechtes Maß und Ziel aus den Augen zu verlieren. Das ist ein täglicher Balance-Akt“, macht der Bruckmühler Kinderarzt Dr. Michael Strobelt auf den Ernst der Lage aufmerksam. Seiner Meinung nach lasse sich das Treiben in der Halloween-Nacht schlecht regulieren. „Kritisch ist das Zusammenkommen auf engstem Raum. Da wird herumgetollt. Da werden die Köpfe zusammengesteckt. Je jünger die Kinder sind, desto schwieriger wird es, die nötigen Abstandsregeln bei solchen Aktionen verständlich zu machen und durchzusetzen“, benennt er seine Bedenken.

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„Darüber machen wir uns auch Gedanken“, betont Juliane Schubert. Sie und andere Bruckmühler Eltern möchten die Tradition mit ihren Kindern trotzdem pflegen. Anders als sonst. Ohne Klingeln. Ohne Kontakt. Kontrolliert in Begleitung von Mama oder Papa. Auf jeden Fall aber im Gruselkostüm mit integriertem Mund-Nasen-Schutz, an der frischen Luft und auf der Suche nach Süßem oder Saurem.

Viele Familien wollen aber auch zu Hause bleiben, einen Gruselfilm schauen, am Lagerfeuer sitzen oder über die Webcam andere Gespenster treffen. An Halloween in Pandemie-Zeiten scheiden sich im wahrsten Sinne des Wortes die Geister – nicht nur in Bruckmühl.

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