Wie grün soll‘s im Aiblinger Westend werden?

60 Prozent der Dachfläche und zehn Prozent der Fassaden sollen im Bebauungsplangebiet „Südöstlich des Kreisverkehrs Westendstraße“ – hier ein Blick auf einen Teil des Geländes Richtung Münchner Straße – begrünt werden. Außerdem werden mindestens 27 bereits größere Bäume gepflanzt. Arge Steinsailer / Bessing / Brokmeier Architekten

Es ist ein ambitioniertes Vorhaben in Sachen Architektur und Klimaschutz: Großzügige Baumbepflanzung am Boden sowie begrünte Dächer und Fassaden sollen die Neubebauung des „Sport Fischbacher-Areals“ im Aiblinger Westend prägen.

Von Eva Lagler

Bad Aibling– Dass Stadt, Investor „Werndl und Partner“ und Planer für die Neubebauung des „Sport Fischbacher-Areals“ auf viele Bäume, Sträucher, Fassaden- und Dachbegrünung setzen, war bereits Vorgabe. Nun berieten die Kommunalpolitiker, über die Umsetzung – vor allem vor dem Hintergrund des Klimaschutzes.

Grüne Handschrift fürs gesamte Areal

Eine „markante grüne Handschrift“ stellte Peter Rubeck, Landschaftsarchitekt der Planungsgruppe Strasser, in Aussicht. Das bedeutet ihm zufolge unter anderem eine Mindestanzahl von 27 Bäumen, und zwar jeweils bereits mit einem Stammumfang von 35 bis 40 Zentimetern und zweieinhalb bis vier Meter größer als die Mindestanforderungen aus der Baumschutzverordnung.

Mehrkosten zugunsten Qualität

Dies bedeute zwar Mehrkosten, sei aber erforderlich, um eine frühe Wirkung für das Ortsbild und das Klima zu erzielen. Hier setze man unter anderem auf klimaresistente Gehölze, weshalb man auch mit nicht heimischen Bäumen wie Platanen, Robinien und Trompetenbäumen plane.

„Wir sind hier im verdichteten Wohnungs- und Gewerbebau und müssen als Kompensation auch Dach- und Fassaden zur Begrünung nutzen“, so Rubeck hinsichtlich der Erhöhung der Biodiversität, hinsichtlich Wasserhaushalt sowie Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität. Für die Fassadenbegrünung kämen neben Pflanztrögen auch Selbstranker auch Rankhilfen in Frage.

60 Prozent der Dachflächen werden grün

Bei der Dachbegrünung auf 60 Prozent der Flächen drehte sich die Diskussion vor allem um die benötigte Höhe des Aufbaus für das Substrat und die Frage, ob intensiv oder extensiv begrünt werden soll. „Extensiv ist mir zu mager, das ist nicht das Grün, von dem wir gesprochen haben. Ein Teil sollte schon intensiv sein“, meinte Markus Stigloher (CSU). Das bezeichnete Rubeck in Teilen als machbar. Wichtig sei ein sinnvolles Maß. „Wenn Sie großflächig 40 Zentimeter wassergesättigtes Substrat auf dem Dach haben, dann schmeißt Ihnen das komplett die Statik auseinander.“

„Dem Investor auch mal vertrauen“

CSU-Stadtrat Johann Schweiger erkläre: „Die Alternative wäre Blech oder Kies, und das heizt enorm auf. Man muss dem Investor auch mal vertrauen. Die Situation dort verbessert sich um 500 Prozent“, wollte er „die Diskussion mal wieder runterholen“. In seinen Augen reiche ein Substrat mit einer Höhe von 15 bis 20 Zentimetern aus. Wichtig sei schließlich, dass man Starkregen abfangen könne. Eine zu hohe Bepflanzung auf den Dächern hingegen sei weniger sturmsicher.

Auch Photovoltaik kommt aufs Dach

Planer Hubert Steinsailer erklärte zudem, dass die Bepflanzung in den Bereichen, die für den Aufenthalt gedacht seien, bereits in den intensiven Bereich hineingingen. Neben der Begrünung sind auf den Dachflächen dort, wo es möglich ist, auch Photovoltaikanlagen geplant.

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Florian Weber (Bayernpartei) monierte allerdings: „Da wird jetzt so ein Schuhkarton abgerissen und es kommt wieder ein Schachtelbau hin. Jetzt ist es eingeschossig, später dann sechsgeschossig, das ist ein ganz massiver Eingriff und ich bezweifle, ob sich das für das soziale Wohnen, das hier auch vorgesehen ist, eignet.“ Dem widersprach Martina Thalmayr (Grüne): „Ich finde diese Planung sehr ambitioniert. Sie bedeutet eine echte Aufwertung an dieser Stelle.“

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Mit 19:4 Stimmen befürwortete der Stadtrat die Aufstellung des Bebauungsplanes „Südöstlich des Kreisverkehrs Westendstraße“. Ein eventuell künftiger Kreisverkehr im Bereich Westend-, Münchner- und Ebersberger Straße ist, wie berichtet, bei der Planung vorgesehen, auch wenn die Umsetzung aktuell nicht möglich ist.

Fünf und sechs Geschosse erlaubt

Stadtplaner Andreas Jurina (Planungsgruppe Strasser) erklärte noch einmal, dass das Gelände auf Straßenniveau angehoben und eine klare Raumkante zu den Straßen hin geschaffen werde. Die zulässige Wandhöhe bei den fünfgeschossigen Gebäuden liegt bei 16,60 Meter, die der sechsgeschossigen Bebauung im Westen bei 19,70 Metern – wobei nur zehn Prozent der Bebauung sechs Geschosse umfassen dürfen.

25 Prozent Nutzung für Gewerbe

Laut Hubert Steinsailer ist eine gewerbliche Nutzung zu 25 Prozent vorgesehen, der Rest ist Wohnbau, davon zehn Prozent im geförderten Wohnungsbau. Zehn Prozent der Fassaden werden begrünt.

Als Erstes abgerissen wird der alte Bauernhof an der Münchner Straße. Erst wenn die neuen Gebäude dort bezugsfertig sind, geht es im zweiten Bauabschnitt Richtung Westendstraße weiter.

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