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Gelände der ehemaligen Wolldeckenfabrik in Heufeldmühle

18 Menschen verloren beim Brand ihr Zuhause: Jetzt soll auf dem Areal ein moderner Neubau entstehen

Komplett ausgebrannt war die einstige Werkskantine der Wolldeckenfabrik – das Gebäude am Fabrikweg – nach einem Kabelbrand im Dezember.
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Komplett ausgebrannt war die einstige Werkskantine der Wolldeckenfabrik – das Gebäude am Fabrikweg – nach einem Kabelbrand im Dezember.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Aufgrund eines Kabelbrandes im Dezember 2021 ging ein zweigeschossiges Mehrfamilienhaus auf dem Gelände der ehemaligen Wolldeckenfabrik in Flammen auf. 18 Menschen verloren kurz vor Weihnachten ihr Zuhause. Jetzt gibt es neue Pläne für das Gelände. Nicht nur ein modernes Bauensemble soll entstehen, auch beim Verkehr soll sich in dem Areal einiges tun. Das sind die Pläne im Detail.

Bruckmühl – Drei wegweisende Entscheidungen für die Entwicklung der ehemaligen Wolldeckenfabrik in Heufeldmühle hat der Bruckmühler Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung gefällt: Für die im Dezember 2021 abgebrannte ehemalige Werkskantine darf ein Ersatzbau errichtet werden. Der Verkehr soll über einen Kreisel aus dem Gewerbegebiet auf die Gottlob-Weiler-Straße geführt werden.

Die 30er-Zone wird vom Kreisverkehr an der Kindertagesstätte „Löwenzahn“ bis zum Bahnübergang Heufeldmühle ausgedehnt werden. Entsprechend dieser Beschlüsse wird der Bebauungsplan für das Gebiet der ehemaligen Wolldeckenfabrik geändert.

Wegweisende Beschlüsse im Detail

Zwei Tage lang kämpften die Feuerwehren am 8. und 9. Dezember 2021 gegen den Brand im zweigeschossigen Mehrfamilienhaus mit indischem Restaurant am Fabrikweg. 18 Menschen verloren kurz vor Weihnachten ihr Zuhause. Ursache war ein Kabelbrand (wir berichteten). Das Gebäude war einsturzgefährdet, musste abgerissen werden.

Nun haben die Investoren von Werndl & Partner neue Pläne für das Areal geschmiedet. „Der Großvater – das Gebäude Nummer 13 und zugleich der stolzeste Bau der ehemaligen Wolldeckenfabrik – braucht als Pendant einen starken Enkel“, erläuterte Florian Eisner, Geschäftsführer von Werndl & Partner. Großvater und Enkel sollen sich wie Generationen unterscheiden und die für ihre Zeit typischen Merkmale tragen: Deshalb wird dem altehrwürdigen Industriebau aus dem 19. Jahrhundert ein modernes Ensemble in CO2-neutraler Holzbauweise mit Dachbegrünung für Regenwasserrückhaltung und Biodiversität sowie Fassadenbegrünungen gegenübergestellt.

In zwei Gebäuden sollen 18 Wohnungen entstehen. Über das Programm „Einkommensorientierte Förderung“ (EOF) könnte so beispielsweise bezahlbarer Wohnraum für Bruckmühler Familien geschaffen werden. Die Gebäude werden durch einen erdgeschossigen Zwischenbau verbunden, in dem 390 Quadratmeter Fläche für Gewerbe und Gastronomie entstehen. „Wir wollen die alte Buche erhalten, neue Bäume pflanzen und so einen zentralen Platz für Heufeldmühle schaffen“, blickt Eisner in die Zukunft.

Mit dem allgemein steigenden Verkehrsaufkommen sowie den durch neue Wohnbebauung und verstärkte gewerbliche Nutzung der ehemaligen Wolldeckenfabrik steigenden Verkehrszahlen wird auch die Verkehrslärmemission zunehmen. 2035 wird mit etwa 8500 Fahrzeugen am Tag gerechnet, die die Gottlob-Weiler-Straße passieren. Dadurch könnte der Lärmpegel tagsüber 70 Dezibel und nachts 60 Dezibel überschreiten. Das würde vor allem für die alte Wohnbebauung direkt an der Straße bedeuten, dass dort keine gesunden Wohnverhältnisse mehr garantiert werden können.

Wie Großvater und Enkel sollen der Bestandsbau im Gewerbepark 13 (rechts) und der Ersatzbau (links) die für ihre Zeit typischen Merkmale tragen.

Der einstige Biergarten des indischen Restaurants „Safran“ soll nicht mehr hinter, sondern künftig vor dem Gebäude platziert werden. „So können wir den Platz rund um das Kriegerdenkmal beleben“, erklärt der Investor. Da die Firsthöhe des neuen „Enkels“ etwa 16 Meter beträgt, wollen Werndl & Partner ihre Pläne für das Lidl-Gebäude neu überdenken. Der Discounter soll perspektivisch auf jeden Fall vergrößert werden.

Das Wohnen auf dem Dach mit zwölf Dachhäusern – eingebettet in viel Grün – wird allerdings ad acta gelegt. „Damit würden wir eine Konkurrenz zur Bebauung von Großvater und Enkel schaffen und das Gebiet überladen“, erklärt Eisner die architektonischen Überlegungen. Der Marktgemeinderat stimmte dem Ersatzbau des Brandhauses mit 17:4 Stimmen zu.

Wichtig für den neuen Platz sind sichere Querungen für Fußgänger und Radfahrer. Eine Verkehrszählung ergab, dass die meisten Menschen den Fabrikweg im Bereich von Döner-Stand und Lidl parallel zur Gottlob-Weiler-Straße queren. Die Verkehrsplaner von Werndl & Partner hatten drei verschiedene Varianten erarbeitet, wie der Verkehr aus dem Osten und Westen des Gewerbeparks auf die viel befahrene Gottlob-Weiler-Straße geführt werden kann.

In zwei Gebäuden sollen 18 Wohnungen entstehen. Im erdgeschossigen Zwischenbau ist ein neues Restaurant mit Biergarten geplant.

Erstens: So wie bisher – nur ergänzt durch eine querende Fußgängerspur oder eine Querungshilfe. Zweitens: Mit drei Spuren – einer Spur für den Verkehr ins Gewerbegebiet sowie zwei Spuren aus dem Gewerbepark auf die Gottlob-Weiler-Straße für Links- und Rechtsabbieger. Drittens: ein Kreisverkehr mit zwei Querungshilfen. Dieser könnte auch von großen Sattelschleppern oder landwirtschaftlichen Maschinen passiert werden, da die östliche Querungshilfe überfahrbar sein soll.

Der Marktgemeinderat entschied sich mit 12:9 Stimmen für die mit circa 600.000 Euro teuerste Variante – den Kreisel: Auch wenn dadurch die meiste Fläche verbraucht wird, die Parkplätze östlich vom Lidl entfallen und die Einschränkungen für den Ortsteil während der Bauphase am größten sind.

Kreisel frisst die meiste Fläche

Hauptargument für den Kreisverkehr war die größtmögliche Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer sowie weniger Staus durch das Wegfallen der Linksabbieger. Die Staus bei geschlossener Bahnschranke, darin waren sich alle einig, können durch keinerlei verkehrsplanerische Varianten entzurrt werden.

Ein Kreisverkehr soll die Auffahrt auf die Gottlob-Weiler-Straße erleichtern sowie Fußgängern und Radfahrern mehr Sicherheit geben.

Alle drei Entscheidungen machen Änderungen des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes mit Grünordnungsplan für das Gebiet „Ehemalige Wolldeckenfabrik“ erforderlich. Danach wird dieser dem Marktgemeinderat zur Beschlussfassung erneut vorgelegt, ehe er zur Beteiligung der Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange ausgelegt wird.

Tempo-30-Zone für mehr Schallschutz und Sicherheit der Anwohner

Während die neu entstehenden Wohnungen schallschutzgerecht gebaut werden, müssten die Altbauten mit schalldichten Fenstern und Lüftungsanlagen nachgerüstet werden. Da Privateigentümern diese Investitionen nicht auferlegt werden dürfen, machte die Bauverwaltung einen kostenlosen Alternativvorschlag, um das Wohnen aller erträglich zu gestalten: Die Ausweitung der Tempo-30-Zone vom Kindergarten „Löwenzahn“ bis zum Bahnübergang.

+++ Weitere Informationen aus dem Mangfalltal finden Sie hier. +++

„Eine Reduzierung der Geschwindigkeit um 20 Kilometer pro Stunde senkt den Lärmpegel bereits um acht Dezibel“, wertete Florian Eisner das Verkehrsgutachten aus. Zudem würde sich dadurch die Verkehrssicherheit für Anwohner, Fußgänger und Radfahrer erhöhen. Anwohner könnten gefahrloser ein- und ausparken. Einziger Nachteil: „Die Fahrzeit auf dem Streckenabschnitt würde sich damit um etwa 13 Sekunden verlangsamen.“ Gleichzeitig würde aber auch eine höhere Verkehrssicherheit erreicht.

Der Marktgemeinderat stimmte dem Vorschlag mit 19:2 Stimmen zu. Die Verwaltung wird mit Polizei und Straßenverkehrsbehörde nun klären, ob die 30er-Zone umsetzbar ist. Sollte dieser „ordnungspolitische Schallschutz“, wie Bürgermeister Richard Richter betonte, nicht umsetzbar sein, müsse über einen „bautechnischen Schallschutz“ nachgedacht werden. Dann müsste möglicherweise der Straßenbelag abgefräst und durch „Flüsterasphalt“ ersetzt werden.

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