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Ausbau der Karolinenstraße soll im Zeitplan bleiben

Nahwärme für Schulen in Großkarolinenfeld? Pläne stellen Gemeinderat vor einen Konflikt

Ein Häufchen Hackschnitzel liegt in den Händen eines Menschen
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Hackschnitzel für die Schulen? Für den Gemeinderat Großkarolinenfeld durchaus eine Option.
  • VonKatharina Heinz
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Werden die Großkarolinenfelder Schulen in Zukunft mit Nahwärme geheizt? Die benachbarten Privathäuser auch? Und wenn ja, wird die Leitung gleich in der Karolinenstraße verlegt? Dafür müsste deren Sanierung verschoben werden. Doch das will der Gemeinderat nicht.

Großkarolinenfeld – Nahwärme für die Schulen, darüber diskutierte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Die Mittelschule wird laut Bürgermeister Bernd Fessler (parteilos) derzeit mit Pellets geheizt, für Spitzenzeiten gibt es eine Ölheizung. In der Grundschule läuft eine alte Ölheizung, für die kürzlich die Wartungsfirma gekündigt hat. „Wir haben ganz andere Voraussetzungen bei den Energieressourcen als vor einigen Jahren“, so Fessler. Er ist überzeugt: „Heute fährt am besten, wer schnell reagiert“.

Ist Nahwärme eine geeignete Option für die Gemeinde? Antworten erhoffte sich der Gemeinderat durch einen Vortrag der MW Biomasse AG. Beraterin Martina Weber informierte über eine Nahwärmeversorgung mit Hackschnitzeln.

„Hackschnitzel sind der billigste Energieträger“

Die Vorteile liegen für Weber auf der Hand. Das Heizen mit Holz-Hackschnitzeln sorge für Wertschöpfung in der Region. Die MW Biomasse AG als Zusammenschluss der regionalen Land- und Forstwirtschaft vertreibe nur Hackschnitzel aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Da diese kaum globalen Abhängigkeiten unterliegen, seien die Preissteigerungen derzeit moderat – im Gegensatz zu etwa Öl und Gas. „Auf die Kilowattstunde heruntergerechnet sind Hackschnitzel der billigste Energieträger“, so Weber. 

Fessler fragte nach den Kosten und offenbarte dabei das Grundproblem des Vorhabens: Was genau so eine Hackschnitzelheizung insgesamt und auch den Einzelnen kostet, kann man laut Beraterin Weber jetzt noch nicht sagen. Die Wirtschaftlichkeit - und damit der Preis - ergebe sich aus der Investitionssumme sowie der Wärmebelegungsdichte, die sich wiederum aus Wärmebedarf und verlegtem Trassenmeter zusammensetzt. Bevor man entsprechende Daten gesammelt und ausgewertet hat, könne man keine konkreten Aussagen zu den Kosten machen.

Kleiner Umkreis und große Abnehmer

Die Expertin machte aber klar, dass ein kleiner Umkreis mit großen Abnehmern sinnvoll sei. Daher sei der Raum um die beiden Schulen wahrscheinlich gut geeignet. Das Gebiet östlich der Karolinenstraße etwa würde sie aber eher nicht einbeziehen. „Dort haben wir viele einzelne Häuser und lange Wege“, erklärte sie. 

Konkretes Interesse prüfen

Hans Kosek (PLW) hatte einige technische Fragen. Und er fragte nach Erweiterungsmöglichkeiten. Von einem „Bauen von Luftschlössern“ riet Expertin Weber ab. Es sollte schon geprüft werden, wer konkret Interesse hat. Michael Höhensteiger (FW-GBV) wollte wissen, wer die Anlage betreibt. Hier gebe es verschiedene Modelle des Wärme-Contractings, so Weber. Man könne zum Beispiel eine gemeindeeigene Firma gründen. Oder die MW Biomasse AG übernimmt Planung, Bau und Betrieb.

Klaus Höglauer (PLW) fragte nach Beeinträchtigungen für die Anwohner. Weber erklärte, bei einer Ein-Megawatt-Anlage müsse man das Verfahren eines Bundesemmissionsschutzgutachtens durchlaufen. Der Grenzwert beim Lärm wäre dann 45 db – „soviel wie ein Kühlschrank“- und dank mehrgleisiger Filter habe man einen geringeren Feinstaub-Ausstoß als ein herkömmlicher Kaminofen.

Josef Lausch (FW-GBV) gefiel die Idee einer Nahwärmeversorgung. „Wir sollten uns damit beschäftigen – aus Gründen der CO2-Einsparung und aus Kostengründen“, meinte er. Die Karolinenstraße würde er allerdings schon gerne einbeziehen. Da sie ja saniert werden soll, werde sie eh aufgerissen. „Da drängt es sich ja direkt auf, die Anlieger einzubinden“, fand er. 

Lausch stürzt Räte in Konflikt

Sein Vorschlag versetzte das Gremium in einen Entscheidungskonflikt. Denn der Terminplan für den Ausbau der Karolinenstraße ist eng gestrickt. Wie Bauamtsleiter Markus Czaja skizzierte, müsste man die Planungsangebote spätestens am 9. Januar abgeben, um die Straße bis Sommer 2025 realisieren zu können. Wenn man nun im Zuge der Bauarbeiten eine Verlegung von Nahwärmeleitungen einschließen wolle, müsste man das bis dahin einplanen. Laut Fessler wäre dann wohl auch eine europaweite Ausschreibung nötig, um die man derzeit noch herumgekommen sei. 

Gemeinderäte wollen Zeitplan nicht ändern

Ein Nahwärmenetz lasse sich in diesem Bereich aber nur verwirklichen, wenn genug Hausbesitzer mitmachen. Das wiederum erfordere eine Abfrage, die bis 9. Januar kaum durchzuführen ist. „Es müsste jetzt also jemand einen Antrag stellen, dass wir den vorgestellten Zeitplan zum Ausbau der Karolinenstraße so nicht weiterverfolgen“, versuchte Fessler die Situation aufzulösen. Das wollte keiner der Gemeinderäte tun. Die Planungen zum Ausbau der Karolinenstraße laufen also wie vorgesehen weiter – zunächst ohne Einbeziehung von Nahwärme.

Lilo Wallner (CSU) hoffte: „Vielleicht kann man das ja noch nachträglich machen, es ist schließlich nur eine Leitung.“ Ob nur im Bereich der beiden Schulen oder mitsamt Anwohnern der Karolinenstraße: Das Thema „Nahwärme“ will man in Großkarolinenfeld auf alle Fälle weiterverfolgen.

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