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Dana Rudolph-Miller tourt durch die Region

Neue Frisur im alten Postauto: Großkarolinenfelder Friseurin punktet mit mobilem Service

Der „Hairbus“ von Dana Rudolph-Miller (rechts) ist der erste mobile Friseurladen im einem Lieferwagen, der durch den Landkreis fährt.
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Der „Hairbus“ von Dana Rudolph-Miller (rechts) ist der erste mobile Friseurladen im einem Lieferwagen, der durch den Landkreis fährt.
  • Julian Baumeister
    VonJulian Baumeister
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Eine außergewöhnliche Idee: Eine Friseurin aus Großkarolinenfeld hat ein altes Postauto in einen mobilen Friseursalon verwandelt. Der erste in dieser Art über die Landkreisgrenzen hinaus. Die Idee ist aber nicht nur neu, sie ist für viele Menschen auch besonders hilfreich.

Großkarolinenfeld/Bruckmühl/Rosenheim - Claudia Pyttlik steigt eilig in den grauen Lieferwagen, der auf dem Parkplatz der „Mobilen Krankenpflege“ in Rosenheim steht und nimmt auf dem dunklen Lederstuhl Platz. An den Innenwänden des Busses hängen Scheren, Farbbeutel, Shampoos und aufgerollte Handtücher. Neben der Tür am hinteren Ende des Fahrzeugs ist einen halben Meter vom Stuhl entfernt ein kleines Waschbecken befestigt.

Der Fahrerbereich ist durch eine graue Schiebetür abgetrennt. An dieser hängen ein WLAN-Router und ein Zeitschriftenspender. Im vorderen Bereich des Lieferwagens befindet sich eine kleine Sitzecke mit bunten Polstermöbeln und eine Spiegelwand, hinter der die Kasse versteckt ist.

Haarschnitt in der Mittagspause

„Die sind ganz schön lang geworden, ich bin echt überfällig“, sagt die Krankenpflegerin, während ihr ein Umhang aufgelegt wird.

Claudia Pyttlik (Vordergrund) ist bereits zum 3. Mal zum Haareschneiden im „Hairbus“ von Friseurmeisterin Dana Miller-Rudolph.

Viel Zeit hat Krankenpflegerin Pyttlik nicht. In wenigen Minuten ist ihre Mittagspause vorbei und sie muss wieder zu ihren Patienten der Tagespflegeeinrichtung. Claudia Pyttlik ist an diesem Nachmittag die erste Kundin von Dana Rudolph-Miller. Die Friseurmeisterin aus Bruckmühl hat den ersten mobilen „Hairbus“ der Region entwickelt und fährt damit quer durch den Landkreis - um Leuten direkt vor der Haustür in ihrem Bus die Haare zu schneiden.

„Die Idee hatte ich schon lange im Kopf, da es mir auf den Keks gegangen ist, selbstständig zu sein und trotzdem Miete zahlen zu müssen“, erzählt Rudolph-Miller, die seit 22 Jahren einen Friseursalon in Großkarolinenfeld hat. Während sie spricht, dünnt sie Strähne für Strähne die Haare der Krankenpflegerin aus.

Nach langer Recherche und Besichtigungen ähnlicher Busse im Raum München sei im März 2021 „Schwung in die Sache“ gekommen. „Da haben wir den ersten Bus gekauft“, berichtet die Friseurin. Danach haben Rudolph-Miller und ihr Mann den Bus „komplett ausgeschlachtet“ und mit dem Innenausbau begonnen. „Wir haben vorher schon zwei Wohnmobile umgebaut, das hat geholfen.“

Umbau eines alten Postautos

Doch dann der erste Rückschlag: Der Bus steht im Februar kurz vor einem Getriebeschaden. Ihr Mann habe dann kurzerhand ein neues Fahrzeug aus Frankfurt am Main besorgt - einen Lieferwagen der Deutschen Post mit dem früher Pakete ausgefahren wurden. Der Innenausbau begann von vorne.

Der „Hairbus“ war früher ein Fahrzeug der Deutschen Post, mit dem Pakete ausgefahren wurde.

„Am schwierigsten war die Positionierung der Einrichtung im Innenraum, da die ja während der Fahrt sicher verstaut sein muss“, berichtet die Friseurin. Deshalb sei zum Beispiel der Sessel mehrmals neu bestellt und ein- und ausgebaut worden, damit er perfekt passt. Die meisten handwerklichen Arbeiten haben Rudolph-Miller und ihr Mann selbst vorgenommen - alles mit Eigenkapital. Bei spezielleren Dingen wie der Isolierung des Wagens und der Setzung des neuen Außenfensters sei auf die Hilfe eine Spezialfirma zurückgegriffen worden.

Strom und Warmwasser verfügbar

Auf dem Dach des Lieferwagens befindet sich eine Fotovoltaikanlage, die den mobilen Friseurladen in Kombination mit zwei Hochleistungsbatterien mit Strom versorgt. „Das reicht für einen kompletten Tag mit Föhnen, Beleuchtung und sogar Musik“, sagt Rudolph-Miller. Ansonsten benötige der „Hairbus“ keinen zusätzlichen Strom. Sogar für Warmwasser sei gesorgt. „Wir haben sowohl einen Frisch- als auch Abwassertank eingebaut, damit ist auch das Haarewaschen kein Problem.“ Man müsse dazu nicht mal aufstehen, wie in einem herkömmlichen Friseursalon, da der Stuhl einfach zum Waschbecken geschoben werden kann, betont die Friseurin und lacht.

Dann muss Dana Rudolph-Miller ihre Erzählungen unterbrechen. Inzwischen hat die 16-jährige Klara, die spontan nach der Schule vorbeigekommen ist, auf dem Ledersessel Platz genommen. „Nehmen wir das als kürzesten Punkt oder schneiden wir noch mehr weg?“, fragt die Friseurin das Mädchen und hält dabei ein paar Haarsträhnen zwischen den Fingern. Das Mädchen nickt und Rudolph-Miller beginnt, Klaras Pony mit einer speziellen Schere zu schneiden.

Kein Unterschied zu einem „normalen“ Friseursalon

„Man sieht, mir fehlt es an nichts. Alles, was ich im Laden an Ausrüstung habe, habe ich hier auch“, sagt die Bruckmühlerin. Ihr Friseurwerkzeug hat sie in einem rund einen Meter hohen Rollwagen mit mehreren Schubfächern, der normalerweise von Flugbegleitern für die Getränkeausgabe im Flugzeug verwendet wird. Dadurch könne sie den Kunden im „Hairbus“ das gleiche Angebot wie im Friseursalon bieten.

Von Waschbecken über Scheren und Handtüchern. Die Ausrüstung im „Hairbus“ soll genauso gut wie in einem Friseurladen sein.

„Der große Vorteil am Bus: die Flexibilität“, betont Rudolph-Miller. Mittlerweile fahre sie nach terminlicher Vereinbarung neben ihrem festen Standort vor dem Laden in Großkaro vor allem Altenheime und andere Pflegeeinrichtungen im Landkreis an. „Dort können ältere Menschen oder diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, ohne großen Aufwand zu einem Haarschnitt kommen.“ Auch Angehörige oder Pflegekräfte könnten dadurch entlastet werden, dass die Kunden nicht mehr extra in ihren Laden gefahren werden müssten, sagt die Friseurin. Rund 30 Kunden schneide sie pro Station die Haare.

In Zukunft möchte Dana Rudolph-Miller ihr Angebot ausweiten, genaueres will sie aber noch nicht verraten. „Ich habe da noch einiges im Kopf“, sagt sie. Und am liebsten wäre es ihr, wenn sich ihrer Idee einige Kollegen anschließen und bald mehrere „Hairbusse“ durch den Landkreis fahren.

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