Gnadenhof für Katzen: „Katzentraum“ zieht von Sonnenham nach Ried um – So ist der Plan

Katzen haben in ihrem Leben einen festen Platz:Vereinsvorsitzende Renate Holland, Gnadenhofleiterin Irmgard Grünewald und ihre Nachfolgerin Beate Schlesier (von links). Gerlach
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Wenn alles klappt, soll im März der erste Spatenstich für den Gnadenhof in Ried erfolgen. Ein Traum des Vereines ist es, schon das Weihnachtsfest im neuen Domizil zu begehen. Ein anspruchsvolles Ziel, denn erst ein Viertel der Baukosten ist zusammengespart.

Bad Feilnbach / Bruckmühl – „Etwa zwei Millionen Euro wird der Neubau des Gnadenhofes Katzentraum in Ried kosten“, schätzt Vereinsvorsitzende Renate Holland. Ein Viertel davon haben circa 450 Mitglieder sowie zahlreiche Freunde und Unterstützer des Vereins bereits zusammengetragen. Eine unglaubliche Leistung! „Uns stehen unzählig rührige Menschen zur Seite“, lobt Holland das Engagement der Katzenfreunde.

Jeder gibt, so viel er kann

„Jeder gibt, so viel er kann und was er kann.“ Denn nicht nur Geldspenden sind es, die das Baukonto des Vereines füllen, sondern auch die Erlöse aus zahlreichen Flohmärkten. Dafür leisten die Helfer viele kreative Stunden, in denen sie Socken stricken, Holzfiguren gestalten, Kissen nähen oder Marmeladen kochen.

Die Ideen sind genauso vielfältig wie die Motivationen der Helfer: „Eine Unterstützerin unseres Vereins spendete ihr komplettes Urlaubsgeld. Sie verzichtet in diesem Jahr auf ihre Urlaubsreise, damit wir den Katzentraum verwirklichen können“, ist die Vereinsvorsitzende dankbar. Genauso wie für die Spenden von Verstorbenen, deren letzter Wunsch keine Kränze oder Sträuße sind, sondern Spenden für den Katzentraum.

Ab März wird in Ried gebaut

Die Weichen für den Wiederaufbau des alten Bauernhauses in Ried sind gestellt. Nach dem Kauf des Grundstückes, vielen ehrenamtlichen Entrümpelungsaktionen und dem professionellen Abriss des baufälligen Gebäudes soll schon im März der erste Spatenstich für den Neubau erfolgen.

Das alte Bauernhaus in Ried in der Gemeinde Bruckmühl ist schon abgerissen worden.

Obwohl es sich um eine Bebaung im Außenbereich handelt, darf der Verein hier bauen, da es auch für Gnadenhöfe und Tierheime eine landwirtschaftliche Privilegierung gilt.

Damit das Gebäude in diesem Jahr so weit fertig wird, dass der Gnadenhof aus dem alten Domizil in Sonnenham ins neue nach Ried umziehen kann, muss der Verein einen Kredit aufnehmen. Die Zeit drängt, denn für den Margarethenhof in Sonnenham bezahlt der Verein nicht nur Miete, sondern jeden Monat auch eine exorbitant hohe Stromrechnung von 1300 Euro, da dort fast nur mit Strom geheizt werden kann. Dazu kommt die monatliche Kreditrate. „Diese Mehrfachbelastung können wir uns nicht leisten“, so Holland.

Genügend Platz für Tier und Mensch

Das Bauernhaus in Ried wird nach dem originalen Vorbild wieder aufgebaut. Neben den Räumen für die Katzen, Kranken- und Quarantänestationen, Küche und Begegnungsräumen für die vielen Besucher und Helfer sowie Sozialräumen sollen vier Wohnungen für Mitarbeiter entstehen. Bis zum Jahresende müssen die wichtigsten Räume für den Gnadenhof fertig sein sowie zwei Wohnungen für die alte und die neue Leiterin der Einrichtung.

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Seit 13 Jahren führt Irmgard Grünewald den Gnadenhof in Sonnenham. Mit ihren 78 Jahren möchte sie diese Aufgabe nun gern in jüngere Hände übergeben. Ihre Nachfolgerin Beate Schlesier (48) steht ihr in Sonnenham schon zur Seite, hat für die neue Aufgabe einen Sachkundenachweis nach dem Tierschutzgesetz erworben und wird in Ried den Staffelstab übernehmen. „Wir können die Welt nicht verändern, aber das Leben der uns anvertrauten Katzen schon“, sagt sie. „Und unser Katzentraum ist von A bis Z etwas Gutes.“

Ein würdevoller Lebensabend

Im Gnadenhof werden nur Katzen aufgenommen, die keine Aussicht auf Vermittlung mehr haben. „Meist sind sie schon sehr alt und behindert“, erklärt Schlesier. Manche haben eine Pfote eingebüßt, andere sind erblindet oder haben ein Auge verloren, wieder andere wurden missbraucht, misshandelt oder mit Benzin übergossen und sind völlig verstört.

Ein Bauzaun kündigt das neue Vorhaben an: Hier soll ab März das neue Domizil des Gnadenhofes Katzentraum entstehen.

„Wir haben auch Katzen aus sogenannten Qualzuchten, die mit zu kurzen Vorderbeinen geboren wurden oder Katzen aus Innzuchten, die einen gestörten Gleichgewichtssinn haben“, erläutert die Tierschützerin. „Deshalb setzen wir uns für eine Kastrationspflicht ein.“ Allen Tieren soll im Gnadenhof ein würdevoller Lebensabend gegönnt werden. Ihre letzte Ruhe finden sie auf dem Tierfriedhof in Goldau.

54 Katzen unter einem Dach

Derzeit betreut das Team des Katzentraums in Sonnenham 53 Katzen. Sie leben im gesamten Haus an der Seite ihrer Menschen, und dürfen überall dort Platz nehmen, wo es ihnen gefällt, denn „ es ist ihr Haus“, sagt Irmi Grünewald.

Zahlreiche ehrenamtliche Helfer engagieren sich im Gnadenhof. Auch Josefa Wührer gehört dazu. Seitdem die einstige Bahnangestellte in Rente ist, kommt sie zweimal pro Woche nach Sonnenham und betreut zudem die Außenfutterstellen. „Anfangs war es sehr schwer, das Leid dieser Katzen zu ertragen“, erinnert sie sich. Doch mit jedem Tier, das im Gnadenhof gesund gepflegt und aufgepäppelt wurde, gewann für sie auch das Ehrenamt an Bedeutung.

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Vor allem die aufwendigen, täglichen Reinigungsarbeiten im Haus und den Außenanlagen sind es, für die Hilfe gebraucht wird. Aber auch viele Streichler kommen immer wieder in den Gnadenhof.

Ehrenamtliche Hilfe sehr wertvoll

„Unsere Besucher und Helfer kommen aus Schulen, Altenheimen, Behinderteneinrichtungen und Unternehmen“, erklärt Renate Holland. Manche Betriebe geben ihren Mitarbeitern sogar Freistunden für ehrenamtliche Arbeit. „Tanja Pollach, ein Mitglied des Vereins, nimmt oft samstags zwei Stunden Fahrt auf sich, um uns aus Niederbayern Futterspenden zu bringen und hier mit anzupacken.“

Verein ist auf jede Spende angewiesen

Neben der täglichen Arbeit mit den Katzen ist der Verein nun vor allem mit dem Bau des neuen Domizils in Ried gefordert. „Es ist ein Millionenprojekt. Und wir müssen es über Spenden realisieren“, betont die Vereinsvorsitzende. „Wir sind für jede Spende, seien es fünf, zehn oder mehr Euro dankbar.“ Statt Geschenken an Firmenkunden haben in der Vergangenheit Unternehmen bereits die sonst dafür ausgegebene Summe an die Organisation abgegeben oder auch Privatpersonen statt Geburtstagsgeschenken zur Unterstützung des Gnadenhofs aufgerufen (Spenden an Sparkasse Bad Aibling, Stichwort: „Neues Zuhause“ IBAN: DE05 7115 0000 0020 0917 24).

Eine ganz besondere Idee soll nun dabei helfen, weitere Spenden zu bekommen und den Stiftern im neuen Domizil gleichzeitig ein Denkmal zu setzen. „Wir haben mit Keramikerin Beate Eckert eine Fliese entwickelt, die nach den individuellen Wünschen der Spender gestaltet wird“, beschreibt Renate Holland. Mit diesen besonderen Stücken soll das neue Begegnungszentrum im Gnadenhof gefliest werden. Die ersten 50 Fliesen sind schon fertig.

Katzenfreunde sind immer willkommen

An jedem ersten Samstag im Monat – also wieder am 1. Februar – findet in Sonnenham 9, von 13.30 bis 16 Uhr, ein Tag der offenen Tür statt. Wer den Gnadenhof an anderen Tagen besuchen möchte, kann unter Telefon 0 80 64/90 97 26 einen Termin vereinbaren. „Unser Haus steht Katzenfreunden immer offen“, lädt Irmi Grünewald ein.

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