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Bauausschuss diskutiert Projekt

Grünes Licht fürs Moorbadehaus in Bad Aibling?

Am Hotel „Schmelmer Hof“ entsteht ein Moor- und Therapiezentrum. Der Baukörper schließt sich direkt an das Café (linke Ecke des abgebildeten Gebäudekomplexes) an und ist in einem leichten Bogen zur Straße angeordnet.
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Am Hotel „Schmelmer Hof“ entsteht ein Moor- und Therapiezentrum. Der Baukörper schließt sich direkt an das Café (linke Ecke des abgebildeten Gebäudekomplexes) an und ist in einem leichten Bogen zur Straße angeordnet.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Mit den Unstimmigkeiten über nicht genehmigte Bauten im Areal des Hotels „Schmelmer Hof“ geriet auch ein wichtiges Projekt für Bad Aibling ins Wanken: das neue Moor- und Therapiezentrum. Wird es nun gebaut oder nicht? Der Bauausschuss hat darüber beraten.

Bad Aibling – Das Moor- und Therapiezentrum am Hotel „Schmelmer Hof“ ist auf den Weg gebracht. Der Bauausschuss der Stadt Bad Aibling gab dem Bauantrag mit 7:4-Stimmen das gemeindliche Einvernehmen. Zuvor war bereits der Bebauungslan „Östlich der Schwimmbadstraße“ geändert worden, um Baurecht für das Therapiezentrum schaffen zu können. Nächster Schritt im Bauantragsverfahren ist die Baugenehmigung. Diese wird vom Landratsamt Rosenheim erteilt. Danach könnte der Bau beginnen.

Für den Erhalt des Kurbad-Prädikats

Schon seit Jahren bemüht sich Bad Aibling um ein weiteres Moorbadehaus, um das Prädikat „Heilbad“ nicht zu verlieren und Kurort bleiben zu können. Aktuell bietet nur das Kurmittelhaus Egger Moorvollbäder an.

Wurde zwischenzeitlich über ein Moorbadehaus an der Therme diskutiert, rückte die Stadt im August 2019 vom 4,5 Millionen Euro teuren Projekt ab. Im Gespräch mit Hotelbetreibern suchte Kurdirektor Thomas Jahn damals nach einer Alternativlösung. Die fand sich am Hotel „Schmelmer -Hof“: Die Hoteliers-Familie Lindinger erklärte sich bereit, das Millionen-Projekt zu stemmen. „So wird es uns möglich, ein Moorbadehaus mit einem Partner zu bauen und Fördermittel zu erhalten“, erklärt Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) gegenüber dem Mangfall-Boten. Fördermittel gebe es nur für Standorte, an denen bereits früher Moorbäder angeboten wurden. Im Hotel „Schmelmer Hof“ war das der Fall.

Vertragsentwurf für Harthauser Weiher

Im vergangenen Jahr entschied sich der Stadtrat mehrheitlich dafür, das Projekt mit rund 1,8 Millionen Euro zu unterstützen. Darin enthalten sind geplante Fördermittel in Höhe von 730.000 Euro. Diese wurden jetzt bei der Regierung von Oberbayern beantragt. Etwa 1,1 Millionen Euro kommen von der Stadt Baid Aibling. Die geschätzten Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf mindestens 5,2 Millionen Euro. „Das wird bei den steigenden Preisen am Bau vermutlich gar nicht mehr reichen“, macht Karola Lindinger, die Geschäftsführerin des „Schmelmer Hofes“ klar. Den Mammutanteil der Investitionskosten – also mindestens 3,4 Millionen Euro – trägt die Familie Lindinger.

In den vergangenen Wochen kam es zu leichten Verwerfungen zwischen Investor und Stadtrat. Ursache dafür waren zwölf ungenehmigte bauliche Anlagen im Hotel-Areal. „Das sind zwei unterschiedliche Projekte“, betont Bürgermeister Schlier und informiert darüber, dass für die Gestaltung des Bereiches am Harthauser Weiher gerade ein städtebaulicher Vertrag ausgearbeitet werde, um die Interessen der Hoteliers und der Stadt in Einklang zu bringen. Das bestätigte Karola Lindinger. Sie sieht Missverständnisse als Ursache für die temporären Unstimmigkeiten. „Wir sind gerade dabei, sie zu bereinigen“, erklärt sie und betont: „Unser Ziel war und ist es, ein schönes Gesamtkonzept für Bad Aibling anzubieten, und auch der Jugend nach der langen Corona-Zeit aktive Erholung vor Ort zu ermöglichen. Eine Party-Zone oder gar einen Ballermann planen wir definitiv nicht.“

Doch zurück zum Moor- und Therapiezentrum. Die Familie steht weiterhin zu diesem Projekt, denn: „Es ist ein wertvolles Heil- und Therapieangebot für Bad Aibling und wird weitere Gäste in die Stadt ziehen. Davon werden alle profitieren“, betont Karola Lindinger. So sieht es auch der Bürgermeister: „Es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Wir bekommen ein Moorbadehaus zum Tiefstpreis, können Fördermittel abrufen und sind lediglich Ko-Investor. Zugleich wird der Hotelstandort dadurch noch attraktiver.“

Florian Weber (BP) bewertet die Ko-Finanzierung durch die Stadt als „einseitige Bevorzugung eines Wettbewerbers“ und sieht in den „Mooranwendungen“ nur einen Vorwand, um den Neubau zu bekommen. Anita Fuchs (Grüne) befürchtet eine „Eigendynamik“ des Projektes, die „in die falsche Richtung“ gehe. Martina Thalmayr (Grüne) bezeichnete den vorgelegten Bauantrag als „Fällungsplan“, weil für den Baukörper sieben Bäume weichen müssen. Richard Lechner (SPD) erinnerte daran, dass es in der Beratung allein um den Bauantrag gehe, und es unfair sei, darüber zu diskutieren, ob ein Moorheilbad oder eine Wellnessoase entstünden.

Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) machte klar, dass „das Moor- und Therapiezentrum kein Wellnesstempel wird, dass die Stadt „sehr wenig Geld für das ausgibt, was sie bekommt“ und alles dafür getan werden müsse, dass Bad Aibling Moorheilbad bleibe. Bürgermeister Schlier führte die Diskussion wieder zum eigentlichen Thema zurück und damit zu der Frage, ob es zum Bauantrag baurechtliche Bedenken gebe. Die gab es nicht. Der Bauantrag erhielt mit 7:4-Stimmen das gemeindliche Einvernehmen.

Stephan Schlier erläuterte die nächsten Schritte auf dem Weg zum ersten Spatenstich: Dazu gehört eine Vereinbarung zwischen der Familie Lindinger und der Stadt über den Betrieb des Moor- und Therapiezentrums. Darin werde das Moorbadehaus für die nächsten 25 Jahre vertraglich und grundbuchrechtlich gesichert. Erst mit Baugenehmigung und positivem Förderbescheid könne die Feinplanung des Moor- und Therapiezentrums beginnen. Vor der Ausschreibung der Bauleistungen müsse zudem noch geklärt werden, welches Vergabeverfahren erforderlich sei. „Zwar wünschte ich mir einen Baubeginn noch in diesem Jahr, aber realistisch gesehen, rechne ich erst im Frühjahr 2023 damit“, so Schlier.

Hoteliers-Familie Lindinger hält trotz verlustreicher Corona-Jahre an Millionen-Investition fest

Das Moor- und Therapiezentrum soll direkt am Hotel „Schmelmer Hof“ entstehen. Die Hoteliersfamilie Lindinger und die Stadt investieren gemeinsam in das Projekt. „Das Moor- und Therapiezentrum wird an die Salvea GmbH vermietet, die es betreibt“, erklärt Hotel-Geschäftsführerin Karola Lindinger. Dabei handelt es sich um einen bundesweiten Verbund moderner ambulanter Reha-Zentren und Therapiepraxen.

Auf die im Bauausschuss geäußerte Befürchtung angesprochen, dass die Stadt dem Hotel einen Wettbewerbsvorteil verschaffe, erinnert Lindinger daran, dass die Stadt auf der Suche nach Investoren auf die Hoteliers zugekommen sei, und die Familie Lindinger trotz zweier verlustreicher Corona-Jahre bereit sei, Millionen Euro zu investieren, um den Kur-Standort Bad Aibling attraktiver zu machen. „Man darf nicht vergessen, dass diese Investition über Jahre refinanziert werden muss“, betont Lindinger.

Synergien für das Hotel sieht die Geschäftsführerin weniger in den Mooranwendungen oder Therapien als vielmehr in möglichen Übernachtungsgästen oder Restaurantbesuchern. Die Salvea GmbH dürfe für das Therapiezentrum auch das Hotel-Schwimmbad mit benutzen. Vorteile vom neuen Moor- und Therapiezentrum ergeben sich ihrer Meinung nach vor allem für die Bad Aiblinger, die Stadt und ihre Kliniken. Die Schön-Klinik habe signalisiert, wie wertvoll dieses Angebot sei.

Der Baukörper wird auf der großen Wiese direkt neben dem Café des Hotels errichtet. Bäume, die dafür gefällt werden müssen, würden im weitläufigen Hotel-Areal neu gepflanzt, versichert Karola Lindinger.

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