Sängerinnen aus der Region

Geschwister Kolb aus Wiechs singen alles von Metallica bis zu den Kastelruther Spatzen

Regina (links) und Franziska Kolb lachen gern.  Janka
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Regina (links) und Franziska Kolb lachen gern. Janka
  • vonRainer W. Janka
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Man kennt sie in der Region vor allem als Sängerinnen. Doch Franziska (27) und Regina Kolb (25) aus Wiechs (Gemeinde Bad Feilnbach) haben noch so viel mehr Talente, wie unser Besuch in Reginas Harfen- und Geigenbauwerkstatt in Derndorf zeigt.

Von Rainer W. Janka

Bad Feilnbach – Die Harfen- und Geigenbau-Werkstatt von Franziska Kolb (27) in Derndorf in der Gemeinde Bad Feilnbach kann man nicht verfehlen: Davor steht aus Holz eine Plastik, die eine Harfe, Geigen und einen Kontrabass in sich vereinigt. Drinnen atmet alles Holz, überall liegen Bretter, die zugeschnitten werden müssen, die Harfen stehen wie zur Parade in einer Reihe. An einer Wand hängen die saitenlosen Geigen, die auf ihre Reparatur warten. Davor thront die Werkbank.

Lieber auf Englisch als auf Hochdeutsch

Mitten in diesem von viel Arbeit zeugendem Raum sitzen Franziska und ihre Schwester Regina (25), gekleidet in von Regina genähte Dirndlgwander, und erzählen. Beide sind lebhafte, der Heimat verhaftete bayerische Mädchen und sprechen ein herzhaftes, unverfälschtes Bairisch. So unverfälscht, dass sie im Norden Deutschlands kaum verstanden werden: „Ein Düsseldorfer hat meinen Dialekt und auch mein bairisch gefärbtes Deutsch net verstanden, dann ham mir uns auf Englisch unterhalten“, berichtet Franziska immer noch erstaunt. „Im Gymnasium in der fünften Klasse haben alle mit mir Boarisch gredt, untereinander aber Hochdeutsch“, erzählt Regina.

Keine Hochzeiten, keine Adventssingen

Normalerweise wären beide zuletzt von Adventssingen zu Adventssingen geeilt, für 13 davon waren sie gebucht, jüngst erst haben sie die Messe zum Stiftungsfest des Katholischen Akademikerzirkels Rosenheim musikalisch verschönt. Außerdem hätten sie im vergangenen Jahr 22 Hochzeiten musikalisch verschönt, mit Klavier, Geige und Gesang, wobei sie da alles singen, „von Metallica bis zu den Kastelruther Spatzen“, lacht Franziska.

Auch die Eltern sind kulturell aktiv

Gesungen und musiziert haben sie schon immer: Die Mutter, Barbara Kolb, hat sie zur Musik gebracht, sie hat Orgel gelernt und leitet den Kirchenchor von Bad Feilnbach. Der Vater, Sebastian Kolb, ist eher der literarische Typ, er schreibt Theaterstücke für den Wilhelm-Köhler-Verlag. Franziska hat selber einen fast 40-köpfigen Projektchor, mit dem sie normalerweise für Ostern und Weihnachten probt.

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Von Heidi Hauser, der bekannten Chorleiterin in Kolbermoor, die auch in Wiechs wohnt, wurden die Schwestern zeitweise unterrichtet. Das meiste haben sie sich aber selber beigebracht. Der Operngesang hätte sie gereizt. Ihr bis heute unerreichtes Ziel war das Brief-Duett aus Mozarts „Figaros Hochzeit“. Aber sie sind dann doch „bei der boarischen Singerei hängabliebm“, wie Franziska konstatiert. „Wenn man sich intensiv damit beschäftigt, bringt man sich selber viel bei“, erklärt Regina, „wenn man Lieder nachsingt und merkt, was zur eigenen Stimmlage passt.“

Franziska hat Geige und Harfe gelernt, Regina Klavier und Kontrabass – weil es im Trachtenverein nicht erlaubt war, als Mädchen ein Blasinstrument zu spielen. Im musischen Ignaz-Günther-Gymnasium konnten sie sich musikalisch austoben, sowohl im großen Sinfonie-Orchester als auch in der Volksmusik-Gruppe, den „Rosenheimer Silberschnecken“.

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Nach dem Abitur wollte Franziska eigentlich Restaurateurin werden, hat aber dann in der Geigenbauschule Mittenwald eine Ausbildung zum Streichinstrumentenmacher gemacht – auf Initiative der Mutter. Einfach war das nicht, sagt sie: „Von 120 Bewerbern wurden 40 zur Aufnahmeprüfung eingeladen, zwölf wurden genommen und von denen haben sieben die Ausbildung abgeschlossen. Erst im Nachhinein hab ich das Glück begriffen, da dabei gewesen zu sein – und bin einfach nur unendlich dankbar.“

Als Harfenbauerin erfolgreich

Die Faszination für die Harfe hatte Franziska schon immer. Für Harfenbau gibt es aber keinen offiziellen Ausbildungsberuf, der ist 1964 abgeschafft worden. „Ich bin dann zu einem Tiroler Altmeister gekommen“, erzählt Franziska, „da hab ich immer in meinen Ferien mitgewerkelt.“ Seitdem baut sie auch Harfen und ist damit erfolgreich. Sie arbeitet mit zwei, drei Universitäten in Wien zusammen, „da war ich als Gastreferentin für Pedalharfen und hab meine Instrumente vorgestellt.“

Praktikum an der Staatsoper

Regina hat immer schon genäht, schon ihr Firmungsgwand hat sie sich selber umgenäht. In der siebten Gymnasialklasse hat sie ein Praktikum bei der Firma Stoff Reich in Rosenheim gemacht. „Dann hab ich mich um ein Praktikum bei der Bayerischen Staatsoper beworben, weil i mir denkt hab, wenn i mir scho so vui Dirndlgwander gnaht hab: klassische Schneiderei i scho vui intressanter. Des is dann guat ganga.“

Über die Bundswehr zur Meisterschule

Sie durfte sich für die Ausbildung bewerben, wurde genommen, hat ihre Ausbildung als Gesellin der Gewandschneiderei beendet, hat dann ein Jahr in der „Fetzenkammer“ der Bundeswehr in Bad Reichenhall gearbeitet und macht jetzt mit einem Berufsförderstipendium die Meisterschule in München.

Wenn sie dann Meisterin ist, würde sie am liebsten wieder an einem Theater arbeiten – nach der Corona-Pandemie. Dann können beide auch wieder nach Herzenslust gemeinsam singen und musizieren, auch wieder bei Hochzeiten – alles von Metallica bis zu den Kastelruther Spatzen.

Die Geschichte der Geschwister Kolb

Geboren sind Franziska und Regina Kolb in Bad Aibling, aufgewachsen in Wiechs, dem hübschen Dorf mit der kleinen, ebenso hübschen Kirche St. Laurentius und Sixtus. Eine herrliche Kindheit hatten sie: Das ganze Dorf war ihr Spielplatz. „Mir ham alle Freiheiten gehabt“, erzählt Franziska, „die Onkel und Tanten ham Roß und Kiah ghabt, und an Kirta a Kirtahutschn, im Winter ham mir immer aus den Dennabruckn a Eisbahn gmacht, außerdem ham ma Ski gsprunga.“ An Kirta haben sie immer „oans, zwoa, drei, Scheitel“ gespielt, ein Versteckspiel, bei dem ein Dreibein aus Holzscheiteln eine große Rolle spielt. Die Grundschulen haben sie in Litzldorf und Bad Feilnbach besucht. Dann gingen beide aufs Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim, wo sie auch das Abitur abgelegt haben.

Preise für die erfolgreiche Musikerinnen

2015 haben sie mit dem „Laurenzi-Dreigsang“, zusammen mit Christoph Bauer, den Traunsteiner Lindl gewonnen. 2018 gewannen sie den renommierten Innsbrucker Herma-Haselsteiner-Preis, diesmal als „Zeitlang Gsang“ mit dem Tenor Markus Kratzer aus dem Salzburger Pongau. Von der Anmeldung bis zum Auftritt waren es nur zwei Wochen mit acht Proben. Am Auftrittstag hatten sie um halb neun in der Früh ihr Wertungssingen gehabt. „Mir han um Fünfe aufgstanden, ham warmes Wasser gegurgelt und in den noch leeren Hallen gsunga: Aber es war echt guat!“, erinnert sich Franziska.

Gut gesucht und gebucht

153 Gruppen in acht Kategorien haben mitgemacht – und sie haben den Preis in einer extra für sie ausgerufenen Sonderkategorie bekommen. „Wenn ma uns da net kennt hat, hat ma uns jetzt danach kennt“, sagt Franziska, noch immer stolz. Sie sind gesucht und gut gebucht als Volksmusikerinnen – wären gut gebucht, wenn nicht die Corona-Pandemie herrschte.

Die ganze Familie beim legendären „Laurenzi-Spiel“

2015 hat die Dorfgemeinschaft Wiechs zusammen mit dem Bad Feilnbacher Edelweiß-Theater für das „Laurenzi-Spiel“ den Kultursonderpreis des Landkreises Rosenheim erhalten. Bei dem Heiligenspiel, das auf der Freilichtbühne vor der Laurentius-Kirche gespielt wurde, standen zwei Drittel aller 217 Einwohner des Ortes auf der Bühne – auch Franziska und Regina. Deren Eltern haben das Stück geschrieben. Es beschäftigt sich mit dem Umgang mit Kriegsflüchtlingen und Andersgläubigen und spielt zu Zeiten des römischen Kaisers Valerian, als die römische Christengemeinde Flüchtlingen half und von den Herrschenden ausgegrenzt, diffamiert und verfolgt wurde.

Auch Christian Springer war begeistert

Passend dazu spendete die Dorfgemeinschaft den Erlös aus Eintritten und Spenden in Höhe von über 21 000 Euro an die „Orienthelfer“ von Christian Springer, der überwältigt war vom großen Engagement eines kleinen Dorfes.

„Regina hat sich selbst gespielt, als Tochter“, erinnert sich Franziska lachend. „Rahmenhandlung war, dass ich meine Facharbeit schreibe“, berichtet Regina, „ich bin immer g‘sprungen zwischen Theater spielen, Musik machen und singen.“

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