Junges Wohnprojekt

Generationsübergreifende Lebensgemeinschaft: Erstes Weihnachtsfest in der „Oase Thalham“

Die beiden Gebäude der Wohnanlage „Oase Thalham“ umfassen zehn Wohnungen unterschiedlicher Größe und Gemeinschaftsräume für die Mieter zwischen zwei und 72 Jahren.
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Die beiden Gebäude der Wohnanlage „Oase Thalham“ umfassen zehn Wohnungen unterschiedlicher Größe und Gemeinschaftsräume für die Mieter zwischen zwei und 72 Jahren.
  • vonJohann Baumann
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Ihr erstes gemeinsames Weihnachtsfest feiern in diesem Jahr die Mieter der „Oase Thalham“ – das sind 17 Erwachsene im Alter von 36 bis 72 Jahren und zwei Kinder mit zwei und fünf Jahren. Erst im Herbst sind sie in ihr neues, ganz besonderes Zuhause eingezogen.

Bruckmühl – Erst im Herbst wurde im generationsübergreifenden Wohnprojekt im Bruckmühler Ortsteil Thalham Einzug gefeiert. In nur einem Jahr Bauzeit sind hier zehn Wohnungen in zwei modernen Holzhäusern (Standard KFW 55) entstanden. Die Genossenschaft „Oase Thalham eG“ hat 2,3 Millionen Euro in die Wohnanlage am unteren Bruckfeld investiert.

Gemeinsam sinnerfüllt leben

Die „Oase“ ist jedoch weitaus mehr als eine Wohnanlage, und auch der „Mehr-Generationen-Status“ bildet hier nicht den absoluten Projekt-Schwerpunkt. Es handelt sich vielmehr um ein Wohnprojekt für Menschen unterschiedlichen Alters, die in Individualität und Gemeinschaft miteinander sinnerfüllt leben und sich gegenseitig unterstützen möchten. Damit will die „Oase Thalham“ Beispiel sein für neue Lebensformen, die künftig an Bedeutung gewinnen werden.

Neu gelebte Nachbarschaft

Das Wirken der Lebensgemeinschaft über die „Oase“ hinaus im Sinne von neu gelebten Nachbarschaften und sich daraus entwickelnden sozial, ökologisch und kulturell geprägten Netzwerken ist gewünscht und geplant. Damit soll ein wichtiger Beitrag gegen Vereinsamung von Menschen geleistet werden.

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Erst ab September sind die Mieter in ihre Thalhamer Oase eingezogen und erleben nun ihr erstes gemeinsames Weihnachtsfest. Jede Wohnung bietet den Bewohnern ihren individuellen Bereich mit Küche, Wohnzimmer, Bad, Terrasse oder Balkon. Der Lärm der Waschmaschinen wurde aus den Wohnungen verbannt. Sie befinden sich in den beiden Waschräumen der Häuser. In der Energiezentrale steht ein gasbeheiztes Blockheizkraftwerk, das zusammen mit einer PV-Anlage eine nahezu autarke Energieversorgung garantiert.

Gemeinsamer Konsens wichtig

Den Mittelpunkt der Wohnanlage bilden die Gemeinschaftsräume, die allen Bewohnern zur Verfügung stehen. Dort können die Mieter in „unterschiedlicher freiwilliger Besetzung“ ihre Freizeit verbringen. Dort finden die wöchentlichen Organisationstreffen und unter Einhaltung der Corona-Regularien auch gemeinsame Aktivitäten wie Yoga, Singen oder Schafkopfen statt. In einem Werkraum kann gebastelt oder gewerkelt werden, und einmal wöchentlich wird in der Gemeinschaftsküche für alle gekocht.

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In Gesprächsrunden werden alle Dinge besprochen, natürlich auch eventuelle Differenzen. „Diese dürfen sich nicht hochschaukeln, unsere Kreiskultur wirkt wie Zähneputzen für die Gruppenhygiene“, erläutert Hilde Krasovi, die stellvertretende Vorsitzende der Genossenschaft „Oase Thalham“. Ziel ist ein gemeinsamer, tragfähiger Konsens. Alle Entscheidungen – wie die Gestaltung von Aktivitäten, die Vergabe von Handwerkeraufträgen oder auch die Auswahl von Mietern – werden gemeinsam getragen, so das Gründungsmitglied, denn: „Wir empfinden uns als Lebensgemeinschaft.“

Vorgeschlagen für den Ehrenamtspreis

Hohes Lob für das Projekt kam wiederholt auch von Bürgermeister Richard Richter, der bei seinem „Antrittsbesuch“ der Thalhamer Oase kürzlich ein „gutes Konzept, schöne Häuser und ein wirklich überragendes Ergebnis“ attestierte. Ähnlich wie bei einem Marathonlauf würden solche Projekte oftmals unterwegs scheitern. Umso mehr Respekt zolle er der jahrelangen Ausdauer der Oase Thalham. „Das Projekt soll auch in die Nachbarschaft und die Gemeinde ausstrahlen“, betonte der Vorsitzende Georg Röhrmoser, der sich beim Rathaus-Chef auch für die Unterstützung der Marktgemeinde bedankte.

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Diese hat das „Gemeinschaftliche Lebens- und Wohnprojekt Oase Thalham eG“ übrigens für den bayerischen Ehrenamtspreis 2021 in der Kategorie „Wir gestalten vor Ort“ vorgeschlagen. „Dieses Projekt ist einzigartig im Landkreis Rosenheim und soll ein tolles und nachahmenswertes Beispiel für eine neue Wohnform sein, die in der heutigen Zeit einer zunehmenden Vereinsamung der Menschen entgegensteuert“, heißt es im gemeindlichen Bewerbungsschreiben.

Die Oase Thalham eG

Die Idee zu diesem Projekt hatten die Schwestern Marille Röhrmoser und Josefine Eder bereits im Jahr 2010. Auf dem elterlichen Grundstück, das ein Wohnhaus und eine Schreinerei mit Nebengebäude umfasste, wollten sie neuen Wohnraum schaffen.

Ihre Gemeinschaftsräume zeigen der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Kaa und Genossenschafts-Vorsitzender Georg Röhrmoser dem Bürgermeister (von links).

Sie entschieden sich dabei bewusst gegen den Verkauf an einen Bauträger, denn sie wollten ein Projekt umsetzen, in dem Alt und Jung gemeinschaftlich leben und wohnen. 2015 gründeten sie gemeinsam mit sieben Frauen und vier Männern die „Oase Thalham eG“ – eine eingetragene Genossenschaft unter dem Dach des Verbandes der Wohnungsbaugenossenschaften in Bayern.

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43 Mitglieder hat die Genossenschaft im Moment. Neue sind jederzeit willkommen. Voraussetzung, um Mitglied der Genossenschaft zu werden, ist die Zeichnung eines Anteils von 1000 Euro plus 100 Euro Verwaltungsgebühr. Die Mitglieder und Vorsitzenden der Genossenschaft sind ehrenamtlich und mit großem Engagement tätig. 2016 wurde mit den Planungen und 2019 mit dem Bau begonnen. Im Herbst dieses Jahres waren die Wohnungen bezugsfertig.

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