Geköpftes Reh im Garten entdeckt – War’s ein Hund, ein Fuchs oder gar ein Wolf?

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Ein furchtbarer Anblick: Das Rehkitz im Oberholzhamer Garten – gerissen und kopflos.
  • vonKathrin Gerlach
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Einen schaurigen Fund machte jetzt ein Ehepaar aus Oberholzham. In ihrem Garten lag ein totes Reh – ohne Kopf und mit großen Bisswunden. War es der Fuchs, ein Jagdhund oder ist etwa der Wolf schon im Markt Bruckmühl angekommen?

Bruckmühl – Mitten in der Nacht werden die Beiden aus dem Schlaf gerissen. Ihr Hund schlägt an, lässt sich kaum beruhigen. Am nächsten Morgen dann der Schock: In ihrem Garten liegt ein gerissenes Rehkitz.

Sie rufen Dr. Artur Zimmermann zu Hilfe, den Pächter des Jagdrevieres Holzham eins. Er untersucht das Tier. Sein Befund: „Vollständige Abtrennung des Kopfes, massive Bissspuren an der linken Hinter- und Vorderkeule sowie im Bereich des Brustkorbes.“ Neben dem Kadaver des Kitzes findet er die „abgesetzte Losung“ – also den Kot – des Übeltäters. Darin befinden sich Knochen.

Ist der Wolf etwa schon in Bruckmühl?

Ist etwa der Wolf schon im Revier? „Nein, das glaube ich nicht“, beruhigt Josef Hoheneder, Berufsjäger aus Brannenburg. „Der hätte mehr gefressen.“ Der Experte tippt auf einen Fuchs. „Dass Träger und Kopf fehlen, ist typisch für einen Fuchs. Seine hinteren Backenzähne greifen wie eine Schere aufeinander. Damit schneidet er den Kopf am Hals ab, nimmt ihn mit und vergräbt ihn“, weiß Hoheneder aus Erfahrung.

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„Normalerweise ist eine Geiß immer in Rufnähe ihres Kitzes“, erklärt Jäger Zimmermann. Doch gerade beginnt die Brunftzeit der Rehe. Jetzt treiben liebestolle Böcke die Geißen durch Wald und Felder. Das Kitz könnte also allein gewesen sein.

Doch die Jäger im Holzhamer Revier glauben nicht wirklich an einen Fuchs. Sie haben einen anderen Verdacht: einen freilaufenden Jagdhund der Rasse Magyar Vizsla aus der Nachbarschaft. Immer wieder gab es mit ihm Probleme.

„Grundsätzlich könnte ein Jagdhund ein Tier reißen, wenn er nicht zurückgehalten würde“, erklärt Hoheneder. Doch dass ein Hund mitten in der Nacht allein unterwegs ist, hält er für sehr unwahrscheinlich.

Eine Analyse der der „Losung“, um den Täter „Hund“ zu ermitteln, sei für ihn „a Schmarrn“. Denn auch der Kot von Wildtieren enthalte Knochen. „Und ein Fuchs ist durchaus in der Lage dazu, ein Rehkitz zu packen und derartig zu verletzen.“

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Die Holzhamer Jäger wenden sich an die Marktgemeinde Bruckmühl, fragen nach, ob nicht wenigstens eine Maulkorb-Pflicht angeordnet werden könne, denn: „Es ist zu befürchten, dass ein Baby im Kinderwagen oder auf einer Decke im Garten von diesem Hund angefallen wird. Es ist kleiner und hilfloser als ein Rehkitz.“

Dies ist aber rechtlich nur bei einem auffälligen und angezeigten Hund sowie nach der Kontrolle durch die Polizei möglich. In Bruckmühl gibt es außerdem keine Satzung, die eine generelle Leinenpflicht vorschreibt. „Überdies kann ein Maulkorbzwang nur bei Auffälligkeiten und Sicherheitsbedenken wie bei Kampfhunden beispielsweise oder einem bissigen Hunden verordnet werden“, erklärt Jana Söhnel vom Ordnungsamt. Sie geht den Sorgen der Holzhamer Jäger nach, fragt den verdächtigten Hundehalter. Ihr wird versichert, dass der Hund nachts immer im Haus sei.

Gewissheit könnte ein DNA-Test bringen

Wer also hat das Rehkitz in Oberholzham gerissen? Der Garten der Familie ist zu Weide und Wald hin offen. „Wir beobachten hier oft Rehe, aber auch Füchse“, berichten sie und ärgern sich, dass sie den Kot nicht aufgehoben haben, um prüfen zu lassen, von welchem Tier er ist.

„Hundertprozentige Sicherheit hat man nur, wenn man die DNA kennt“, bestätigt Hoheneder. Und Jana Söhnel erklärt: „Normalerweise muss man einen solchen Fall bei der Polizei anzeigen. Die veranlasst dann, dass der Tierkadaver im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheimuntersucht wird.“

Das Rätsel von Oberholzham bleibt ungelöst. Doch das Ehepaar hatte den Kadaver bereits entsorgt. Die Familie will nun Wildkameras aufstellen, um genau zu wissen, wer des Nachts in ihrem Garten sein Unwesen treibt.

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