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Martina und Jürgen Lenzbauer sagen danke

Gasthaus Sebastianibräu ist Geschichte: Darum schließt die Traditionswirtschaft im Herzen Bad Aiblings

Abschied vom Sebastianibräu nehmen die Wirte Martina und Jürgen Lenzbauer.
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Abschied vom Sebastianibräu nehmen die Wirte Martina und Jürgen Lenzbauer.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Das Gasthaus Sebastianibräu wie es die Bad Aiblinger kennen, ist Geschichte. Am Sonntagabend, 13. März, schloss die Traditionswirtschaft am Marienplatz für immer ihre Pforten. Was die Wirtsleute Martina und Jürgen Lenzbauer jetzt vorhaben.

Bad Aibling – Am Dienstag, 15. März, wird die Küche ausgebaut. Am Donnerstag, 17. März, werden die Möbel abgeholt. Bis zum 31. März muss das Restaurant komplett leergeräumt sein. Im April soll der Abriss des Gebäudekomplexes beginnen.

Kehraus am Sonntagnachmittag: Am 13. März war die Wirtschaft im Herzen der Stadt ein letztes Mal geöffnet. Im April wird sie abgerissen.

Stammgäste waren wie Familile

Nach 20 Jahren verabschieden sich die Wirtsleute Martina und Jürgen Lenzbauer mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ihre Gäste werden ihnen fehlen – die Aiblinger und auch die Urlauber, die bei jeder Reise in den Süden bei ihnen vorbeischauten. Vermissen werden sie auch die Sonntage mit dem ofenfrischen Krustenbraten oder das Faschingstreiben an den unsinnigen Donnerstagen.

Doch vor allem der Abschied von ihren 60 Stammgästen fällt schwer – von Menschen, die ihnen ans Herz gewachsen sind, deren Geschichten sie kennen, mit denen sie weinen und lachen konnten, die zur Familie gehörten. „Sie haben uns über viele Jahre begleitet und hielten uns selbst in der Zeit des Rathausneubaus die Treue. Bessere Gäste kann man sich nicht wünschen“, sind die Lenzbauers dankbar.

Ob sie nun anderswo einen neuen Stammtisch finden werden, ist fraglich, denn der im Sebastianibräu war einer der letzten seiner Art in Bad Aibling. „Wo die Leute einfach hocken, ein Bier trinken und ratschen dürfen – ohne den Zwang, ein Essen zu bestellen“, beschreibt Lenzbauer. Und so geht auch ein Stück bayerischer Wirtshaustradition geht verloren.

Dankbar sind die Wirtsleute auch für die Unterstützung der Brauerei Flötzinger, auf die sie in all den Jahren selbst in der Krise zählen konnten.

Auch wenn sie Wirte aus Leidenschaft sind, nehmen sie nun von der Gastronomie Abschied. Und das, obwohl ihnen verschiedene Restaurants angeboten wurden. „Nichts ist mehr so wie es vor der Corona-Pandemie war“, begründet Lenzbauer die Entscheidung: „Unsere Branche ist am Boden.“ Der Fachkräftemangel sei enorm.

So arbeiteten die Lenzbauern seit vielen Monaten nur mit der halben Mannschaft. „Unsere Leute haben sich in den Lockdowns krisensichere Jobs gesucht, arbeiten heute im Lebensmittelhandel oder in der Pflege“, hat Martina Lenzbauer vollstes Verständnis für den Wechsel in unsicheren Zeiten.

Denn dass das Auf-und-Ab ein Ende haben und es nicht wieder einen Lockdown mit Kurzarbeit in der Gastronomie geben wird, kann keiner garantieren. Mit einem festangestellten Mitarbeiter und zwei Aushilfen haben die Lenzbauers die vergangenen Monate gemeistert.

Zwölf bis 14 Stunden am Tag waren sie Geschäftsführer, Wirte, Köche, Bedienung, Einkäufer und Reinigungskräfte zugleich. „Das geht nur, wenn man die Gastronomie liebt“, wissen sie und haben durchgehalten, denn: „Aufgeben ist nicht unser Ding – gemeinsam waren und sind wir stark.“

Zum Sebastianibräu gehörte in all den Jahren und bis zur letzten Sekunde neben dem Personal immer auch Mama Hedi, die den Lenzbauers den Rücken freihielt: „Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank.“

In den letzten vier Wochen war die Wirtschaft komplett ausgebucht. Viele Gäste wollten ein letztes Mal Krustenbraten, Bräuschnitzel oder hausgemachte Pizzen genießen, in Erinnerungen an ihre Jugend im Bräu schwelgen und Abschied nehmen.

Jetzt beginnt ein neues Kapitel

Martina und Jürgen Lenzbauer haben bis zum 31. März noch alle Hände voll zu tun, bevor sie ihre Wirtschaft der Abrissbirne übergeben und der Boden für neue Projekte bereitet wird. Dann schlagen sie ein neues Kapitel in ihrem Leben auf: „Wir müssen nach dem Marathon der letzten zwei Jahre erst einmal verschnaufen, wollen endlich mal Urlaub machen, Zeit füreinander haben und uns auf dem Motorrad den Wind um die Nase wehen lassen, um den Kopf frei zu bekommen“, freuen sie sich auf die nächsten Wochen und verabschieden sich aus dem Sebastianibräu.

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