Galgenvögel auf Maisfeld in Weidach sind nach OVB-Bericht verschwunden

Krähengalgen oder Galgenvögel? Was ein traditionelles Vergrämungsmittel der Landwirte ist, stößt  beim LBV immer mehr auf Kritik.re
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Krähengalgen oder Galgenvögel? Was ein traditionelles Vergrämungsmittel der Landwirte ist, stößt beim LBV  immer mehr auf Kritik.
  • vonKathrin Gerlach
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Ob Wildwestmanier oder jahrhundertealtes und probates Mittel zum Vergrämen der Krähen – was immer es sein mag: Es polarisiert. Bürger kritisieren Krähen-Kadaver – aufgehängt an drei Galgen auf einem Maisfeld in Götting-Weidach – direkt an der Landstraße in Richtung Bad Aibling.

  • Rabenkrähen können als Saaträuber ein massives Problem für Landwirte werden.
  • Die Methode tote Vögel zur Abschreckung an die Felder zu hängen ist Jahrhunderte alt 
  • Vogelschützer sind jedoch empört

Update 14. Juli: 

Die Weidacher Galgenvögel sind verschwunden

Kurz nach dem Bericht im Mangfall-Boten über die Empörung von Passanten und Landesbund für Vogelschutz über derartige Methoden zur Vergrämung von Krähen wurden die toten Vögel abgenommen und entfernt.


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Erstmeldung 10. Juli: 

Bruckmühl– „Das ist eine Ordnungswidrigkeit und ein klarer Verstoß gegen Naturschutz- und Jagdgesetz“, betont Dr. Andreas von Lindeiner, Fachbeauftragte des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Bayern.  „Die Jagdzeit für Rabenkrähen beginnt erst am 16. Juli.“

Eine mumifizierte Krähe dürfte seiner Meinung nach „relativ frischtot dort aufgehängt worden sein“. Lindeiner empfiehlt eine Anzeige bei der Unteren Jagdbehörde wegen des Verstoßes gegen das Jagdgesetz.

Abschreckung aus der Tiefkühltruhe

Doch sind es tatsächlich „frischtote“ Krähen oder kommen sie etwa aus der Tiefkühltruhe? „Galgenvögel sind ein jahrhundertealtes Hausmittel der Landwirte“, sagt Josef Bodmaier, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Die Krähen müssten nicht frisch gejagt sein, sondern könnten auch außerhalb der Schonzeit erlegt und in der Tiefkühltruhe aufbewahrt worden sein. Eine Möglichkeit.

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Was tun, wenn nichts anderes mehr helfe? „Rabenkrähen sind ein massives Problem für die Landwirte“, erklärt Bodmaier. Bauer Andreas Meixner aus Waith beispielsweise hat seine Biomais-Felder dreimal nachsäen müssen, damit er im nächsten Jahr ausreichend Futter für seine Tiere hat.

Eine jahrhundertealte bäuerliche Tradition ist das Aufhängen toter Krähen zum Vergrämen ihrer Artgenossen, erklären die Landwirte.

Andreas Pritzl, Landwirt in Högling, beschreibt das Ausmaß der Schäden: „Krähen fressen beim Pflügen die Regenwürmer, beim Säen die Saatkörner und später reißen sie die Triebe raus. In den Fahrsilos zerstören sie die Folien. Das führt dazu, dass das Futter verdirbt und wir extra Schutznetze oder -gitter anbringen müssen.“

Krähen sind Saaträuber und Kleintierjäger

Doch nicht nur das: „Sie töten junge Feldhasen, Bodenbrüter und andere kleine Vögel, dezimieren die Singvögelbestände und gelten als eine Ursache dafür, dass der Niederwildbestand zurückgegangen ist“, erläutert der Landwirt.

Krähenfelder sind selbst für Laien gut zu erkennen. Haben Maispflanzen jetzt normalerweise schon eine stattliche Größe und Dichte erreicht, sind sie auf diesen Feldern oftmals „luftig“ gewachsen. Dort haben dann Krähen die Samen oder die Keimlinge gefressen. „Die Verluste für die Landwirte sind enorm, belaufen sich auf bis zu 2000 Euro pro Hektar“, schätzt der Kreisobmann des Bauernverbandes.

Früher durften die Bauern gebeiztes Saatgut ausbringen. „Das schmeckte den Krähen nicht“, erklärt Pritzl. Aber das ist inzwischen nicht mehr erlaubt. Also müssen sich die Landwirte anders gegen die Räuber wehren.

Schreckschüsse gegen die Krähen-Plage

Außerhalb der Schonzeit von März bis Juli dürfen Rabenkrähen bejagt werden. Das ist nicht einfach. Die Tiere sind schlau. „Sie prägen sich das Fahrzeug ein, wissen, dass ihnen Gefahr droht und flüchten“, erklärt Jäger Günther Mark. Also lege man sich immer öfter direkt an den Fahrsilos auf die Lauer.

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Landwirt Martin Luckenhuber aus Oberadlfurt hat sich für den Schutz seiner Fahrsilos die Erfahrungen der Gemüsebauern aus dem Norden zunutze gemacht. Gegen die Plage von etwa 150 Krähen. Sie hackten Löcher in die Folie, zerfetzten Schutznetze, zerlöcherten Sandsäcke und verunreinigten das Gelände massiv mit ihrem Kot. „Wir haben hier jetzt eine Schreckschussanlage“, erklärt er. Diese kostet 250 Euro.

Schreckschüsse als probates Mittel gegen die Vögel

Dazu kommen die erforderlichen Propangasflaschen. Der Erfolg sei sichtbar: „Wir haben seitdem keine größeren Probleme mehr“, bestätigt Luckenhuber. Auch Beschwerden aus der Nachbarschaft gebe es nicht, denn „wir schalten die Anlage nur ein, wenn die Krähen kommen“.

Die Diskussion über „störende, gute und böse oder nützliche und schädliche Tiere muss aufhören“, fordert  dagegen Andreas von Lindeiner vom LBV mit Nachdruck. Und weiter: „Jeder hat seine Rolle im Ökosystem. Es gibt Gesetze, über die man sich nicht hinwegsetzen kann.“

Er betont zudem nicht zuletzt mit Blick auf die Galgenvögel von Weidach: „Es ist eine Frage der Ethik, was wir uns als Gesellschaft erlauben.“

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