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Zuflucht für Familien

Fußballinternat in Bad Aibling nimmt Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine auf

Die Kartons stapeln sich im Fußballinternat: (von links) DFI-Leiter Andreas Herbst und Lehrer Andreas Schüßler zwischen den Spenden, die keinen Platz mehr im Bus hatten.
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Die Kartons stapeln sich im Fußballinternat: (von links) DFI-Leiter Andreas Herbst und Lehrer Andreas Schüßler zwischen den Spenden, die keinen Platz mehr im Bus hatten.
  • VonPaula L. Trautmann
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Mehr als eine halbe Million Menschen sind den Vereinten Nationen zufolge vor dem Krieg in der Ukraine geflohen. Das Deutsche Fußballinternat (DFI) in Bad Aibling nimmt einige Familien auf. Leiter Andreas Herbst beschreibt die Lage in der Schule.

Bad Aibling/Ukraine – Am Freitag kommen sieben Kriegsflüchtlinge im DFI an. Wie viele davon Mütter und Kinder sind, weiß Herbst nicht genau: „Die Situation in der Ukraine ist völlig chaotisch.“ Das erschwere die Kommunikation. Er wisse nur, dass jemand die Familie mit dem Auto abholt und nach Bad Aibling bringt. Denn die Internatsbusse seien bereits im Einsatz. Trainer Hans Haslreiter ist Donnerstagmorgen mit einem Bus voller Spenden in die Ukraine aufgebrochen.

Mutter wurde an der Grenze bestohlen

Der Ukrainer Eugen Bantysh, ein Bekannter des DFI, habe zuvor in der Schule angerufen und um Hilfe gebeten. „Er hat mir erzählt, dass eine Mutter an der Grenze bestohlen wurde, die Familien ohne Geld und nur mit einem Koffer kommen“, sagt Herbst. Die Schule wolle sie deshalb gut empfangen und habe bereits alles vorbereitet.

Mitarbeiter haben Feldbetten aufgestellt

Ein Zimmer sei nicht von Schülern belegt, darin könnten vier Personen unterkommen. Eine Betriebswohnung für einen Mitarbeiter sei erst ab April belegt, in der Zwischenzeit könne auch dort jemand schlafen. Die Wohnung sei mit Feldbetten ausgestattet, eine dauerhafte Lösung sei das nicht. „Aber die Leute müssen jetzt irgendwo hin und wenn wir helfen können, helfen wir natürlich“, sagt Herbst.

Die Betten für die Kriegsflüchtlinge haben DFI-Leiter Herbst und seine Mitarbeiter bereits hergerichtet.

Die Mutter und Schwester eines Schülers aus der Ukraine seien bereits am Dienstag mit dem Zug in Salzburg angekommen. Sie mussten Herbst zufolge plötzlich aus ihrer Heimat fliehen. Anders als Frauen und Kinder müssten die Männer zurückbleiben und bekämen eine Waffe in die Hand gedrückt. „Sie müssen in den Krieg ziehen“, sagt der Leiter. Die Situation besorge die DFI-Mitarbeiter, jeder habe zugestimmt zu helfen.

Leiter Herbst zeigt sich stolz über Zusammenhalt

Auch die Eltern der Schüler engagieren sich. Am Dienstag habe die Mutter eines Spielers aus der Region Bad Reichenhall die erste Familie am Bahnhof in Salzburg abgeholt und zum Internat gefahren. „Das war Teamwork vom Feinsten. Jeder hat zusammengehalten“, sagt Herbst.

Trainer bringt Flüchtlinge in ein Allgäuer Hotel

Die Familie des Schülers und die Flüchtlinge, die am Freitag ankommen, können Herbst zufolge vorerst im Internat bleiben. Für die Familien, die Trainer Haslreiter an der ukrainischen Grenze abholt, hat der Ukrainer Bantysh nach Angaben des Leiters eine Unterkunft in einem Hotel im Allgäu organisiert. Haslreiter werde sie dort hinbringen.

Mitarbeiter sind überwältig von den vielen Spenden

„Wir wollten natürlich nicht mit einem leeren Bus hochfahren“, sagt Herbst. Trainer Haslreiter und das DFI haben deshalb um Sachspenden in sozialen Medien gebeten. Innerhalb eines Tages hätten so viele Menschen gespendet, dass der Bus bis obenhin beladen war und noch Waren über sind. Die Mitarbeiter haben sie Herbst zufolge auf fünf Räume verteilt: „Wir sind wirklich überwältigt.“

Schule gibt Spenden an andere Helfer weiter

Dabei sei der Bus zuvor schon voll gewesen. Das DFI, die Eltern von Schülern aus der Region und Bad Aiblinger Unternehmen hätten Essen, Kleidung, Schlafsäcke, Isomatten beigesteuert. „Wir können jetzt auch nichts mehr annehmen, weil wir gar nicht mehr wissen wohin mit dem Zeug“, sagt Herbst. Weil nicht alle Spenden im Bus Platz hatten, werde das DFI den Rest an Privatpersonen weitergeben, die an die ukrainische Grenze fahren, um sie dort zu verteilen.

Wie es für die Kriegsflüchtlinge weitergeht, müsse noch geklärt werden. Internatsleiter Herbst sei bereits in Kontakt mit dem Landratsamt, um herauszufinden, wo sie auf Dauer unterkommen können.Michael Fischer, Pressesprecher vom Landratsamt Rosenheim, teilte auf Anfrage mit, dass die erste Anlaufstelle für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine das Ankunftszentrum der Regierung von Oberbayern in München sei.

Offiziell noch keine Kriegsflüchtlinge im Landkreis Rosenheim gemeldet

Dort sollen sich die Geflüchteten Fischer zufolge registrieren, danach können sie in ihre private Unterkunft zurückkehren. Wer keinen Schlafplatz hat, werde anderweitig untergebracht. Bisher seien im Ankunftszentrum offiziell noch keine Kriegsflüchtlinge im Landkreis gemeldet worden.

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