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Bergmännische Geschichte bewahren

Für Schaubergwerk „Wetterstollen Deisenried“ fehlt nur noch ein Ja aus Bad Feilnbach

Die Geschichte des Kohlebergbaus in der Region will Martin Schmid, Vorsitzender vom Bergmannsverein „St. Barbara Leitzachtal“ mit dem Schaubergwerk „Wetterstollen Deisenried“ für die Nachwelt lebendig halten.
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Die Geschichte des Kohlebergbaus in der Region will Martin Schmid, Vorsitzender vom Bergmannsverein „St. Barbara Leitzachtal“ mit dem Schaubergwerk „Wetterstollen Deisenried“ für die Nachwelt lebendig halten.
  • VonPeter Strim
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Das Schaubergwerk im Deisenrieder Wetterstollen wird gebaut, zumindest wenn es nach dem Willen der Gemeinderäte von Fischbachau geht. Das letzte Wort haben die Gemeinderäte aus Bad Feilnbach. Sie entscheiden am Donnerstag, 2. Juni, ob das Gemeinschaftsprojekt umgesetzt wird oder nicht. In die Entscheidung fließt auch die enorme Vorleistung der Bergmänner des Barbaraverein

Bad Feilnbach – Die Erschließung des Wetterstollens Deisenried als Schaubergwerk zählt zu den mutigsten Projekten der kooperierenden Gemeinden Fischbachau und Bad Feilnbach. Die erste Zustimmung für eine Realisierung des Vorhabens bekundeten die Fischbachauer Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung.

Das weitere Vorgehen zur Umsetzung des Gemeinschaftsprojekts hängt nun von der Entscheidung der Bad Feilnbacher Gemeinderäte in ihrer Sitzung am morgigen Donnerstag ab.

Enorme Vorleistung des Barbaravereins

Auf ein klares Ja aus der Kur-und Tourismusgemeinde am Wendelstein hoffen auch die Bergmänner und Kumpel vom Bergmannsverein „St. Barbara Leitzachtal“. Ihr erster Vorsitzender Martin Schmid kann viel Wissenswertes berichten – über die bisherigen Aktivitäten, Geschichte sowie Hintergründe zur Erschließung und Schaffung eines Schaubergwerks im einstigen Wetterstollen Deisenried. Am 5. Mai 2007 begannen engagierte Mitglieder vom Barbaraverein mit den Grabungsarbeiten zur Freilegung des Stollensystems, das vollständig mit Kies aufgefüllt war. Nach Schmids Angaben wurden über 500 Kubikmeter Verfüllmaterial – unter anderem Wandkies – aus der ehemaligen Maschinenhalle in der Nähe des Eingangs sowie aus etwa 150 Metern Stollen ins Freie gekarrt.

Zum Vorschein kam ein gut erhaltener Verbau aus Stahl mit Streben. Im Maschinenraum wurden eine Betonplatte, Bohrstangen sowie Sockel und darauf ein Bohrkerngerät für Vortriebsarbeiten entdeckt. Wie Martin Schmid anmerkte, wurde ein baugleiches Gerät zur Bergung verunglückter Kumpel beim Grubenunglück und Wunder von Lengede 1963 verwendet. Die vorgefundenen Teile und Anlagen stammen aus dem Jahre 1953, als der Deisenrieder Wetterstollen zur Bewetterung der Haushamer Kohlegrube in Angriff genommen wurde.

1956 erfolgte der Durchschlag zur dritten Sohle der Grube Hausham und im darauffolgenden Jahr wurde der Ventilator in Betrieb genommen. Er führte Luft aus dem Stollen ab und saugte dadurch Frischluft in den über zwölf Kilometer entfernten Fahrschacht bei Hausham durch das Grubengebäude. Im Oktober 1966 fuhr mit der Einstellung des Haushamer Kohlebergbaus und Demontagearbeiten die letzte Schicht über den Deisenrieder Stollen aus. Bis 1977 wurde die Anlage teilverfüllt und verschlossen.

Der Stollen durchquert 44 Meter Quartär, dann 21 Meter marine Baustein-Schichten des Oligozän aus Sandstein und Konglomeraten. Danach folgen linmische, brackische und marine Ablagerungen von Sandsteinen und Tonmergeln. Bei einer Stollenlänge von 290 Metern ist das 80 Zentimeter dicke Flöz Kleinkohl aufgeschlossen. Gefördert wurde Pechkohle, wie Schmid erklärte. Mit der Erschließung des Wetterstollens Deisenried als Schaubergwerk soll ein wichtiges Stück Geschichte des Bergbaus in der Region für die Gegenwart und für die Nachwelt erhalten bleiben.

Der Kohlebergbau in der Region begann 1840 mit einem Versuchsstollen in Engelsberg. Die professionelle Gewinnung von Pech- und Braunkohle wird im Jahre 1870 erwähnt. Bedeutender Geldgeber war Wilhelm Alexander Ritter von Schöller (1805-1884) ein deutsch-österreichischer Großindustrieller und Bankier aus Wien.

Der Bergbau brachte einige Vorteile in die von bäuerlicher Landwirtschaft geprägten Gegend. In erster Linie sicherte er – wenn auch mit Schwerarbeit verbunden – wichtige Arbeitsplätze und ermöglichte eine existenzielle Entwicklung vom Bauernknecht zum Hauer oder auch Steiger.

Ortsteil Au hat von Bergbau profitiert

Bergbau förderte zudem den Wohlstand in einigen Dörfern, zu denen auch Au gehörte. Treibende Kraft darin war der Obersteiger und spätere Gastwirt Karl Beckenlehner (1871-1929).

Entscheidender Faktor einer heutigen Erschließung sind die Kosten. Das Großprojekt als neues Standbein des Tourismus sowohl für Bad Feilnbach als auch Fischbachau wird über „Leader“ mit einer Summe von 400.000 Euro gefördert. Die Gemeinden selbst hätten einen Anteil von jeweils 250.000 Euro zu tragen. Nach Meinung des Bürgermeisters von Fischbachau, Stefan Deingruber, sei es die Bergbaugeschichte wert, nicht einfach vergessen zu werden.

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