Ja zu fünfstöckigem Blickfang

Wohnen, Gewerbe und Einzelhandel – diese Eckpfeiler sollen auch in Zukunft das Areal an der Münchner Straße 33 bis 35 prägen. Über das Wie zurrte der Aiblinger Stadtrat in jüngster Sitzung erste Modalitäten für die Projektentwicklung mit ausgewählten Architekten statt.

Bad Aibling– Vier Stockwerke plus Dachgeschoss sollen auf dem Gelände generell vorherrschen. Ein Knackpunkt in der Diskussion war dabei – einmal mehr – die Höhenentwicklung auf dem Areal, wo heute EP und Fischbacher sowie die Post untergebracht sind. Das betreffende Gelände, in Besitz von Werndl und Partner GmbH, umfasst 8060 Quadratmeter. Einzelhandel gibt es dort seit circa 1960, die Hofanlage bereits seit etwa 1900.

Kontrovers waren die Ansichten im Stadtrat, ob man einen städtebaulichen Akzent an einer Ecke mit fünf Stockwerken plus Dachgeschoss zulassen soll. Letztlich einigte sich das Gremium bei 17:7 Stimmen für die Zulassung eines Hochpunkts auf dem Areal. Ein Antrag auf nur vier Geschosse von Dieter Bräunlich (ÜWG) war mit 12:12 (Patt) abgelehnt worden. Der Hochpunkt darf maximal zehn Prozent der überbaubaren Fläche ausmachen. Gerade dieser Aspekt war dem Stadtrat wichtig.

Lärmschutz und Bauabschnitte

Heidi Benda (GOL) war die ständige Diskussion um Höhenentwicklungen dabei leid: „Das ist nicht mehr zeitgemäß. Wir müssen uns daran gewöhnen. Akzente ja, aber keine Gebäuderiegel.“ Fraktionskollegin Martina Thalmayr sah dies ähnlich und sprach hier die Verhältnismäßigkeiten zueinander an. Dass Lärmschutzmaßnahmen und ein Gutachten elementar wichtige Bestandteile der Planung sind, darauf verwies Rossteuscher. Denn hiernach müsse sich die Wohnbebauung orientieren. „Es wird keine 15 Meter hohe Lärmwand auf 70 Meter Länge geben, sondern optisch ansprechende Lösungen“, kündigte der Aiblinger Planer an.

Dass im Auslobungstext nicht die aktuelle Fassung der städtischen Stellplatzsatzung (jüngst geändert, wir berichteten), darauf verwies Richard Lechner (SPD). Dass die aktuelle Variante zum Tragen kommt, wurde mit 20:4 Stimmen beschlossen.

Möglichst klare und eindeutige Angaben für die Planer wünschte sich der Stadtrat, um ja irgendwelche Parallelen und Unstimmigkeiten wie beim Lichtspielhaus (beispielsweise Höhenentwicklung und Bürgerentscheid) bereits im Vorfeld zu vermeiden. Weitere angesprochene Punkte waren von Irmengard Ranner-Sobihard (ÜWG) ein energetisches Konzept und bessere Kommunikation von Bräunlich und Wilhelm Bothar mit den Planern. Die Wärmeversorgung wird dabei beispielsweise durch eine Kombination aus Blockheizkraftwerk und Solarkollektoren sichergestellt.

Für die Entwicklung von maßgeblicher Bedeutung war für Josef Schmid (CSU) die Frage nach dem Nullpunkt: „Wo ist dieser? Auf Höhe der Münchner Straße oder auf Höhe vom Fisch bacher in der Mulde?“ Das Areal soll nach Angaben von Rossteuscher eine Tiefgarage erhalten.

Der Nullpunkt werde auf dem Niveau der Münchner Straße gerechnet.

Generell gilt für die Fläche „Münchner Straße 33 bis 35“: Wohnen soll dabei 65 Prozent des Geländes ausmachen sowie Gewerbe mindestens 25 Prozent. „Letzteres ist wichtig, nicht dass das dortige Mischgebiet in ein Wohngebiet kippt“, betonte Markus Stigloher (CSU). Dies wurde mit 20:4 Stimmen beschlossen. Geförderter Wohnungsbau soll zehn Prozent einnehmen.

Bereits im Ausschuss für Stadtentwicklung, Gesamtverkehrsplanung und Umwelt hat Moderator und Architekt Stefan Rossteuscher folgende Planungsziele erläutert: Neuordnung des Areals mit neuen Wohn- und Gewerbeflächen, Einfahrtsbereich, städtebaulicher Akzent. Dabei will man sich an bereits gebauten Projekten orientieren. Der Weg dorthin soll über eine städtebauliche Planung durch Mehrfachbeauftragung von Architekten erfolgen. „Das Verfahren erfolgt in zwei Stufen. Zunächst Planen vier ausgewählte Architekten aus der Region und einer aus München im anonymen Verfahren das Areal. Aus diesen Vorschlägen werden zwei Finalisten durch eine Fachjury ausgewählt und die Entwürfe überarbeitet sowie optimiert“, schilderte Rossteuscher.

Schritt 3 sei dann die Vorstellung der beiden Entwürfe im Stadtrat, Entscheidungsfindung und Auswahl des Siegerentwurfs sowie mit diesem letztlich die Aufstellung des Bebauungsplans. Enthalten in der Arbeit der Planer sind unter anderem ein Freiraumkonzept, Grünordnung und Bepflanzung: Darstellung der öffentlichen und privaten Flächen und Raumfolgen, Nutzungskonzept sowie ein Erschließungskonzept.

Die künftige Bebauung soll dabei einen Quartierscharakter erhalten. „Gewünscht ist eine soziale Mischung durch Schaffung von Wohnungen aller Preisklassen und spezielle Pflegeangebote für Senioren sowie eine funktionale Mischung durch Bereitstellung von Gewerbe und Einzelhandelsflächen“, so Rossteuscher. Möglichkeiten für Flächen für die Allgemeinheit wie soziale- und kulturelle Zwecke, Altenpflege/Nachbarschaftshilfe und Caritas sind denkbar.

Die Bebauung soll dann in drei Abschnitten erfolgen. „Dabei werden Flächen für Post, Fischbacher, EP angeboten. Damit ist ein Umzug ohne Geschäftsunterbrechung möglich. Generell gilt, wenn die bestehenden Betriebe wieder dort einziehen wollen, dann will man ihnen dies ermöglichen“, so der Planer. Als erstes werde der alte Hofbereich, dann der östliche Bereich und schließlich der Block EP/ Fischbacher in Angriff genommen.

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