Fuchsräude in Kolbermoor: Gefahr auch für Hunde

Füchse leben auch im Tonwerkweihergelände und den Vogelriedergründen in Kolbermoor. Einige Tiere sind derzeit an Räude erkrankt – und können auch Hunde anstecken. dpa
  • Eva Lagler
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Achtung Hundebesitzer: Zwei an Räude erkrankte Füchse sind im Bereich Tonwerkgelände/Vogelriedergründe in Kolbermoor in den vergangenen Tagen verendet aufgefunden worden, zwei weitere erkrankte Tiere wurden im Umfeld gesichtet.

Kolbermoor/Bad Aibling – Die Vorfälle bestätigte Jagdpächter Günter Puzig auf Anfrage unserer Zeitung. Die infizierten Tiere sterben, stellen jedoch auch tot nicht nur eine Gefahr für andere Füchse, sondern auch für Hunde dar.

Aus diesem Grund wurde im Bereich des Lehrbienenstandes am Tonwerkweiher ein sogenannter leichter Hochstand aufgestellt, an dem auf eine erforderliche Bejagung aufgrund der Krankheit hingewiesen wird. „Das ist auch die einzige Stelle, an der geschossen werden könnte“, weiß Jäger Jürgen Halder, der diesen Teil des Reviers von dort aus nahezu täglich im Visier hat.

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Wichtigstes Anliegen nicht nur der Kolbermoorer Jäger und Jagdpächter: Hundehalter sollten ihre Vierbeiner unbedingt anleinen. Nicht nur zum Schutz der frei lebenden Tiere, sondern auch zum Schutz der eigenen Gesundheit: „Man weiß generell nie, was die Wildtiere mit sich rumschleppen. Oft ziehen sie sich zurück und verenden in einem Unterschlupf. Der Hundebesitzer kriegt es gar nicht mit, wenn sein Hund dort schnuppert und sich so vielleicht ansteckt“, sagt Christian Hilz, Vorsitzender der Jagdgruppe Bad Aibling.

Infizierte Tiere verlieren ihre Scheu

„Räudige Füchse sieht man immer wieder mal. Ihnen fallen die Haare aus, sie haben Juckreiz, kratzen sich deshalb viel und verhalten sich auffällig, verlieren ihre Scheu.“ Überträgt ein Hund die Milben, kann es auch beim Menschen zu einer juckenden Hauterkrankung, der so genannten Pseudokrätze, kommen.

Neben der Räude geht Hilz zufolge auch immer wieder die Staupe um, die ebenfalls hauptsächlich Füchse befällt. „Hat ein Tier die Staupe, hat es Nasen- und Augenausfluss, kann blind werden und wird apathisch. Das Verhalten ist dann ähnlich wie bei der Tollwut, nur dass das Tier nicht aggressiv ist“, schildert Hilz das Krankheitsbild.

Eine der gefürchtetsten Krankheiten bei Hunden

Die Staupe gilt als hochansteckend und ist eine der gefürchtetsten Viruskrankheiten auch bei Hunden, die deshalb in der Regel auch geimpft sind. Für Menschen gilt der Virus als ungefährlich. Bei infizierten Tieren hingegen kommt es zu weiteren Symptomen wie Erbrechen, Durchfall Fieber und Krämpfen.

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Ein Grund mehr, warum Hilz Hundehaltern rät, ihre Vierbeiner in der Natur anzuleinen. Er mahnt generell zur Distanz. Diese sei in mehrerlei Hinsicht in der freien Natur wichtig. Gerade jetzt, da in Wiese, Feld und Wald die Brut- und Setzzeit schon begonnen hat. Das heißt, der erste „Satz“ Hasen ist bereits auf der Welt, die Fuchsjungen wachsen heran und die Rehkitze kommen ab Mai/Juni zur Welt. Daher appellieren die Jäger an Spaziergänger und Naturfreunde, auf den Wegen oder am Wiesenrand zu bleiben und Jungtiere nicht anzufassen. Besonders wichtig sei es, dass Hunde angeleint würden und auf den Wegen bleiben.

Die meisten Tierhalter halten sich seiner Erfahrung nach auch daran, so Hilz. Doch erst vor Kurzem habe er im Bereich der Birkenallee in Bad Aibling beobachtet, wie ein frei laufender Hund einen Feldhasen gejagt habe. „Als ich die Besitzer angesprochen habe, hieß es nur ,was können wir denn dafür‘?“

Hundekot in Wiesen gefährdet Rinder

Mit ähnlichen Beobachtungen wendete sich auch eine Bruckmühler Bürgerin an unsere Zeitung, die, wie sie berichtet, etwas abgelegen wohnt. „Derzeit werden wir nahezu überrannt und die Disziplin mancher Hundebesitzer lässt sehr zu wünschen übrig. Viele der Tiere laufen frei herum und die Hundekot-Tüten findet man fast überall.“ Dazu kämen dann noch jene Tiere, die ihre Hinterlassenschaften auf Felder und Wiesen setzen. „Vielen Hundehaltern ist wohl nicht bewusst, dass Kälber und Rinder verenden können, wenn sie so verunreinigte Silage zu fressen bekommen. Oder es ist ihnen egal.“

Betretungsrecht derzeit nur eingeschränkt

In diesem Zusammenhang weist auch Hilz auf das laut Gesetz eingeschränkte Betretungsrecht der Wiesen während der Wuchszeit hin: Für landwirtschaftliche und gärtnerisch genutzte Flächen gilt: Während der Nutzzeit, also von der Aussaat im Frühjahr bis zur Ernte im Herbst, dürfen sie nur auf vorhandenen Wegen betreten werden. Doch auch hier habe er schon zu hören bekommen. „Hob di ned so“, als er Hundehalter darauf aufmerksam gemacht habe.

Bejagung derzeit nur im Fall von Räude

Wegen Räude erfolgt auch im Zuständigkeitsbereich der Jagdgruppe Bad Aibling eine Bejagung – aber nur an einzelnen Stellen und nur, wenn das Tier erkennbar krank sei. Ansonsten werden laut dem Vorsitzenden Christian Hilz derzeit aber prinzipiell keine Tiere entnommen, da sich die Jungfüchse noch im Bau befinden und auf ihre Mütter angewiesen seien. Erst wenn sich der Nachwuchs selbst durchbringen kann – das sei im Sommer/Spätsommer der Fall – , würden Füchse wieder bejagt. Denn wenn die Population zu groß sei, steige auch das Ansteckungsrisiko.

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