Chemische Vertilgungsmittel sind verboten

Friedhof in Bad Aibling: Jetzt geht`s dem Unkraut mit Hitze an den Kragen

3824 Grabstätten gibt es auf dem Aiblinger Friedhof. Nicht überall auf der Anlage sieht es so gepflegt aus wie auf diesem Bild.  Baumann
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3824 Grabstätten gibt es auf dem Aiblinger Friedhof. Nicht überall auf der Anlage sieht es so gepflegt aus wie auf diesem Bild. Baumann
  • vonJohann Baumann
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Der zunehmende Wildwuchs von Unkraut ist ein großes Problem auf dem Bad Aiblinger Friedhof. Doch die Mittel, mit denen die Stadtgärtner dem Übel bislang zu Leibe rückten, dürfen sie nicht mehr verwenden. Jetzt gehen sie neue Wege.

Bad Aibling– Nicht nur auf den Wegen breitet sich das „ungeliebte Grün“ laufend aus, sondern auch auf den zunehmend entstehenden Freiflächen. Diese ergeben sich durch die sich verändernden Bestattungsformen beziehungsweise die damit verbundene Auflassung von Gräbern.

Die unserer Zeitung von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellten Zahlen belegen diese Entwicklung. „Auf dem seit 1829 bestehenden Friedhof sind derzeit 2953 Gräber belegt. 871 sind frei“, berichtet Edith Wendlinger, Leiterin der städtischen Friedhofsverwaltung.

Bisher Verwendetes nicht mehr gestattet

Mit den üblichen chemischen Unkrautvertilgungsmitteln habe man die Unkrautausbreitung bisher einigermaßen eindämmen können. Doch diese seien nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr gestattet. Im Pflanzenschutzgesetz heißt es, dass die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf allen Flächen, die nicht landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, wie etwa auf gepflasterten und anderweitig befestigten Wegen und Plätzen grundsätzlich verboten ist.

Unerwünschte Kräuter und Gräser auf Wegen und Plätzen sollen mechanisch oder thermisch beseitigt werden. Hierfür stehen verschiedene Verfahren und Geräte zur Verfügung, für die keine Ausnahmegenehmigung nach dem Gesetz erforderlich ist.

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Dies gilt auch für die auf dem Aiblinger Friedhof verwendeten Essigessenzen und Salzlösungen. „Dieses Verfahren hat gut funktioniert und eine schnelle Wirkung gezeigt“, erklärt Stadtgärtner Hans Vogl. Bei der Verwendung zugelassener Bekämpfungsmittel müssen die damit betrauten Mitarbeiter Edith Wendlinger zufolge künftig über einen Sachkunde-Nachweis („Giftschein“) verfügen, der durch Teilnahme an einem Lehrgang zu erwerben ist.

Momentan ist die Hacke das Mittel der Stunde

Derzeit rücken die Friedhofsgärtner dem Unkraut „mechanisch-manuell“ zu Leibe – mit der Hacke. Dieses Vorgehen ist sehr zeitaufwendig angesichts der circa ein Hektar großen Fläche. Das „Hack-System“ ist auch nur bedingt erfolgreich, da bei hartem Boden die Pflanzenwurzeln oft nicht erreicht werden. Diese würden sich nach dem Hacken sogar teilen und schon nach einer Woche wieder neue „Unkrautableger“ hervorbringen.

Nach dem Verbot von Unkrautvernichtungsmitteln erfolgt die Bekämpfung derzeit „mechanisch-manuell“ – hier Hans Vogl als „Hacker“.

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Dem mancherorts eingebrachten Schotterrasen steht Hans Vogl eher skeptisch gegenüber. „Zwischen Gräbern mit sehr geringen Abständen wäre die Rasenpflege schwierig“, befürchtet er. Nicht ungefährlich erscheint ihm auch das Abflammen des Unkrauts – wegen möglicher Beschädigung unmittelbar anschließender Bereiche.

Sorgen bereiten dem Gärtner auch viele ungepflegte Gräber. Das auf ihnen wuchernde Unkraut würde sich auch in deren Umgebung verbreiten. „Die individuelle Grabpflege lässt oft zu wünschen übrig und in Corona-Zeiten kommen zudem spürbar weniger Leute auf den Friedhof“, berichtet „Grün-Experte“.

Bringt der Heißschaum eine Besserung?

Grundsätzlich spricht er sich dafür aus, Sektionen mit vielen freien Grabflächen aufzulassen und andere Sektionen dafür zu verdichten. Im Kampf gegen das Unkraut setzt die Stadt nunmehr auf die sogenannte Heißschaumunkrautbeseitigung (HSU). Die Vorgehensweise besteht darin, Wasser auf fast 100 Grad zu erhitzen und dann mit Hilfe einer eines speziellen Geräts auf die zu bearbeitenden Stellen aufzubringen. Gleichzeitig wird der Bereich mit einem isolierenden Schaumteppich aus Zucker und Pfanzenölen bedeckt.

Mit 90 Grad Übel an der Wurzel packen

Der biologisch abbaubare Schaum bewirkt, dass die Hitze bis zu 90 Sekunden auf die Unkrautoberfläche einwirken kann. Die an der Oberfläche befindlichen Unkrautteile sowie die oberen Teile der Wurzeln sterben dadurch ab. „Eine mit dem HSU-System behandelte Unkrautpflanze macht sofort einen verwelkten Eindruck“, heißt es in der Erläuterung des Herstellers. Darin wird auch eine Beschädigung der angrenzenden Vegetation ausgeschlossen sowie die Unbedenklichkeit des Mittels für Mensch und Tier versichert.

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„Wir werden das HSU-Verfahren ausprobieren, die Wirkungsdauer testen und den erforderlichen Anwendungszyklus ermitteln“, kündigt Hans Vogl an und betont: „Jeder Friedhofsgärtner wünscht sich eine Lösung, die vom Arbeitsaufwand und den Kosten her machbar und umweltverträglich ist.“

Sorge bereiten den Bad Aiblinger Stadtgärtnern auch viele ungepflegte Gräber – sie begünstigen die Unkrautentstehung.

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