DIGITALISIERUNG DER SCHULEN

Freistaat gibt Sonderbudget aus: Bruckmühl bekommt 37, Tuntenhausen 19 Tablets für Lehrer

Für den Distanzunterricht nutzen Lehrer und Schüler ihre privaten Computer. Nachdem die Gemeinden für ihre Schüler mobile Geräte bestellen durften, gibt es nun auch ein Förderprogramm für die Pädagogen. Wann die Laptops allerdings lieferbar sind, hängt von den Kapazitäten der Firmen ab.
+
Für den Distanzunterricht nutzen Lehrer und Schüler ihre privaten Computer. Nachdem die Gemeinden für ihre Schüler mobile Geräte bestellen durften, gibt es nun auch ein Förderprogramm für die Pädagogen. Wann die Laptops allerdings lieferbar sind, hängt von den Kapazitäten der Firmen ab.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
    schließen

Jetzt ist das „Sonderbudget Lehrerdienstgeräte“ am Start. Über das Förderprogramm können die Gemeinden Mittel für die Beschaffung von Dienst-Laptops für die Pädagogen an ihren Schulen beantragen. Während Bruckmühl 37 bestellen darf, wurde Tuntenhausen ein Kontingent von 19 Geräten zugeteilt.

Bruckmühl/Tuntenhausen Der Freistaat Bayern und der Bund stellen insgesamt 92,8 Millionen Euro bereit. Pro Gerät soll es 1000 Euro geben. Davon sollen 750 Euro für die Geräte selbst und 250 Euro für deren Installation zur Verfügung stehen. „Der Gemeinde Tuntenhausen wurde mit dem Förderprogramm ein Budget für 19 Geräte zugeteilt. „Je nachdem, welche Preise wir in der Ausschreibung erzielen, können wir eventuell auch mehr Geräte beschaffen“, erklärt Kämmerei Andreas Marx. Die Gemeinde muss jetzt erst einmal Angebote einholen, um die Geräte bestellen zu können und geht finanziell in Vorleistung. Erst nach dem Kauf können die Fördermittel abgerufen werden.

Verantwortung wird verlagert

Nach Auffassung von Bürgermeister Georg Weigl wälzt der Freistaat Bayern mit diesem Programm seine Aufgaben als Dienstherr des staatlichen Personals auf die Gemeinden ab. „Die Kommune ist als Sachaufwandsträger grundsätzlich nicht für die technische Ausstattung des Personals zuständig“, betont Weigl.

Damit das Programm an den Start gehen konnte, hatten Freistaat und Kommunale Spitzenverbände aber vereinbart, „die grundsätzlichen Fragen zur Aufgabenzuständigkeit sowie Zuordnung von Lehrerdienstgeräten zum Sachaufwand oder zum Personalaufwand aus der gegenwärtigen Beschaffung auszuklammern“, wie das Bayerische Kultusministerium erklärt. Damit wurde vom Vertreter der kommunalen Schulaufwandsträger der Weg geebnet, die Kommunen in die Verantwortung zu nehmen. „Da gibt es für mich Erklärungsbedarf“, kritisiert auch Richard Richter, Bürgermeister der Marktgemeinde Bruckmühl.

Lesen Sie auch: Neuer Lockdown-Plan für Deutschland: Was bedeutet das für Bayern?

Trotzdem stehe Bruckmühl „Gewehr bei Fuß“ und werde sich am Programm beteiligen. „Wenn sich die Kosten im Rahmen von 750 Euro bewegen, könnte es ein Durchlaufposten werden“, hofft er. Bruckmühl darf 37 Geräte bestellen, muss also mit 37 000 Euro erst einmal in Vorkasse gehen.

Doch nicht nur das. Die Verwaltung übernimmt zusätzliche Aufgaben, zu denen nicht nur die Analyse des tatsächlichen Bedarfs gehört. „Wir haben an den Schulen nachgefragt, welche Laptops geeignet wären, welche Eigenschaften sie haben müssen und welche Software erforderlich ist“, erklärt Bruckmühls Kämmerer Michael Lindner. Er sieht es auch kritisch, dass nun wieder jede Schule mit individueller Hard- und Software ausgestattet werde und es keine einheitlichen Regeln gebe, um bayernweit die Kompatibilität der Technik zu garantieren. „Da fehlt mir der rote Faden.“

Nicht für jeden gibt es ein Gerät

Zudem sieht er perspektivisch zusätzliche Kosten auf die Kommune zukommen, denn: „Die Folgekosten für Service oder Ersatzbeschaffungen werden nicht betrachtet.“ Hinzu komme, dass an der Holnstainer Grundschule und der Justus-von-Liebig-Schule mehr als 37 Pädagogen tätig seien. Die Schulleitungen müssten nun entscheiden, wer vorrangig mit den Dienst-Laptops oder -Tablets ausgestattet werden solle.

Das könnte Sie auch interessieren: Tuntenhausen gibt grünes Licht für Bebauung in Eisenbartling-Süd und am Beyhartinger Rosenweg

Die Bestellung der Geräte wird in Bruckmühl mit einem Fachbüro vorbereitet. Dass pro Laptop geringere Anschaffungskosten als 750 Euro erzielt werden könnten, sei eher unwahrscheinlich. „Gerade während der Corona-Krise haben wir die Erfahrung gemacht, dass aufgrund der angespannten Marktsituation die Geräte teurer und außerdem nicht kurzfristig verfügbar sind“, so Lindner. So habe die Marktgemeinde schon vor sechs Monaten 80 iPads für ihre Grund- und Mittelschulen bestellt. Bis heute seien die „Schülerleihgeräte“ in Bruckmühl weder eingetroffen, noch könne ein Lieferdatum avisiert werden.

Schon jetzt gibt es Lieferschwierigkeiten

Mit dem „Sonderbudget Lehrerdienstgeräte“ sollen theoretisch mindestens 92 800 mobile Geräte für Pädagogen beschafft werden. Die Marktsituation wird sich aufgrund der enormen Nachfrage also weiter zuspitzen. „Ich rechne mit einer Lieferzeit von mindestens drei Monaten“, blickt Lindner voraus.

Kommentare