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Instinktiv ins Wasser gesprungen

Franziska Krimplstötter aus Bruckmühl rettet Kind vor dem Ertrinken

Franziska Krimplstötter rettete im Kroatienurlaub ein Kind vor dem Ertrinken.
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Franziska Krimplstötter rettete im Kroatienurlaub ein Kind vor dem Ertrinken.
  • VonJohann Baumann
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Bei einem Segelurlaub in Kroatien rettete Franziska Krimplstötter einem zweijährigen Kind durch ihr beherztes Eingreifen das Leben. Für ihre kühne Rettungstat erhielt sie bei einer Feierstunde im Bruckmühler Rathaus die DLRG-Leistungsnadel und wurde von Landrat Otto Lederer geehrt. Im Gespräch mit dem Oberbayerischen Volksblatt schilderte sie nun Einzelheiten des dramatischen Ereignisses.

Bad Aibling – Die 25-Jährige aus dem Bruckmühler Ortsteil Waldheim ist begeisterte Seglerin und war mit ihrem Freund Sebastian schon oft in kroatischen Wässern unterwegs – so auch im August des vergangenen Jahres. Mit dabei waren auch Sebastians Eltern und zwei Freunde. Von der Insel Hvar im Süden von Kroatien aus waren sie zu einem Segeltörn aufgebrochen.

Bei romantischen Segeltörns mit „Therese“ denkt Franziska Krimplstötter auch heute noch an die Rettungsaktion von 2020. Sobald sie spielende Kinder in der Nähe der Bootsanlegestelle sieht, ergreift sie wieder die Furcht, dass ein Kind ins Wasser fallen könnte.

„Wir wollten eigentlich woanders hin, haben aber wegen eines starken Gewitters ein ruhigeres Gewässer gesucht und in Küstennähe in einer Bucht auf der Insel Brac angelegt, im Hafen von Milna“, berichtet die Management-Assistentin. Viele andere Boote hätten dort auch Zuflucht gesucht.

Ohne zu überlegen, nachgesprungen

„Neben uns hat eine Familie aus Nordrhein-Westfalen mit ihren zehn und zwei Jahre alten Töchtern ihr Boot festgemacht, wir haben uns kennengelernt und sie sind am Nachmittag auf einen Ratsch auf unser Boot gekommen“, schildert die junge Frau.

Bei einem Spaziergang später sei man sich noch begegnet und habe erwogen, sich zu einem gemeinsamen Abendessen in einem nahen Hafenlokal zu verabreden.

„Wir haben uns aber dann entschlossen, auf unserem Boot Brotzeit zu machen“, erzählt Franziska Krimplstötter. Als die NRW-Familie vom Essen zurückkam, sah Franziska, wie die Zehnjährige ihre kleine Schwester von der Hafenkante ins Boot hob. „Wir haben auf unserem Boot eine Gangway, aber unser Nachbarboot verfügte nur über eine kurze Badeplattform, die – nicht zuletzt auch wegen der Wellen – eine rund 50 Zentimetern große Spalte zwischen Boot und Hafenmauer ließ“, beschreibt sie.

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Während ihrer Brotzeit hatte sie die ganze Zeit die beiden spielenden Mädchen auf dem Nachbarschiff im Auge, die dann ihre Spielsachen zusammenpackten. Unmittelbar danach verließ die Zehnjährige das Boot und ihre Schwester folgte ihr. Dabei übersah sie die Kleine offenbar den Spalt und stürzte zwischen Hafenmauer und Boot ins rund fünf Meter tiefe Wasser. „Während die Zehnjährige dies mitbekam und laut um Hilfe schrie, habe ich nicht lange überlegt und bin vollbekleidet der Kleinen instinktiv nachgesprungen“, erzählt die beherzte Waldheimerin.

Zum Glück habe sie das Mädchen unter Wasser gleich zu fassen gekriegt und versucht, sie hochzuhalten. „Die Zeit unter Wasser kam mir endlos vor“, bekennt sie. Ein Kellner aus dem nahegelegenen Lokal hatte indes die Hilferufe der Zehnjährigen gehört, eilte herbei und zog die Zweijährige aus den Armen von Franziska in die Höhe. „Dann hat mich mein Freund Sebastian aus dem Wasser gezogen und da habe ich erst gemerkt, dass ich meine Brille noch aufhatte“, erinnert sie sich. Dann kamen auch die Eltern der Mädchen, haben sich bei mir bedankt und nahmen die Kleine in Empfang.

„Sie haben keinen Rettungsdienst gerufen, die Mutter hat die große Tochter kräftig geschimpft“, so Franziska. „Auch wenn meine Hilfsaktion nicht ganz schulmäßig war, bin ich mir sicher, dass das Mädchen, das keine Schwimmweste trug, nur durch mein spontanes Nachspringen gerettet wurde. Sie wäre in der Dunkelheit und bei dem herrschenden Seegang mit Sicherheit kurze Zeit später unter den Booten verschwunden“, stellt Franziska fest.

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Thomas Ettstaller (34) ist Einsatzleiter der Wasserrettung in Stadt und Landkreis Rosenheim.

Thomas Ettstaller (34), Einsatzleiter der Wasserrettung in Stadt und Landkreis Rosenheim, sagt zur Rettungsaktion der Bruckmühlerin: „In einer solch dynamischen Situation, die sekundenschnelles Handeln erfordert, muss man Instinkt entwickeln und die möglichen Gefahren abwägen: Lassen es die äußeren Umstände und das körperliche Befinden zu und vor allem die Frage, trau ich mir selbst solch eine Rettung zu?“ Wichtig sei, sofort andere Leute auf die Situation aufmerksam zu machen und so schnell wie möglich den Notruf zu wählen. „Diese gefährliche Aktion ist Gottseidank gut ausgegangen und Frau Krimplstötter, die wohl eine gute Schwimmerin ist, hat das Leben des Mädchens gerettet. Für ihren mutigen Einsatz gebührt ihr höchste Anerkennung.“

Zugleich warnt Ettstaller: „Ein spontanes Nachspringen ist aber nicht immer das Richtige wie beispielsweise bei den Wasserwalzen in der Mangfall, wo in den letzten Jahren schon einige Menschen ihr Leben verloren haben, darunter auch Menschen, die retten wollten.“ Um auch in Zukunft gute Schwimmer und Rettungsschwimmer ausbilden zu können, sei es deshalb unausweichlich, ein Hallenbad in der Nähe zu haben, betont er.

Lob und Tipp vom Wasserretter

Ihr Vorgehen sei trotz der auch für Krimplstötter selbst gefährlichen Situation selbstverständlich gewesen. „Danach habe ich auf den Schrecken erst einmal einen Slivovitz getrunken. Einschlafen konnte ich allerdings lange nicht, denn ich war noch voller Adrenalin“. Außerdem musste sie ständig an das Mädchen denken und hoffte, dass es ihr gut geht. Am nächsten Tage hätten sich die Eltern des Mädchens nochmal bedankt, sie nach ihrer Adresse gefragt und ihr einige Tage später einen Blumenstrauß mit einer Dankkarte nach Waldheim geschickt. „Ich habe dann zurückgeschrieben und mich bedankt und seither kam nichts mehr. Darüber bin ich schon etwas enttäuscht“, gesteht die Lebensretterin.

Erinnerungen kommen auf

„Wir waren auch heuer wieder mit dem Segelboot vor der kroatischen Küste unterwegs. Immer, wenn ich auf einem Boot oder in der Nähe des Wassers ein Kind sah, ist mir das Ereignis vom Vorjahr durch den Kopf gegangen und auch die Furcht, dass diesem Kind etwas ähnliches passieren könnte“, erklärt Franziska Krimplstötter.

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