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Musikerin aus Bad Feilnbach erklärt, warum sie und andere am Faschingsdienstag demonstrieren

Franziska Kolb spielt nicht nur Harfe, sie baut die Instrumente auch. Bei der maskierten Demo j´heute werden auch einige musikalische Klänge zu hören sein.
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Franziska Kolb spielt nicht nur Harfe, sie baut die Instrumente auch. Bei der maskierten Demo j´heute werden auch einige musikalische Klänge zu hören sein.

Sie fordert Politik mit Menschenverstand und Corona-Regelungen mit Augenmaß. Dafür steht die 25-jährige Franziska Kolb aus Wiechs am Faschingsdienstag abends auf dem Rathausplatz von Bad Feilnbach. Mit Künstlerfreunden bei einer Demo. Maskiert. Als „die Letzen ihrer Art“?

Bad Feilnbach – Am Faschingsdienstag ist traditionell Kehraus, die närrische Saison endet, die Fastenzeit beginnt. Heuer steht der Tag hingegen fast unter umgekehrten Vorzeichen. Nicht nur, dass die entbehrungsreichen Zeiten für viele Menschen schon fast ein Jahr währen. Der „Kehraus“ auf dem Veranstaltungssektor ist seit Langem im vollen Gange, sagt Franziska Kolb aus Wiechs. Diese Sorge treibt sie um – und hat die 25-Jährige auf die Idee zu einer Veranstaltung gebracht, die am Dienstag um 18 Uhr vor dem Bad Feilnbacher Rathaus stattfindet: eine „Demo zur Aufhebung des Lockdowns und zur Erhaltung von Vereinen, Kultur und Tradition“ – und zwar maskiert. Motto: „Die Letzten ihrer Art“.

Frau Kolb, worum geht es Ihnen mit der Demonstration am Faschingsdienstag?

Franziska Kolb: Ich möchte einfach aufmerksam machen auf die aktuelle Lage und die Auswirkungen des Lockdowns auf Kulturschaffende, Vereine und unser Brauchtum. Das kulturelle Leben, das Leben, das man kennt und liebt, wird komplett ausgehungert. Dabei ist die Veranstaltungsbranche der drittgrößte Sektor in unserer Wirtschaft.

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Was fordern Sie?

Franziska Kolb:Ich bin für eine Politik mit Hausverstand. Das Virus kann man nicht verharmlosen, es ist gefährlich, jeder geht anders damit um, jeden trifft es anders. Aber warum kann man zum Beispiel nicht die Gastronomie wieder öffnen mit den Hygienekonzepten, die vorher schon gut funktioniert haben? Auftritte von Künstlern, Training von Sportlern, das Begehen von kirchlichen Festen ermöglichen? Mit Abstand und Menschenverstand muss das doch möglich sein. Wir brauchen eine Perspektive, wann man wieder all diesen Aktivitäten nachgehen kann.

Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass Ihre Terminwahl auf den Faschingsdienstag fiel?

Franziska Kolb: Am Faschingsdienstag ist normalerweise immer Halligalli. Und heuer sollte gar nichts los sein? Da passt das Datum ganz gut. Wobei es mir nicht um Halligalli geht, sondern darum, dass man nach langer Zeit mal wieder zusammenkommt, diskutiert oder auch darüber spricht, wie es den anderen geht. Dem Arbeitgeber, der seine fünf Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste. Dem freischaffenden Künstler, der keinen Anspruch auf finanzielle Hilfen hat und von Grundsicherung lebt oder sein Erspartes angreifen muss. Den Musikern und Trachtlern, die nicht mehr gemeinsam proben und auftreten dürfen.

Ist die Maskierung bei der Demo kein Problem?

Franziska Kolb: Normalerweise herrscht bei einer Demonstration Vermummungsverbot. Aber da bei Demos eine sogenannte zweckgebundene Verkleidung erlaubt ist, kann man hier auf den Fasching als Teil unserer Kultur verweisen, was das Ganze wieder möglich macht.

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Sie selbst sind als Musikerin und Mitglied bei Vereinen und in der Kirchengemeinde aktiv. Spüren Sie Auswirkungen auch anderweitig?

Franziska Kolb: Ich kriege vieles über meine Musikerkollegen mit. Auch über meine Kunden, die zum Beispiel Neubauinstrumente stornieren müssen, weil sie das Geld dafür jetzt schlicht nicht haben. Das wirkt sich auch auf meine Arbeit als Harfenbauerin aus, da ich nur auf Auftrag arbeite. Da sind schon Durststrecken und starke Verluste dabei. Zugleich verlangt das Finanzamt Nachzahlungen, weil man dort aufgrund der Vorjahreszahlen von einer Gewinnsteigerung ausgeht.

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Idee zu der Demonstration?

Franziska Kolb: Die Reaktionen waren eher verhalten. Ich kann es aber auch keinem übel nehmen, es war einfach nur eine Idee. Viele sagen, dass jetzt etwas passieren muss – aber dazu dann stehen, ist noch einmal was anderes. Aber ich sage: Wer, wenn nicht wir, die junge Generation? Wobei es mir wichtig ist, zu sagen: Die besonders Schützenswerten muss man natürlich schützen.

Haben Sie keine Sorge, dass diverse „Querdenker“ auf den Zug aufspringen und die Demo für andere Zwecke instrumentalisieren?

Franziska Kolb:Nein. Auch deswegen, weil am selben Abend parallel eine Veranstaltung dieser Art bereits in einer anderen Ortschaft stattfindet.

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